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10.05.2011

09:26 Uhr

Ratgeber

Wie Sie sich erfolgreich selbstständig machen

VonThorsten Giersch

Wer sein eigener Herr sein will und eine eigene Firma aufbaut, muss viele Hürden überspringen. Alle wesentlichen Ratschläge im schnellen Überblick - ein nützlicher Leitfaden zum Start in die neue Zukunft.

Von der Idee zum großen Geld: Existenzgründer müssen an vieles denken. Quelle: Yuri Arcurshb. com

Von der Idee zum großen Geld: Existenzgründer müssen an vieles denken.

DüsseldorfKeine Lust mehr auf den Chef? Eine gute Geschäftsidee? Wer sich selbstständig machen will, steht vor vielen Hürden, hat aber eben auch viel zu gewinnen. Einen nützlichen Leitfaden bietet Simone Janson mit ihrem Buch „10 Schritte zur Erfolgreichen Existenzgründung“. Sie ist Expertin für die Themen Arbeitswelt und Existenzgründung. Handelsblatt Online stellt Ihnen die wesentlichen Tipps kurz vor:

Schritt 1: Ideenfindung im Netzwerk

Am Anfang geht es um das Entwickeln einer Geschäftsidee. Diese entstehen selten im luftleeren Raum, sondern in der Regel durch Input von außen. Doch der gute Kern macht noch keine Frucht: Der Gründer sollte von Beginn nicht nur eine Idee haben, sondern auch Perspektiven zum Beispiel für die Vermarktung.

Schritt 2: Strategie und Businessplan

Nun kümmern Sie sich darum, Ihre Idee bzw. Ihr Strategie in einen konkreten Businessplan entsprechend zu formulieren.

Was beim Businessplan wichtig ist

Häufigster Fehler

Einer der häufigsten Fehler ist, dass der Gründer zu sehr von sich ausgeht und im Eifer Kunden und Geldgeber aus den Augen verliert. Daher immer wieder die Perspektive wechseln und den Businessplan aus der Sicht der Kunden bzw. Investoren machen.

Was steht drin?

Ein Businessplan sollte nicht nur formalen Ansprüchen genügen, sondern auch eine Reihe von inhaltlichen  Punkten abdecken. Dazu gehören ein ordentlich ausgefülltes Deckblatt, die Darstellung der eigenen Person, das Konzept, der Kapitalbedarfsplan, der Finanzierungsplan, eine Ertragsvorschau, der Liquiditätsplan und die Anlagen.

Die eigene Motivation

Sehr wichtig ist es, in einem Businessplan die eigene Motivation glaubwürdig zu formulieren. Ehrlichkeit siegt zwar, aber geizen Sie nicht mit Eigenlob. Machen Sie klar, dass Sie und Ihr Unternehmen eine Perspektive haben!

Das optimale Konzept

Handeln Sie die folgenden Punkte exakt durch: Geschäftsidee (Vergleich mit etablierten Unternehmen, Hintergrundinformationen beifügen), Darstellung Markt und Branche inklusive Zukunftsbetrachtung (Recherche lohnt sich!) und Vertriebs- sowie Marketingstrategie (nicht nur Werbung, sondern Image-Bildung).

Der Kapitalbedarfsplan

Ihr Konzept steht – nun geht es darum, wie viel Kapital Sie für die Umsetzung brauchen. Listen Sie alle Posten auf, die bei der Gründung Geld kosten werden. Vergessen Sie nicht, dass Sie und Ihre Familie auch von etwas leben müssen. Simone Janson bietet in ihrem Buch eine hilfreiche Übersicht.

Der Liquiditätsplan

Die Finanzierung des Unternehmens ist das eine, doch die dauerhafte Liquidität das andere. Sie müssen gewährleisten, dass Ihre Firma stets flüssig ist. Das Schreiben einer Rechnung bedeutet noch nicht, dass sie auch bezahlt wird. Für das erste Jahr sollten sie den Liquiditätsplan am besten monatlich erstellen.

