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08.06.2011

12:41 Uhr

Rendite mit Risiko

Mittelständler entdecken den Anleihemarkt für sich

Immer mehr Mittelständler setzen auf Anleihen, statt auf den Bankkredit. Dabei müssen sich Anleger oft auf den guten Namen verlassen, denn die Transparenz lässt oft zu wünschen übrig. Gefragt ist dafür Risikobewusstsein.

Mittelständler wie Underberg haben die Anleihe für sich entdeckt. Quelle: PR

Mittelständler wie Underberg haben die Anleihe für sich entdeckt.

FrankfurtValensina macht es, Underberg tut es, und auch Air Berlin ist dabei: Immer mehr Unternehmen aus dem Mittelstand haben die Anleihe als Alternative zum Bankkredit entdeckt, wenn sie Geld brauchen. Die Mittelstandsanleihen zielen bewusst auf Privatanleger: Die Stückelung liegt bei höchstens 1.000 Euro. Bei „großen“ Firmenanleihen liegt der Einstieg oft bei 100.000 Euro und mehr.

Die Anleihen der Mittelständler sind attraktiv für Anleger, weil sie meist deutlich mehr Zinsen bieten als beispielsweise Bundesschatzbriefe, die derzeit irgendwo unter drei Prozent herumdümpeln. Da sind 7,375 Prozent bei Valensina oder gar 8,5 Prozent bei Air Berlin schon ein Wort.

Die Nachfrage ist entsprechend. So hat Air Berlin Mitte April das Orderbuch für eine 150-Millionen-Euro-Anleihe schon nach wenigen Stunden wegen Überzeichnung vorzeitig schließen müssen. Air Berlin sprengt zwar die Definition von Mittelstand. Zwei Anleihen der Fluggesellschaft werden von der Stuttgarter Börse aber in ihrem Segment der Mittelstandsanleihen aufgeführt.

Innerhalb weniger Monate ist ein neuer Anleihemarkt entstanden, der manchen kritischen Beobachter schon an Zeiten der Internetblase Ende der 1990er Jahre erinnert. Die Stuttgarter Börse machte den Vorreiter, inzwischen reißen sich alle Regionalbörsen und neuerdings auch die Frankfurter Börse um Mittelständler, die Anleihen an die Anleger bringen wollen.

Das Problem dabei ist nach Einschätzung von Experten, dass die Anleger sich beim Kauf der Anleihen in erster Linie auf den guten Namen des Unternehmens verlassen müssen. Es gebe zwar Transparenzpflichten bei der Emission der Anleihe, aber die seien „im Vergleich zur Aktie sehr unterdurchschnittlich“, sagte der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marco Cabras.

Eigentlich müssten schon die Zinsen von 7, acht oder mehr Prozent misstrauisch machen. „Das ist die Risikoprämie“, sagte Cabras. Hohe Renditen sollen Anlegern ein höheres Risiko schmackhaft machen. Und auch die Ratings der Firmen, die inzwischen häufig im Anleiheprospekt aufgeführt werden, sind nicht so strahlend: Bestenfalls BBB+ ist da zu finden, was „befriedigende Bonität“ bedeutet, häufig aber auch BB, also nur noch „ausreichende Bonität“ und bereits als „spekulativ“ eingestuft. „Wenn die normale Anleihen rausgeben würden, würden sie als junk bonds gehandelt“, sagte ein Experte, als Schrottanleihen also.

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