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22.06.2011

12:10 Uhr

Pinselfabrik "Mühle"

Der Dachs im Aufwind

Quelle:Creditreform-Magazin

Die traditionsreiche, sächsische Marke „Mühle“ profitiert vom Trend zur Nassrasur. Mit der Expansion und zunehmender Automatisierung wachsen allerdings auch die Sorgen.

Die Traditionsmarke "Mühle" aus Sachsen ist führend bei der Herstellung von Rasierpinseln aus synthetischem Material. Quelle: obs

Die Traditionsmarke "Mühle" aus Sachsen ist führend bei der Herstellung von Rasierpinseln aus synthetischem Material.

Hundshübel ist ein kleiner Flecken im Erzgebirge. Hierher kommt nur, wer die Natur liebt und die Schaffenskraft der „Hutzenleit“ bestaunen will. Denn im Vogtland rücken die Menschen seit jeher eng zusammen, in warmen Stuben, wo sie gemeinsam arbeiten und singen und die Armut vertreiben, die mit dem Niedergang des Bergbaus ihren Anfang nahm. Noch heute klöppeln die Frauen, und die Männer schnitzen, sägen und drechseln, was das Holz hergibt – Tischpyramiden und Fensterbilder, Nussknacker und Räuchermännchen, Musikdosen und vor allem Schwibbögen für die Weihnachtsmärkte.

Diese Region, in der das Handwerk wahrlich einen goldenen Boden hat, ist auch die Heimat der Pinselfabrik Hans-Jürgen Müller GmbH & Co. KG. Hier fertigte schon der Gründer Otto Johannes Müller die ersten Borstenprodukte und verkaufte sie unter der Marke „Mühle“. Hier rettete Hans-Jürgen Müller die Tradition über die DDR-Jahre und die Wende hinweg. Und hier sind nun Andreas und Christian Müller in der dritten Generation dabei, die Marke zum Inbegriff der„Rasurkultur“ zu machen und die Weichen für die Zukunft zustellen.

Eine solide Grundlage haben sie bereits. Denn das Sortiment ist voll ausgebaut, reicht vom Pinsel mit Silberspitz-Dachshaar oder synthetischen Fasern über die Rasierer, Halter, Tiegel, Schalen, Seifendosen, Spiegel bis zu einer Pflegeserie und zum „Travel Kit“. Der Mittelständler vertreibt außerdem Fremdmarken englischer, amerikanischer und italienischer Herkunft und fertigt für sparsame Kunden die Niedrigpreismarke „hjm“. Auch die Produktion für andere Anbieter – wie Manufactum oder Douglas – lehnen die Müllers nicht ab.

„Das ist ein Markt, der wächst, genauso wie die Marke“, sagt Christian Müller, verantwortlich für Einkauf, Herstellung, einige Großkunden und den US-Markt. Fest steht jedenfalls: Die Mühle wird auf Expansion gebürstet.
Das war nicht immer so. Nach der Wende durchlebte der Betrieb eine harte Zeit. „Angefangen haben wir mit 500 Pinseln am Tag“, erinnert sich Hans-Jürgen Müller – ein Zehntel dessen, was zu DDR-Zeiten gefertigt wurde. Dem Senior war schnell bewusst, dass das Unternehmen nur dann bestehen kann, wenn es gelingt, die Marke wiederzubeleben. „Wir sind sonst austauschbar.“ Aber wer konnte helfen? Vor allem, wer konnte helfen, ohne viel zu kosten?

Um das schmale Budget zu schonen, initiierte Müller einen mit 1.000 DM dotierten Kreativwettbewerb an der Fakultät für Angewandte Kunst, die die Westsächsische Hochschule Zwickau in das nahe Schneeberg ausgelagert hat. Jens-Oliver („Jo“) Zarth, damals Student, heute Freiberufler in Leipzig, überzeugte den Firmenchef schnell. „Er ist eine echte Kreativmaschine“, schwärmt Sohn Andreas, zuständig für Produktentwicklung, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und die Märkte Europa/Asien. „Unheimlich viel Input“ für den Markenaufbau gibt auch Helga Sonntag-Kunst von hsk communications, Hamburg, die seit 2005 zum Team gehört.

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