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21.01.2009

11:28 Uhr

Reifenhersteller

Der eigene Lieferant als Wettbewerber

VonLars Reppesgaard

Unter den Kleinen im Reifenhandel ist Emigholz einer der Großen. Um sich gegen die Konzerntöchter zu behaupten, muss Reifenhändler Harald Emigholz an allen Fronten kämpfen. Wie sich das Familienunternehmen in einer skurrilen Situation behauptet.

Kalte Winter sind für Harald Emigholz ein Garant für Umsatz. Foto: dpa

Kalte Winter sind für Harald Emigholz ein Garant für Umsatz. Foto: dpa

HAMBURG. Wenn es draußen stürmt und dicke Regentropfen - oder besser noch: Schneeflocken - an die Scheibe klatschen, ist Harald Emigholz zufrieden. "Alle Welt macht lange Gesichter wegen des schlechten Wetters, außer mir." Dann blüht sein Geschäft, denn das Familienunternehmen Emigholz in Bremen verkauft Reifen. Und das ist ein Saisongeschäft.

Der 55-Jährige Emigholz führt das Unternehmen bereits in vierter Generation. Kühles, feuchtes Herbstwetter und kalte, knackige Winter mit Dauerfrost und Blitzeis auf der Straße sind für ihn ein Segen. Maximal drei Monate im Jahr ist in den Werkstätten Hochbetrieb - wenn die Winterreifen montiert werden.

Fallen die Winter so mild aus wie vor zwei Jahren, bricht sein Umsatz ein, weil viele Autofahrer auf das Umrüsten verzichten. In den 16 Standorten im Nordwesten Deutschlands arbeiten rund 150 Mitarbeiter. Das Unternehmen, das 1929 von Theodor Emigholz gegründet wurde, setzt heute rund 30 Millionen Euro um. Unter den Kleinen im Reifenhandel ist Emigholz zwar einer der Großen. Doch der Hanseat will mehr. "Wir müssen wachsen oder weichen", sagt der Firmenchef. "Also wachsen wir, aber langsam und mit Bedacht."

Rund 2 000 Reifenhändler mit insgesamt knapp 4 200 Betriebsstätten gibt es dem Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) in Bonn zufolge in Deutschland. Die allermeisten sind - noch - Einzelkämpfer mit ein oder zwei Filialen. Aber die Marktstrukturen verschieben sich, die Kleinen sterben aus. "Der Markt ist mit Anbietern überbesetzt, die Zahl der Distributionsstellen ist einfach zu hoch", urteilt BRV-Geschäftsführer Hans-Jürgen Drechsler. "Das hat in den vergangenen Jahren zu immer mehr Verdrängungswettbewerb geführt, dem vor allem kleinere, mittelständische Firmen zum Opfer gefallen sind."

Handelsgiganten wie Vergölst, Euromaster, First Stop und die GD Handelssysteme decken mit ihren großen Zweigstellennetzen deutsche Autofahrer mit frischem Gummi ein. Alle haben mit großen Reifenherstellern finanzstarke Mütter hinter sich: Vergölst ist die Handelstochter des Hannoveraner Reifenriesen Continental, Michelin aus dem französischen Clermont-Ferrand steht hinter Euromaster. GD gehört zum Goodyear-Dunlop-Konzern, First Stop zu Bridgestone. Die Zahl der Filialen der industrienahen Reifenhändler hat sich seit 1992 fast verdoppelt. Unter anderem, weil sie mit Kampfpreisen antreten und Verluste von den Muttergesellschaften auffangen lassen können. Vor 16 Jahren betrieben sie knapp 860 Zweigstellen, heute fast 1 700.

Auch wenn die Reifenhersteller bestreiten, dass sie den Handelstöchtern für die Pneus weniger in Rechnung stellen als den unabhängigen Händlern, agieren die konzernnahen Distributoren oft als Preisbrecher. "Unsere Lieferanten sind unsere Wettbewerber", ärgert sich Emigholz. "Das ist ein ungleicher Kampf."

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