Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.01.2007

08:00 Uhr

Preisrallye auf Wohnungsmarkt

Moskau wird immer teurer

Russlands Hauptstadt hat ein Rekordjahr bei den Preisen für Wohnimmobilien hinter sich. Selbst sanierungsbedürftige Quartiere in maroden Plattenbauten erzielten 2006 Höchstsummen. Für den drastischen Preisanstieg gibt es gleich mehrere Gründe.

bfai MOSKAU. Der Preisanstieg für Moskaus Wohnimmobilien 2006 raubte selbst Branchenkennern den Atem. Nach Berechnungen des Immobilienportals IRN.ru legten die Quadratmeterpreise zwischen Dezember 2005 und Dezember 2006 durchschnittlich um 88% zu und erreichten ein Niveau von 4.193 US-Dollar (Vorjahr: 2.232 US-Dollar). Bei den preiswerten Quartieren der Economy-Klasse lagen die Zuwächse sogar bei bis zu 150%. Damit gehört der Wohnraum in Moskau nun zum teuersten weltweit.

Grund für die Preisrallye ist der Nachfrageüberhang auf dem Wohnungsmarkt, meinen Immobilienmakler. Trotz Baubooms in Moskau kann das Angebot den Bedarf nicht decken. Zudem täuscht die große Zahl der Kräne über Russlands Hauptstadt darüber hinweg, dass der Wohnungsbau stagniert. Laut Statistikbehörde wurden von Januar bis September 2006 in der Metropole 3,55 Mill. qm Wohnraum fertig gestellt. Das war im Vergleich zur Vorjahresperiode nur ein Plus von 0,1%. Da der Trend zu größeren Quartieren geht, sinkt die Zahl der zum Verkauf stehenden Wohnungen sogar. Außerdem hat die Stadt Moskau Marktbeobachtern zufolge 2006 mehr Neubauten nach sozialen Gesichtspunkten und nach Wartelisten vergeben. Auf den freien Wohnungsmarkt gelangten daher weniger fertig gestellte Gebäude.

Gleichzeitig spülen die anhaltend hohen Weltmarktpreise für Öl und Gas immer neue Kaufkraft ins Land, die Anlageobjekte sucht. Wohnimmobilien gelten im Vergleich mit russischen Aktien als lukrativer. Vielfach stehen die Apartments nach der Veräußerung als Spekulationsobjekt leer. Ein Mietmarkt entsteht nur langsam, unter anderem weil eine eigene Wohnung den Russen als sicherer Hafen gilt, der auch in wirtschaftlich schlechteren Zeiten eine Sicherheit bietet.

Nach dem dynamischen Jahresverlauf kam der Preisanstieg auf dem Moskauer Wohnungsmarkt Ende 2006 allerdings zum Stillstand. Immobilienagenturen berichten von stagnierenden oder sogar leicht zurückgehenden Preisen. Die Käufer zeigten sich zurückhaltend, während gleichzeitig mehr Objekte zum Verkauf standen. Makler rechnen nun für die ersten Monate 2007 mit einer Preiskorrektur von 5 bis 10% für Wohnungen der untersten Qualitätsklasse. Bei Eliteapartments allerdings werden die Preise weiter steigen. Für das Gesamtjahr werden Zuwächse von durchschnittlich rund 20% erwartet, sodass die Marke von 5.000 US-Dollar je Quadratmeter erreicht werden dürfte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×