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22.04.2011

09:13 Uhr

Risikofaktor Rohstoffe

Wenn Silber und Co. zu Luxusgütern werden

VonMathias Peer

Angesichts der steigenden Rohstoffpreise finden sich viele Mittelständler früher oder später in einer prekären Situation wieder - denn nur wenige beschäftigen Spezialisten, die sich um das Risikomanagement kümmern.

Models in echtem Silber: Der Preis für den Rohstoff hat den höchsten Stand seit 1980 erreicht. Quelle: Reuters

Models in echtem Silber: Der Preis für den Rohstoff hat den höchsten Stand seit 1980 erreicht.

KölnBillig waren Oliver Berkings Besteckkollektionen noch nie. Bald könnte das handgefertigte Tafelsilber aber auch seiner wohlhabenden Kundschaft zu teuer werden. Innerhalb von zwei Jahren hat sich der Silberpreis mehr als verdreifacht, vergangene Woche erreichte er den höchsten Stand seit 1980. „Das trifft uns im Kern unseres Geschäftsmodells. Wir sind abhängig von diesem Material“, sagt Berking, Geschäftsführer der weltweit führenden Besteckmanufaktur Robbe & Berking aus Schleswig-Holstein.

Noch wirbt das Unternehmen in seinem Internetauftritt damit, dass allen Produkten die Preise von Ende 2008 zugrunde liegen. „Wir hatten die hohen Rohstoffpreise erwartet und uns damals mit großen Silbermengen eingedeckt“, sagt Berking. Der Vorrat neige sich jetzt dem Ende zu. „Wir werden um Preissteigerungen nicht herumkommen. Ich grüble gerade noch darüber, wie viel wir unseren Kunden zumuten können.“

Teuer geworden ist nicht nur Silber. Auch Zucker, Mais, Rohöl oder Kupfer entwickeln sich derzeit auf den Weltmärkten zu Luxusgütern, deren Preis immer schwerer zu kalkulieren ist. „Die Schwankungen der Rohstoffpreise sind in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen“, sagt Jan Müller-Gödeke, Rohstoffexperte des auf Einkauf spezialisierten Beratungsunternehmens Inverto. „Vor allem mittelständische Betriebe sind darauf oft nicht ausreichend vorbereitet.“

Fehlendes Bewusstsein

Müller-Gödeke befragte für eine Studie 220 Firmen zu ihrer Rohstoffstrategie. Das ernüchternde Ergebnis: Obwohl über 70 Prozent der Teilnehmer mit steigenden Rohstoffpreisen rechneten, beschäftigten nur knapp 20 Prozent interne Spezialisten, die sich um Risikomanagement sowie die Preisabsicherung kümmern.

Auch die Finanzdienstleister beobachten bei ihren Kunden Nachholbedarf. „Dem Mittelstand fehlt es nach wie vor an einer stringenten Strategie“, sagt Christoph Pellengahr, Regionalleiter des mittelständischen Firmenkundengeschäfts bei der DZ Bank. „Die Finanzabteilungen beschäftigen sich meist nur mit Zins- und Währungsrisiken, für Rohstoffe ist primär der Einkauf zuständig.“ Um Gefahren zu erkennen und zu minimieren, sei allerdings eine ganzheitliche Strategie notwendig, die alle Unternehmensbereiche erfasse.

Diesen Rat hat die bayerische Hymer Leichtmetallbau befolgt. Der Finanzchef des Herstellers von Aluminiumleitern hat jede Woche einen festen Termin mit dem Chefeinkäufer. Dabei legen die beiden gemeinsam fest, welche aktuellen Rohstoffeinkäufe am Finanzmarkt abgesichert werden.

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