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10.01.2007

07:08 Uhr

Public Private Partnership

Gutes tun und Geschäfte machen

VonDietmar Petersen

Public Private Partnerships im Ausland sind nicht nur Entwicklungshilfeprojekte für Gutmenschen. Gerade Mittelständler können die Projekte nutzen, um ausländische Zukunftsmärkte zu erschließen und der Konkurrenz dabei eine Nase voraus zu sein.

Solarkraftanlagen sollen die Umweltprobleme Thailands lindern. Ein deutscher Mittelständler engagiert sich - Mit Geld aus der Entwicklungshilfe. Foto: dpa

Solarkraftanlagen sollen die Umweltprobleme Thailands lindern. Ein deutscher Mittelständler engagiert sich - Mit Geld aus der Entwicklungshilfe. Foto: dpa

KÖLN. Schon die Römer bauten Wein in Moldawien an. Lange, trockene und warme Sommer machen das südosteuropäische Land „zu einem Traum für Winzer“, schwärmt Hermann Weis vom Weingut St. Urbanshof in Leiwen an der Mosel. Nach dem Kollaps der Sowjetunion war Moldawiens Kolchosen-Weinbau in eine schwere Krise gestürzt. Dem Staat fehlten die Mittel zur Sanierung der verbliebenen Rebflächen.

Weis sah in Moldawien Chancen für eine Expansion seiner Rebschule, der Weis Reben GmbH. Ein Engagement in dem Land sollte der Türöffner für einen neuen Exportmarkt der Firma werden. Zunächst drohte ihm das Weinparadies zum Albtraum zu geraten, weil er anfangs auf windige Projektemacher hereinfiel. Doch der Winzer von der Mosel konnte seine Investition retten. Heute läuft das Geschäft.

Weis ist einer der deutschen Mittelständler, die sich Auslandsmärkte über Public Private Partnerships (PPP) erschließen. PPPs sind Kooperationen zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft, meist zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben. In Deutschland sind solche Partnerschaften etabliert: Baukonzerne etwa erstellen und betreiben mit lokalen Behörden Schulen und Gefängnisse und sichern sich so Aufträge.

Weniger bekannt ist, dass es PPPs auch in der Entwicklungshilfe gibt. Dabei handelt es sich um Kooperationen deutscher Organisationen mit deutschen Firmen, sie übernehmen gemeinsam Aufbauprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Bundesregierung beteiligt sich daran mit Steuergeldern.

200 000 Euro bekam Winzer Hermann Weis aus diesem Programm, ausbezahlt über die Deutsche Entwicklungs- und Investitionsgesellschaft (DEG), einer Tochter der staatseigenen KfW-Gruppe. Mit dem Geld baute Weis in Moldawien zusammen mit der größten moldawischen Wein- und Sektkellerei eine Schule für Rebzüchtung auf.

Auf 250 Hektar Testfläche werden dort heute moderne, marktgängige Rebsorten angebaut und moldawische Winzer für die Selbstständigkeit qualifiziert. Für Weis nicht ohne Eigennutz: Er setzt auf steigende Nachfrage der moldawischen Winzer nach seinen Züchtungen.

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