Ertragsvorschau

Schließlich sollten Sie eine Übersicht darüber gewinnen, ob ihr Unternehmen dauerhaft tragbar ist. Das gefällt auch potenziellen Geldgebern. Eine Rentabilitätsvorschau, auch Ertragsvorschau genannt, ist Zentral für den Erfolg Ihrer Existenzgründung.

Nicht stur sein

Ein Businessplan hilft Ihnen als Orientierung. Aber eine Planung bedeutet nicht, ein für allemal darauf festgelegt zu sein. Es ist völlig normal, anfängliche Ideen zu verändern.

Schritt 3: Finanzierung

Im dritten Schritt kümmern Sie sich um die Finanzierung Ihrer Idee. Und selbst wenn sie keinerlei Investoren benötigen: Eine Existenzgründung verursacht immer Kosten – im Zweifel für die eigene Lebenshaltung.

Wie Sie an Geld kommen

Staatliche Förderprogramme

Seitens des Bundes, der Länder und der EU werden Existenzgründern zahlreiche Fördermöglichkeiten geboten. Dabei gehören die Kreditprogramme der KfW Mittelstandsbanken zu den wichtigsten. Dazu zählen das KfW-Startgeld, das Unternehmerkapital sowie der Unternehmerkredit.

Banken

In der Regel sind Banken der erste Ansprechpartner, wenn es um das Startkapital geht. Im Gegensatz zu staatlichen Förderprogrammen handelt es sich aber um Fremdkapital, dass Sie mit Zinsen zurückzahlen müssen. Üblicherweise müssen Sie ein Geschäftsfoto eröffnen müssen, das teurer ist. Gesetzlich ist aber nichts vorgeschrieben. Bitten Sie also Ihre Bank, ob ein gewöhnliches Girokonto reicht.

Leasing

Wenn Sie investieren wollen, aber kein Eigenkapital besitzen und kein Fremdkapital aufnehmen wollen, können sie das Investitionsgut leasen. Das geht entweder beim Hersteller des Gutes selbst oder über ein Finanzinstitut. Leasingverträge haben große Ähnlichkeit mit Mietverträgen. Ihr größter Vorteil ist, dass Sie die Summe nicht auf einmal berappen müssen. Das Risiko besteht in der Insolvenz Ihres Unternehmens, dann nämlich können Sie das Gut nicht einfach verkaufen.

Venture-Capital-Gesellschaften

Venture-Capital-Gesellschaften vergeben Kapital, ohne Sicherheiten zu verlangen. Im Gegenzug erwerben sie aber Beteiligungen an Ihrem Unternehmen und erwarten erhebliche Wertsteigerungen. Dafür vermitteln Venture-Capital-Gesellschaften aber auch wichtige Kontakte.

Private Investoren

Wer lieber auf private Investoren setzt, sollte sie in seinem nahen Umfeld suchen. Günstiger als ein Bankkredit ist das allemal, allerdings handelt es sich hierbei eher um kleinere Summen. Achtung bei Geldgebern aus der Familie: Hier schaut das Finanzamt in der Regel ganz genau hin.

 

Schritt 4: Die optimale Rechtsform

Jetzt ist es an der Zeit, die Rechtsform Ihres Unternehmens festzulegen. Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Struktur Ihres Unternehmens.

Personengesellschaften

Der Vorteil von Personengesellschaften gegenüber Kapitelgesellschaften ist ein deutlich geringerer Aufwand für Gründung, Buchhaltung und Steuern. Ihr Nachteil besteht in dem persönlichen Haftungsrisiko. Es folgen die verschiedenen Formen der Personengesellschaften:

Tipps für die Rechtsform

Einzelunternehmer

Egal ob Freiberufler oder Unternehmer: Wenn Sie Ihr Unternehmen alleine leiten, sind sie „Einzelunternehmer“. Eine Rechtsform, die sich zum Einstieg sehr gut eignet. Ein Vorteil ist die leichte Besteuerung, da Sie keine komplette Bilanz abgeben müssen, sofern Sie nicht als Kaufleute im Handelsregister stehen.

