Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.10.2012

10:16 Uhr

Onlinehandel

Diamanten im Netz

VonRegine Palm, Wolfgang Drechsler

Ein 75-jähriger Juwelier aus Berlin treibt den Online-Diamantenhandel voran - auch für Privatpersonen. Das Angebot umfasst inzwischen 120.000 Steine. Der Handel mit historischem Schmuck bleibt offline.

Diamanten werden zu begehrten Anlageobjekten. Reuters

Diamanten werden zu begehrten Anlageobjekten.

Kapstadt/DüsseldorfEinst war der Kauf eines Diamanten etwas ganz Besonderes: Der Anlass, meist die Verlobung, Hochzeit oder die Geburt eines Kindes, war so magisch wie das geheimnisvolle Funkeln der Steine, die sich meist auf Ringen wiederfanden. Heute flimmert immer öfter der Bildschirm, wenn sich junge Paare auf Diamantenschau begeben. Schuld daran ist, unter anderem, der Berliner Juwelier Ulf Breede. Seit Oktober 2010 bietet er seine Waren nicht nur in seinem Traditionsgeschäft an, sondern auch auf der von ihm ins Leben gerufenen Onlineplattform für Diamanten und Schmuck.

Seit neuestem vermittelt Breede die begehrten Steine auch zwischen Privatinvestoren. Der 75-Jährige führt das 1859 gegründete gleichnamige Familienunternehmen seit 1970 in vierter Generation. In seinem Laden ist er spezialisiert auf historischen Schmuck, der „nach wie vor unser Hauptstandbein ist“, sagt Breede, „aber der andere Bereich wächst“. Denn der Markt wandelt sich: Bei alten Schmuckstücken war die künstlerische Gestaltung oder der Name des Juweliers entscheidend. „Heute wird meist Massenware produziert“, beschreibt Breede den Wandel des Marktes. Und Massenware ist Onlineware.

Breede hat mit seiner Onlineplattform auf den Trend reagiert. „Händler und Großhändler aus der ganzen Welt stellen ihre Steine ein“, sagt er. Sie kommen aus Israel, Belgien, den USA und insbesondere aus Indien. Über die Hälfte der geschliffenen Steine stamme heute aus dem Subkontinent. Das Onlineangebot umfasst mehr als 120.000 Steine. „Der Kunde hat so den Zugriff auf das günstigste Angebot“, sagt Breede. Weltweit werden sogar mehr als 700.000 Steine angeboten.

Doch nicht alle Diamanten reichen den Qualitätsansprüchen des Juweliers. Breede legt Wert darauf, dass sein Unternehmen ausschließlich zertifizierte Diamanten führt. So sei sichergestellt, dass die genauen Parameter der Steine, wie Gewicht, Farbe sowie die Reinheit und der Schliff, verbürgt sind. Darüber hinaus entscheiden über den Preis auch Politur, Symmetrie, Fluoreszenz und das Testat.

In Deutschland gibt es zwei ähnliche Händlerplattformen. Zum einen von der Yorxs AG, zum anderen vom Onlinejuwelier RenéSim. Maximilian Hemmerle, einer der zwei Gründer von RenéSim, ist der Enkel des französischen Schmuckdesigners René Sim Lacaze. Franz und Maximilian Hemmerle sind bereits in der vierten beziehungsweise fünften Generation und in direkter Linie als Juweliere tätig.

Doch Breede geht nun noch einen Schritt weiter. Kürzlich hat er eine zweite Handelsplattform entwickelt - für private Investoren. Bisher galt die Anlage in Diamanten nicht zuletzt wegen des problematischen Wiederverkaufs der Steine als schwierig. Preisänderungen wie bei anderen Investments lassen sich viel schwerer nachvollziehen. Negative Erfahrungen beim Kauf führten laut Breede darüber hinaus bei Kunden schnell zu tiefem Misstrauen, oft sogar zum dauerhaften Rückzug aus dem Diamantengeschäft.

Anders als früher stünden heute weniger stark Emotionen im Vordergrund. Im Gegenteil: Seit dem Ausbruch der Finanzkrise betrachten immer mehr Käufer Diamanten auch als Wertanlage. Die Plattform von Breede eröffnet privaten Käufern und Verkäufern von Diamanten nun einen neuen Weg, an die begehrten Steine zu kommen. Über die zwingend vorgeschriebenen Zertifikate wird die Qualität abgesichert, obendrein ist das private Geschäft günstiger. Denn Händler bringen in der Regel schnell die Mehrwertsteuer in Anrechnung, was den Wert des Investments beträchtlich schmälert.

Zur Orientierung für die Preisfeststellung wird die Onlineplattform der Händler genutzt. Kommt das Geschäft zwischen den privaten Investoren zustande, zahlt der Verkäufer dem Juwelier eine Provision. „Es ist ein reines Vermittlungsgeschäft“, sagt Breede. Seine Kunden kommen vor allem aus Deutschland, doch sind auch Österreicher und Schweizer darunter. „Das Geschäft entwickelt sich gut“, sagt Breede, will aber keine konkreten Zahlen nennen.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

dr-berg

21.10.2012, 13:10 Uhr

Beim lesen dieses Artikels frage ich mich, was dies mit Journalismus und Recherche zu tun hat. In Ihrem Artikel heben sie die Firma Brede in Berlin hervor, auf deren WEB-Seite ein Diamant 1ct, D/IF mit € 22.000,- angeboten wird. Ein qualitativ gleichwertiges Produkt habe ich für € 9.500 auf der WEB.Seite diamond-asset.com gefunden.

Dr. G. Berg, Berlin

Gast44

21.10.2012, 15:22 Uhr

Bei Diamanten gewinnen immer nur die Händler; niemals der private Investor.
Der Spread zwischen An- und Verkauf beträgt mindestens 25%.
Wer keine Ahnung von Diamanten hat, zahlt noch deutlich mehr für den Spread.
Nur als Experte für Diamanten hat man die Chance die Schnäppchen zu finden und die Blender links liegen zu lassen.

Account gelöscht!

21.10.2012, 17:43 Uhr

In Ihrem Kommentar gehen Sie leider von falschen Voraussetzungen aus. Sie vergleichen den Preis eines Steines, bei dem Sie nur 5 Parameter erhalten (Gewicht, Farbe, Reinheit, Testat, Politur(?) ), mit dem Preis eines Steines mit 8 Parametern (zus.Angaben über: Symmetrie, Schliffqualität ( nicht Schliffform!), Fluoreszenz). Da kommen dann im Ergebnis ganz andere Preise heraus, denn gerade die fehlenden Angaben über Schliff und Fluoreszenz lassen einen solchen Preisvergleich, wie Sie ihn machen, fairerweise nicht zu.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×