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09.01.2006

11:34 Uhr

Private-Equity

Heuschrecke kauft „Baby“

VonEva Engelken

Wie fühlt sich ein Unternehmer, der seine von ihm liebevoll „Baby“ genannte Firma mangels Nachfolger an eine Heuschrecke verkauft? Er sei zufrieden, sagt Hans Knürr, Ex-Chef der Knürr AG, einem Hersteller von Netzwerkschränken für Telekomfirmen und Ausrüster von Büroarbeitsplätzen mit knapp 1 000 Mitarbeitern weltweit. „Für meine Familie und mich war es eine sinnvolle Nachfolgelösung. Wichtig war für mich die kompetente Weiterentwicklung meines ,Babies’ – also nicht die Art der Finanzierung.“

DÜSSELDORF. Diese Kompetenz traute der Chef einem Private-Equity-Investor zu, den er zielstrebig ins Boot holte. Schon 1992, also lange vor dem endgültigen Verkauf, hatte Knürr den schweizerischen Investor Cap Vis mit 25,1 Prozent am Stammkapital beteiligt. Im Jahr 2000 übernahm der Finanzinvestor 3i die Knürr AG. „Ein britisches Managementteam hatte von unserem Verkaufsvorhaben erfahren und sich beworben“, schildert Knürr den Einstieg. 3i finanzierte die Übernahme gemeinsam mit dem Team. „Für mich war die Lösung optimal“, sagt Knürr, „denn das Team waren keine Wettbewerber, sondern ehrgeizige Unternehmer.“

So wie Knürr entscheiden sich viele Familienunternehmer mit Nachfolgeproblemen für den Verkauf an Private-Equity-Gesellschaften. „Sie sollten sich den Investor aber vorher gut ansehen“, empfiehlt Albrecht Hertz-Eichenrode, Vorstandschef der Hannover Finanz Gruppe, die sich als Kapitalgeber auf den Mittelstand spezialisiert hat. Seiner Ansicht nach sollte sich der Investor mindestens fünf Jahre im Unternehmen engagieren und mindestens 50 Prozent der Kaufsumme aus Eigenkapital finanzieren (siehe „Tipps für die Auswahl“ am Ende des Artikels).

Nicht immer geht es sofort um den kompletten Verkauf des Familienunternehmens, sondern zunächst nur um die Beteiligung eines Finanzinvestors – so, wie es Knürr gemacht hat. Diese Konstellation verlangt von beiden Parteien Fingerspitzengefühl, wie Hans Knürr aus eigener Erfahrung weiß. Eine der problematischsten Fragen ist, wer in Familienunternehmen mit patriarchalischen Strukturen nach dem Einstieg des Investors welche Entscheidungen trifft. Man ist sich zwar meist einig, dass der Investor bei wesentlichen Änderungen wie Zukäufen oder Kapitalerhöhungen mitreden darf. Streit entbrennt aber meist ums operative Geschäft.



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