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06.04.2006

08:40 Uhr

Probleme mit Behörden und Kunden

Polnische Unternehmer versuchen in Deutschland ihr Glück

Seit Polen in der Europäischen Union ist, zieht es immer mehr Unternehmen über die Grenze nach Deutschland. Dabei handelt es sich nicht nur um kleine Handwerker. Doch egal ob Konzern oder Einzelkämpfer – die Probleme auf dem neuen Markt liegen ähnlich.

HB WARSCHAU. „Inzwischen sind fast 9 500 polnische Firmen in deutschen Handelsregistern eingetragen“, sagt Lars Bosse, Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Polnischen Außenhandelskammer (AHK). Mehr als die Hälfte der Unternehmen ist in Berlin registriert. Ein Jahr zuvor waren es erst 1 300. Die polnische Botschaft in Berlin geht sogar von bis zu 20 000 polnischen Unternehmen mit einem Investitionsvolumen von rund 500 Mill. Euro aus.

Am spektakulärsten war zweifellos das Engagement des Mineralölkonzerns Orlen, der in Deutschland nahezu 140 Mill. Euro investierte und knapp 500 Tankstellen erwarb. Bei der Mehrheit der polnischen Unternehmen handelt es sich allerdings um Klein- und Kleinstbetriebe, betont Bosse. „Die westlichen Investoren in Polen sind häufig Konzerne, das polnische Unternehmertum im Ausland wird dagegen durch Ein-Personen-Betriebe dominiert.“ Etwa 80 Prozent der polnischen Unternehmen seien im Dienstleistungsbereich tätig, hauptsächlich im Bauwesen.

Doch auch einige der „Großen“ auf dem polnischen Markt fühlen sich von den Chancen in Deutschland angezogen. Seit Mitte März testet SMYK, nach eigenen Angaben der polnische Marktführer für Kinderkleidung, ob polnische Kindermode auch in Berlin punkten kann. Das erste Geschäft, eröffnet in einem neuen Berliner Einkaufszentrum ist – noch – ein Pilotversuch, so Tomasz Paszkowski, der stellvertretende Firmenchef.

Die Lodzer Textilfirma KAN, die in Polen mit der Modemarke Tatuum zahlreiche Boutiquen betreibt, war mit der bisherigen Nachfrage in Berlin so zufrieden, dass sie in Leipzig ein zweites Geschäft öffnete und Investitionen in den Haupteinkaufsstraßen von zehn deutschen Städten plant. Der polnische Schuhhändler Gino Rossi, dessen Name so gar nicht polnisch klingt, hat in Berlin sogar bereits drei Geschäfte und plant bis Jahresende drei weitere Ladeneröffnungen.

Viele der polnischen Betrieben stehen nach AHK-Angaben in Polen jedoch vor einer Reihe von Problemen, von der Meldepflicht bis zur Doppelbesteuerung, falls noch ein Wohnsitz in Polen besteht. Auch die Vorschriften für eine Unternehmensgründung bereiteten nicht nur sprachliche Probleme. Angesichts des wachsenden Interesses polnischer Unternehmen am deutschen Markt bietet die Kammer eine Reihe von Hilfsangeboten vor allem für kleine und mittlere Unternehmen an.

„Wir untersuchen den deutschen Markt und bieten Tests an, ob ein bestimmtes Produkt bei deutschen Kunden überhaupt Chancen hat“, sagte Anna Chojnacka, Rechtsberaterin bei der AHK. Andere Unternehmen hatten mit Vorurteilen zu kämpfen, ob die Qualität der „Ostprodukte“ mit deutschen Marken mithalten kann.

„Die deutschen Kunden sind an deutsche Produkte gewöhnt“ musste Krzysztof Domarecki, der Vorstandschef von Selena, einem Hersteller von Chemiematerialien, feststellen. Vor vier Jahren kaufte er daher zusätzlich ein deutsches Unternehmen der gleichen Branche und führte die deutsche Marke weiter. „Obwohl die Produkte unserer deutschen Marke um 20 Prozent teurer waren als die polnischen, verkauften sie sich besser“, erinnert er sich schmunzelnd. Inzwischen werde diese Marke allerdings aus Kostengründen vorwiegend in Polen und Italien produziert.

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