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16.08.2016

10:00 Uhr

Risikokapital

Berlin verliert die Start-up-Krone

VonMiriam Schröder

Berlin sieht sich als Start-up-Hauptstadt Europas. Doch was die Investitionen mit Risikokapital betrifft, ist die Stadt wieder hinter London und sogar Stockholm gefallen. Es gibt aber auch gute Nachrichten für Berlin.

Die deutsche Hauptstadt ist in einem aktuellen Ranking hinter London und Stockholm zurückgefallen. dpa

Start-up-Metropole Berlin

Die deutsche Hauptstadt ist in einem aktuellen Ranking hinter London und Stockholm zurückgefallen.

BerlinAusgerechnet London: Die Heimat der britischen Start-up-Szene, die nach dem Brexit-Votum nach Meinung aller Experten eigentlich darnieder liegen sollte, zieht in einem aktuellen Ranking wieder an Berlin vorbei: Sie hat europaweit das meiste Risikokapital an sich gezogen.

Die Unternehmensberatung EY erstellt jedes halbe Jahr ein Start-up-Barometer, in dem sie die Risikokapitalinvestitionen in europäische Start-ups auflistet und miteinander vergleicht. Die Studie wird gerne von Politikern, Beratern – oder auch Journalisten – zitiert, wenn es um die fantastische Positionierung der deutschen Start-up-Szene geht.

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Laut einer Studie gehört Deutschland zu den zehn innovativsten Ländern der Welt und hat es damit zum ersten Mal in die Top Ten der jährlichen Uno-Rangliste geschafft. Den ersten Platz belegt erneut die Schweiz.

Doch diesmal enttäuscht das Ergebnis: Nach London flossen im ersten Halbjahr 2016 Investitionen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro, nach Stockholm eine Milliarde Euro. Berlin (520 Millionen) liegt noch hinter Paris (673 Millionen). Im vergangenen Jahr war das anders, da konnten die Berliner Start-ups insgesamt 1,5 Milliarden Euro einwerben und lagen auf Platz eins – vor London. Start-up-Hauptstadt Nummer eins, betitelte sich Berlin fortan selbst und wurde oft damit zitiert.

Deutschlandweit sieht es kaum besser aus: Die deutsche Start-up-Szene liegt auf Platz drei, hinter Großbritannien und Schweden. Die Höhe der Investitionen brach von knapp zwei Milliarden Euro auf 957 Millionen Euro ein. Dafür stieg die Anzahl der Finanzierungsrunden um 60 Prozent auf 249. Europaweit fiel die Höhe des investierten Kapitals zwar auch, aber nur knapp von 6,7 Milliarden Euro auf 6,4 Milliarden Euro.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

Zum Vergleich: In Nordamerika floss im gleichen Zeitraum mehr als viermal so viel Risikokapital: Auf rund 32 Milliarden Dollar kommen die Kollegen von KPMG in einer eigenen Studie.

Man solle das Ergebnis nicht überbewerten, sagen die EY-Experten. „Auf den ersten Blick wirken die Zahlen bedenklich: Das deutschlandweite Investitionsvolumen bricht um mehr als die Hälfte ein und obendrein verliert das lebendige und kreative Berlin gegenüber anderen europäischen Hauptstädten wie London oder Paris“, sagt Peter Lennartz, Partner bei EY. Man könne das alles auch positiv deuten, etwa so: „Immer mehr deutsche Start-ups erhalten frisches Kapital, es gibt immer mehr mittelgroße Finanzierungsrunden. Das zeigt, dass deutsche Jungunternehmer für Investoren so attraktiv sind wie nie zuvor.“

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