Tipps für den Einzelunternehmer

Wenn Sie freiberuflich und gewerblich tätig sind, sollten Sie die Bereiche strikt trennen. Sonst gelten alle Einkünfte als gewerblich. Sofern keine Ehevertrag geschlossen wurde, wonach die Beteiligten den Güterstand der Gütergemeinschaft gewählt haben, haftet der Ehepartner grundsätzlich nicht für Ihre Verbindlichkeiten.

Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Wenn sie mit anderen zusammen ein Unternehmen gründen, bietet sich die GbR an. Jede Geschäftspartnerschaft kann diese Rechtsform annehmen. Besondere Formalitäten und Mindestkapital sind nicht notwendig. Allerdings sollten Sie einen schriftlichen Vertrag abschließen.

Nachteile der GbR

Sofern es nicht anders geregelt ist, müssen alle Geschäftsführer der GbR wichtigen Entscheidungen zustimmen, was die Unternehmensführung stark beeinträchtigen kann. Zudem haften alle. Wenn also ein GbR-Gesellschafter einen Fehler macht, sitzen alle mit im Boot. Umso wichtiger ist ein korrekter Gesellschaftervertrag.

Offene Handelsgesellschaft (OHG)

Die OHG ist die Fortentwicklung der GbR. Der Eintrag ins Handelsregister ist Pflicht, was zur Bilanzierung verpflichtet. Dafür darf sich die OHG ihren Namen selbst aussuchen. Später kann eine OHG leicht in eine GmbH umgewandelt werden. Durch die Aufnahme von Kommandisten (reine Geldgeber) wird die OHG zur Kommanditgesellschaft.

Partnerschaft

Als Alternative zur GbR wurde für Freiberufler die voll geschäftsfähige Partnerschaft geschaffen. Ihre Mitglieder können die persönliche Haftung im Gesellschaftervertrag beschränken. Gegründet wird eine Partnerschaft per Vertrag. Zulässig ist sie allerdings nicht für jeden Beruf. Ihr großer Vorteil ist, dass jeder Partner nur für sich haftet.

Kapitalgesellschaften 

Wer steuerbegünstigt Spenden einsammeln will, wer das große Rad drehen will, wer seine Haftung begrenzen will und wessen Umsatz schlichtweg eine gewisse Höhe überschreitet – der sollte die Gründung einer Kapitalgesellschaft erwägen.

Pro und Contra GmbH

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Kapitalgesellschaften wie die GmbH haben den Vorteil, dass die Gesellschafter nur begrenzt haften. Daher genießen sie einen hervorragenden Ruf. Jeder kann sie gründen. Zunächst muss ein Gesellschaftsvertrag beim Notar beurkundet werden. Dann muss ein Geschäftsführer bestellt, anschließend die Stammeinlage eingezahlt werden.

Die Nachteile der GmbH

Die Gründung einer GmbH ist aufwendiger und wegen der Einlagen und Kosten auch teurer als die Gründung anderer Gesellschaftsformen. So braucht es ein Stammkapital von 25.000 Euro.

Wer bei der GmbH wie haftet

Bei Vertragsnichterfüllung haften Geschäftsführer oder Gesellschafter nur dann, wenn sie etwa durch eine Bürgschaft Mithaftung übernommen haben. Auch bei der Euro-Produkt-Haftung steht nur die GmbH in der Pflicht, nicht der Geschäftsführer. Der trägt allerdings bei strafrechtlichen Problemen die Risiken, die GmbH schützt ihn davor nicht.

Zahlen publizieren

Seit 2007 muss eine GmbH ihre Jahreszahlen online abrufbar im zentralen Unternehmensregister publizieren. Die großen GmbHs müssen alle Angaben offenlegen, die mittleren und kleineren nur eine Kurzform ihrer Bilanz.

