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03.01.2008

10:17 Uhr

Pakistan

Risikoland mit großen Gewinnchancen

VonMichael Brackmann

Pakistan produziert eine politische Krise nach der anderen – die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Islamabad und Berlin aber hat das bislang nicht belastet. Die deutschen Ausfuhren in das Land am Indus haben sich in den vergangenen Jahren fast verdoppelt. Experten erwarten, dass die Exporte 2007 erstmals die Marke von zwei Milliarden Euro knacken werden.

DÜSSELDORF. Pakistan sei zwar ein politisches „Hochrisikoland“, es biete dem Ausland aber zugleich „große Gewinnmöglichkeiten“, skizziert ein europäischer Diplomat die Lage. Deshalb halten Wirtschaftsvertreter auch nach dem Mord an Oppositionsführerin Benazir Bhutto und der erneuten Verschiebung der Parlamentswahlen an ihrer optimistischen Einschätzung fest. „Deutsche Firmen genießen in Pakistan einen besonders guten Ruf“, sagt Helene Rang, geschäftsführender Vorstand des Nah- und Mittelost-Vereins, dem Handelsblatt.

Die Organisation unterstützt deutsche Unternehmen beim Auf- und Ausbau von Geschäftskontakten in der Region. Rang betont, die Handelsbeziehungen seien langfristig angelegt. Auch bereits vor Ort in Pakistan tätige deutsche Konzerne wie BASF, Bayer, Siemens und Metro würden sich trotz der Zuspitzung der politischen Lage nicht aus Pakistan zurückziehen. Gleichzeitig erwartet die Expertin allerdings, dass die politischen Verwerfungen nach der Ermordung Bhuttos ein solches Ausmaß erreicht haben, dass sie nun die Dynamik der pakistanischen Wirtschaft bremsen. „Wachstumsraten bis zu sieben Prozent im Jahr werden wir künftig nicht mehr sehen“, sagt Rang.

Diese noch nie dagewesene Dynamik der pakistanischen Wirtschaft hängt mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA zusammen. Damals wechselte Präsident Pervez Musharraf ins westliche Lager – als Belohnung erhielt er Schuldenmoratorien und milliardenschwere Finanzhilfen westlicher Staaten. Dank der Finanzhilfen konnte Musharraf die hohen Staatsschulden senken – und die Gunst der Stunde für eine liberale Wirtschaftspolitik nutzen. Er ließ vor allem den Telekom-, Energie- und Bankensektor privatisieren und lockte damit ausländisches Kapital ins Land.

Im vergangenen Jahr gingen die ausländischen Direktinvestitionen jedoch wieder zurück – nicht zuletzt der bewaffnete Konflikt um die Rote Moschee in Islamabad schürte neue Ängste vor einem Land, das auch als „Brutstätte islamistischen Terrors“ gilt. Außerdem leidet Pakistan schon jetzt unter einem wachsenden Handelsbilanzdefizit. Zwei Drittel aller Exporte kommen noch immer aus der Textilindustrie. Und die sieht schon wegen der stärkeren Konkurrenz aus China schwierigen Zeiten entgegen. Stockt jetzt auch die Binnenwirtschaft, könnte neben dem politischen auch das ökonomische Fundament des Musharraf-Regimes ins Wanken geraten.

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