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25.11.2015

15:46 Uhr

Reise-Unternehmer

Allein gegen Vietnams korrupte Justiz

VonFrederic Spohr

Vietnams Präsident Truong Tan San ist auf Staatsbesuch in Berlin. Unterdessen bittet ein Unternehmer aus Sachsen die Bundesregierung um Hilfe, damit er in dem korrupten Staat Südostasiens zu seinem Recht kommt.

Reise-Unternehmer Heiko Grimm ist in Vietnam um Geld geprellt worden.

Heiko Grimm

Reise-Unternehmer Heiko Grimm ist in Vietnam um Geld geprellt worden.

BangkokDem vietnamesischen Präsidenten wird viel geboten: Als Truong Tan Sang am Dienstag in Berlin einfliegt, eskortieren zwei Jets der Luftwaffe seine Maschine. Über solch eine Begrüßung durften sich 2015 nur die englische Königin Elizabeth II. und der israelische Präsident Reuven Rivlin freuen. Doch für den Gast aus Vietnam, der während seines viertägigen Staatsbesuches mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zusammentrifft, ist nichts zu schade. Die politischen Spitzen wollen über „neue Projekte im Rahmen der strategischen Partnerschaft beraten“, teilt die Bundesregierung mit. Zudem sprechen sie über Chancen, die sich deutschen Unternehmen durch die Wirtschaftsgemeinschaft der südostasiatischen Staaten ergeben. Es geht um die ganz großen Themen, für die ganzen großen Unternehmen.

200 Kilometer südlich der Hauptstadt sitzt der sächsische Reise-Unternehmer Heiko Grimm in seinem Büro in Chemnitz und ärgert sich. Statt den Präsidenten Vietnams derart zu hofieren, sollte die Bundesregierung dem Gast sagen, was für einem korrupten System er vorstehe. „In Vietnam sind die Verträge das Papier nicht wert, auf denen sie geschrieben stehen“, sagt der Chef von ITI-Holiday. „Aber die Bundesregierung setzt sich nur für die großen Konzerne ein, und nicht für Mittelständler und kleine Unternehmer.“

Grimm spricht aus Erfahrung. Seit drei Jahren kämpft er im verfilzten Justizsystem Vietnams um sein Geld: 30.000 US-Dollar investierte er 2012 in ein dortiges Reiseunternehmen. Mit dem Geschäftspartner vor Ort hatte er schon länger zusammengearbeitet und Vertrauen aufgebaut. Ein Fehler.

Als er nach ein paar Monaten wieder ins Land kam, präsentierte ihm der Partner plötzlich eine horrende Rechnung für ominöse Renovierungen. Und es kam noch dicker: Statt Grimm stand plötzlich die Frau des Geschäftspartners im Register. Seine dafür benötigte Unterschrift wurde einfach gefälscht. Proteste bei den Behörden liefen komplett ins Leere. Die 30.000 US-Dollar lösten sich in Luft auf.

Wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie auf Anfrage dem Handelsblatt mitteilt, sei der Behörde der Fall ITI Holiday bekannt. Es handele sich dabei um einen von mehreren Unternehmern aus Deutschland, die über Schwierigkeiten in Vietnam geklagt – und sich deshalb an die Bundesregierung gewandt hätten. Zu Einzelheiten wolle man sich allerdings nicht äußern. Grundsätzlich beobachte das Ministerium die Situation deutscher Unternehmen im Ausland nach eigenen Angaben „sehr genau“ – und unterstütze diese bei rechtlichen oder politischen Schwierigkeiten „sowohl auf fachlicher wie auch auf politischer Ebene gegenüber den offiziellen Stellen der betroffenen Staaten“. Das gelte auch für „kleine und mittelgroße Unternehmen“. Konkret zur rechtlichen Situation in Vietnam weist ein Sprecher darauf hin, dass die Bundesregierung seit 2008 einen Rechtsstaatsdialog mit der vietnamesischen Regierung führe.

Tatsächlich gilt Vietnam als Boom-Staat in Südostasien. Während andere Länder in der Region politisch instabil werden und die schwächere Nachfrage in China zu spüren bekommen, startet Vietnam durch. Die Asiatische Entwicklungsbank erhöhte ihre Wachstumsprognose für das Land zuletzt noch einmal auf 6,1 Prozent in diesem Jahr.

Wegen deutlich günstigerer Löhne als in China entdecken immer mehr internationale Unternehmen den südlichen Nachbarn als Produktionsstandort. Zudem lockt ein großer Binnenmarkt mit rund 90 Millionen Einwohnern und eine glänzende Vernetzung durch Freihandelsabkommen. Vietnam beteiligt sich an der Transpazifischen Partnerschaft TPP, der Südostasiatischen Wirtschaftsgemeinschaft und hat als erstes Schwellenland ein Freihandelsabkommen mit der EU abgeschlossen. Die ausländischen Direktinvestitionen sollen dieses Jahr um 40 Prozent auf 23 Milliarden US-Dollar steigen.

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