Steuerliche Vorteile

Aus steuerlicher Sicht ist die GmbH äußerst interessant, denn anders als Personengesellschaften zahlt sie nur 15 Prozent Körperschaftssteuer. Als Einkommen werden die Gewinne versteuert, die der Gesellschafter erhält. Zudem wird das Gehalt des Geschäftsführers steuermindernd vom Gewinn abgezogen.

Die Aktiengesellschaft

Eine AG zu gründen ist auch für kleine Betriebe zwar möglich, lohnt sich aufgrund des hohen Aufwandes in der Regel aber nicht. Dafür braucht es eine Satzung, Aufsichtsrat und Vorstand, alles notariell beglaubigt. Nun ist ein Grundkapital von 50.000 Euro erforderlich.

Die Limited (Ltd.)

Die Private Limited by Shares ist eine Kapitalgesellschaft auf Aktienbasis. Sie kommt aber ohne Mindesteinsatz aus und bietet ihren Gesellschaftern einen Haftungsschutz wie die deutsche GmbH. Daher ist die Limited hierzulande zuletzt sehr populär geworden. Allerdings hat die Limited gerade in Deutschland einen eher schlechten Ruf, eben weil die Haftung anders als bei einer GmbH nicht abgedeckt ist. Für den internationalen Markt ist die Limited aber durchaus geeignet.

 

Schritt 5: Die Gewerbeanmeldung

Freiberufler können dieses Kapitel theoretisch überspringen – zumindest sofern sie die exakte Abgrenzung zum Gewerbe kennen.

Normalerweise müssen Existenzgründer nun ihr Gewerbe in der Stadtverwaltung anmelden. Es gibt allerdings auch Ausnahmen, wo dies nicht notwendig ist: Zu den Vorraussetzungen gehört, dass die Tätigkeit nicht „sozial unwert“ ist, wie zum Beispiel Hellseherei. Zudem muss die Tätigkeit auf Gewinnerzielung ausgerichtet und auf Dauer angelegt sein. Sie üben das Geschäft in eigenem Namen und auf eigene Rechnung aus.

Ihre Anmeldung kann persönlich oder schriftlich erfolgen und kostet 15 bis 30 Euro. Die Gewerbeanmeldung (GewA1) liegt in jeder Gemeinde aus. Achten Sie je nach Beruf darauf, welche zusätzlichen Unterlagen Sie einreichen müssen. Dies ist im Internet nachzulesen.

Kommentare (13)

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Filipe

10.05.2011, 12:44 Uhr

Eine Ergänzung zum Thema Finanzierung: Private Investoren kann man ab Herbst 2011 auch über http://www.innovestment.de finden - dem online-Marktplatz für Startup-Beteiligungen.

Account gelöscht!

24.05.2011, 09:09 Uhr

Bei Schritt 4 fehlt die bereits vor einiger Zeit eingeführte Rechtsform der Unternehmergesellschaft (UG), bei der die Haftung mit geringerem Kapitaleinsatz als bei einer GmbH beschränkt werden kann.

Schritt 6 ist Quatsch, nach der Gewerbeanmeldung bei der Gemeinden muss man sich doch nicht "beim Finanzamt anmelden".

Und bei Schritt 7 ist wirklich alles durcheinander geworfen, ALG 1/ALG 2, das nicht mehr existierende Überbrückungsgeld (stattdessen gibt es jetzt den Gründungszuschuss), ebenso die angeführten 300 Euro, die erst auf besonderen Antrag nach Ablauf des Gründungszuschusses gewährt werden etc.

Und das sind nur die "Highlights".

Man kann wirklich nur hoffen, dass sich niemand auf diese Informationen. Bessere Quellen: IHK und ggf. die BA (bei ALG-Bezug). Meine Güte, das ist wohl einer der schlechtesten Artikel der Welt...

Account gelöscht!

24.05.2011, 11:04 Uhr

"Substanz entscheidet". Wohl wahr! :-))

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