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09.01.2009

10:23 Uhr

Produktentwicklung

Frische Ideen kommen von Kunden

VonCarmen Salvenmoser

Bis zu 70 Prozent der neu eingeführten Konsumgüter verschwinden binnen eines Jahres wieder aus den Ladenregalen. Dabei könnten viele Flops vermieden werden. Wenn die Unternehmen nur aufmerksamer auf ihre Kunden hörten.

Spielzeughersteller Lego setzt schon lange auf den Kunden als Ideengeber. Foto: dpa

Spielzeughersteller Lego setzt schon lange auf den Kunden als Ideengeber. Foto: dpa

KÖLN. Wer gemeinsam mit seinen Kunden an neuen Ideen arbeitet und sie in die Produktentwicklung aktiv involviert, hat die Chance, Produkt-Flops zu erkennen, bevor sie am Markt eingeführt werden, verspricht Michael Bartl, Vorstand der Münchner Innovationsagentur Hyve AG. Der Innovations-Experte nennt das gezielte Einbinden der Kunden "Open Innovation". Dabei gehe es nicht darum, dass Verbraucher eine zündende Idee á la Daniel Düsentrieb entwickeln. Vielmehr soll das Unternehmen von kontinuierlichen Verbesserungsvorschlägen profitieren.

Große Unternehmen wie US-Konsumgüterproduzent Procter & Gamble oder der dänische Spielzeughersteller Lego machen es vor: Sie nutzen schon seit Jahren die Ideen von Kunden und Geschäftspartnern für Produktinnovationen. Jetzt öffnen sich langsam auch mittelständische Unternehmen für Ideen von Dritten und holen sich kreativen Input nicht nur in der eigenen Organisation, sondern auch von Produktnutzern, Forschungseinrichtungen und analogen Märkten. "Aber es gibt auch Mittelständler, die noch nicht umgedacht haben und glauben, alles selbst am besten zu können", warnt Nikolaus Franke, Professor am Institut für Entrepreneurship und Innovation der Wirtschaftsuniversität Wien. Der Experte prophezeit, dass diese Verweigerer die Verlierer des Innovationswettbewerbes sein werden. Gleichwohl versteht er die abwehrende Haltung mancher Unternehmer: "Menschen tendieren dazu, Ideen abzulehnen, die von außen kommen - egal wie gut sie sind", weiß Franke, "Die systematische Außenorientierung ist ja ein recht neues Konzept. Da ist es normal, dass manche Manager sagen ?Das haben wir doch noch nie gemacht?."

Forschungsprojekte an Frankes Institut haben aber immer wieder gezeigt, dass Nutzer von Produkten wertvolle Tipps geben können. Und auch die Praxis bestätigt die Bedeutung von Kundenideen: Durch offene Innovationsprozesse sind etwas das Mountainbike, der Lungenautomat zum Atmen unter Wasser und die Herz-Lungen-Maschine entstanden.

"In der Vergangenheit haben wir die Konsumenten als Zielgruppe angesehen, jetzt betrachten wir sie als Mitgestalter", sagt Birgit Schaldecker, zuständig für Innovationen in der Abteilung Textile Technologies bei Gore. Für die Ideen-Workshops beim Hersteller von wetterfester Kleidung sucht Schaldecker begeisterte Experten und erfinderische Gore-Fans - so genannte Lead User, die wichtigen Trends vorleben und ein hohes Bedürfnis nach verbesserten oder ganz neuen Produkten haben. "Solche Menschen zu finden ist manchmal so schwierig wie die Nadel im Heuhaufen zu suchen", sagt Schaldecker. "Aber hat man sie erst entdeckt, ist die Freude groß, denn dann bekommen wir viel mehr zurück, als wenn wir mit Otto Normalverbrauchern reden." Geht es beispielsweise darum, die Gore-Tex-Jacken noch luftdurchlässiger zu machen, holt das Unternehmen Bauphysiologen und Klimatechniker mit ins Boot, weil die sich gut mit Wärme- und Feuchtigkeitstransport auskennen. Aber auch Extrem-Sportler, die mit großen Rucksäcken Mehrtagestouren unternehmen und selbst bei eisiger Kälte im Schlafsack übernachten, sind wertvolle Ideengeber.

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