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14.01.2009

08:58 Uhr

Ralf Engelschall, Capgemini-Berater

Offene Software: "Zweischneidiges Schwert"

VonJulia Groth

Offene Software ist bei vielen Mittelständlern äußerst beliebt. Ralf Engelschall, Berater beim Software-Anbieter Capgemini SD&M, erklärt worauf Unternehmer beim Kauf offener Software achten müssen und für wen sich individuelle Software lohnt.

Capgemini-Berater Ralf Engelschall ist Experte für offene Software. Foto: PR

Capgemini-Berater Ralf Engelschall ist Experte für offene Software. Foto: PR

Handelsblatt: Herr Engelschall, wie nützlich ist es für Mittelständler, Software mit offener Architektur und offenen Schnittstellen zu kaufen?

Das ist ein zweischneidiges Schwert. Der Vorteil solcher Software ist: Es ist oft möglich, zunächst Kernelemente zu kaufen, die dann später um weitere Module ergänzt werden können. Man sollte allerdings darauf achten, dass dies keine große zu erbringende Integrationsleistung nach sich zieht, sonst kann es schnell teuer werden. Darüber hinaus gibt es oft - abgesehen von Produkten großer Hersteller - keinen auf Bedürfnisse von Mittelständlern zugeschnittenen Markt für Drittanbieter, die Erweiterungen für solche Software verkaufen. So kommen die Erweiterungen in der Praxis oft vom gleichen Hersteller wie die Kern-Software. Die fehlende Konkurrenz wirkt sich dann eher negativ auf die Gesamtkosten aus.

Wird sich ein solcher Markt für Dritthersteller, die sich auf die Software-Bedürfnisse von Mittelständlern spezialisieren, entwickeln?

Ich sehe in der IT-Branche durchaus einen Trend dorthin. Software mit offener oder serviceorientierter Architektur richtet sich mehr und mehr auch an mittelständische Unternehmen. Aber man sollte immer hinter die Kulissen schauen, denn in der Praxis haben besonders die kleineren Mittelständler häufig das Problem, solche Software in die IT ihres Unternehmens selbst zu integrieren. Bei großen mittelständischen Unternehmen sieht das anders aus: sie können einen stärkeren Nutzen aus individuell zusammengestellten Lösungen ziehen - und sie haben hierfür auch eher die nötigen Kapazitäten in ihren eigenen IT-Abteilungen.

Wie ist es denn generell um die IT-Kompetenz der Mittelständler bestellt?

IT-Kompetenz ist durchaus vorhanden. Vor allem die Anwenderkompetenz bei unmittelbar für das Unternehmen nützlicher Software ist hoch. Aus erweiterbarer Software mit offener Architektur und offenen Schnittstellen ziehen allerdings die wenigsten mittelständischen Unternehmen einen unmittelbaren Mehrwert, eben weil sie für die Integration der Software und die mögliche Anbindung an Fremdsysteme einen externen Dienstleister brauchen. IT ist für die Meisten nicht das Kerngeschäft, wo sollen so die eigenen Ressourcen für die notwendigen Integrationsleistungen herkommen?

Ralf Engelschall ist Berater beim Software-Anbieter Capgemini SD&M.

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