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05.07.2011

13:01 Uhr

Renditekönige in der Nische

Die heimlichen Weltmarktführer

VonDieter Fockenbrock

Sie mögen klein sein und aus der Provinz kommen - doch viele Mittelständler können sogar Dax-Unternehmen mit ihrer Rendite übertrumpfen. Bei den Marktführern in der Nische stimmt vor allem das Geschäftsmodell.

Die Optikerkette Fielmann verkauft inzwischen jede zweite Brille in Deutschland. Quelle: dapd

Die Optikerkette Fielmann verkauft inzwischen jede zweite Brille in Deutschland.

DüsseldorfDer Renditekönig gibt sich bescheiden. Er residiert in einem Gewerbegebiet am Rande der bayerischen Stadt Landsberg, verkauft unspektakuläre Geräte für Großküchen und ist so gut wie unbekannt. Die Rational AG verkörpert wie kaum eine andere Firma die Hidden Champions der Wirtschaft. Auf den ersten Blick ein Mittelständler aus der Provinz – erst auf den zweiten der Weltmarktführer.

Profiköche in allen Ländern arbeiten heute mit Technik von Rational. Dabei wurde die Firma erst 1973 gegründet, der Gang an die Börse ist erst zehn Jahre her. Vor allem aber: Rational ist das ertragsstärkste Unternehmen im Handelsblatt-Firmencheck, in dem alljährlich die Rendite der 135 größten börsennotierten deutschen Konzerne analysiert wird. Die MDax-Firma sticht sogar im Vergleich über fünf Jahre die Softwareschmiede SAP aus.

Rational erwirtschaftet eine Rendite, von der andere Industrieunternehmen nur träumen. 2010 lag die Kapitalrendite (ROI) bei mehr als 30 Prozent. Seit Jahren überzeugt der Großküchenausrüster durch Spitzenwerte auch bei Eigenkapitalquote und Cash-Flow-Kriterien.

Die besten zehn Konzerne im Fünfjahresvergleich haben mit Rational auffällige Gemeinsamkeiten. Erstens sind die meisten Spezialisten in ihrer Branche, keine Generalisten. Zweitens haben alle bis auf den Pumpenspezialisten Pfeiffer Vacuum einen starken Ankeraktionär im Rücken. Oft sind es die Gründer der Firmen, die als Vorstandschefs oder Aufsichtsräte die Geschicke ihrer Unternehmen noch entscheidend bestimmen.

Gerhard Weber beim Bekleidungskonzern Gerry Weber aus dem ostwestfälischen Halle, Günther Fielmann mit seinem Brillendiscounter, die Familie Wacker in ihrem bayerischen Spezialchemiekonzern oder Siegfried Meister, Gründer und jetzt Rational-Chefaufseher. Selbst den einzigen Dax-Konzern unter den Top Ten, die Walldorfer SAP, umgibt bis heute der Geist seiner Gründer, obwohl die keine 24 Prozent der Aktien mehr halten.

„Die Unternehmen kommen zwar aus ganz unterschiedlichen Branchen und sind unterschiedlich groß“, sagt Thomas Kautzsch von der Managementberatung Oliver Wyman. „Was aber alle auszeichnet, ist ein überzeugendes Geschäftsmodell, das sie kontinuierlich weiterentwickeln.“ Gerry Weber etwa baut nach vielen Jahren reinen Verkaufs über den Facheinzelhandel jetzt sein Filialnetz aus.

Ertragsstärke ist aber nicht selbstverständlich. „Das halten nur wenige über Jahre durch,“ sagt Karlheinz Küting, Professor an der Uni Saarbrücken und Direktor des Centrums für Bilanzierung und Prüfung (CBP). Es gelinge vor allem Unternehmen, die Nischen bedienen. „Größe ist keine Garantie für Ertragskraft,“ sagt Küting. Das CBP, die Unternehmensberatung Oliver Wyman und das Handelsblatt erstellen den Firmencheck.

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