Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.09.2014

18:14 Uhr

Ritter Sport

Streit um Aroma in Nuss-Schoko geht weiter

Das Oberlandesgericht München befasst sich ab Dienstag mit dem Streit zwischen Ritter Sport und Stiftung Warentest. Letztere hatte die Nuss-Schokolade von Ritter Sport im Test mit „mangelhaft“ bewertet.

Ein künstliches Vanille-Aroma in der Sorte Voll-Nuss hat den Testern nicht geschmeckt. dpa

Ein künstliches Vanille-Aroma in der Sorte Voll-Nuss hat den Testern nicht geschmeckt.

MünchenDer Schoko-Streit zwischen der Stiftung Warentest und Ritter Sport geht in eine neue Runde: Ab Dienstag befasst sich das Oberlandesgericht München mit der Frage, ob die Stiftung Warentest behaupten darf, dass in der Voll-Nuss-Schokolade von Ritter Sport ein künstliches Vanille-Aroma eingesetzt wird. Dies hatte das Landgericht München den Warentestern verboten.

Stiftung Warentest hatte der Sorte Voll-Nuss des für seine markante quadratische Tafelform bekannten Schokoladenproduzenten im November vergangenen Jahres die Note „mangelhaft“ verpasst. Grund dafür war, dass nach Überzeugung der Tester bei der Produktion ein chemisch hergestelltes Vanille-Aroma anstelle des versprochenen natürlichen Vanille-Aromas eingesetzt wird.

Gegen diese Behauptung ging Ritter vor und setzte per einstweiliger Verfügung durch, dass sie nicht mehr aufgestellt werden darf. Diese einstweilige Verfügung bestätigte im Januar das Landgericht München.

Ritter Sport: Aroma oder natürliches Aroma?

Steckt in der Schokolade reine Vanille?

Meist sind es Aroma, natürliches Aroma oder Extrakt, die den Geschmack ausmachen. Für den Verbraucher ist es schwer, sich in diesem Begriffs-Dschungel auf der Verpackung zurechtzufinden. Der Rechtsstreit um ein angebliches chemisches Vanillearoma in der Voll-Nuss-Schokolade von Ritter Sport zeigt, dass Verbraucherschützer peinlich genau auf die richtige Kennzeichnung achten. Unterschieden wird vor allem zwischen „Aromen“ und „natürlichen Aromen“.

Was ist ein Aroma?

Steht allein „Aroma“ oder „Aromastoff“ auf der Verpackung, wurde dem Lebensmittel eine im Labor chemisch hergestellte Substanz zugefügt. Die früher in Deutschland geltende Unterscheidung in „künstlich“ und „naturidentisch“ gibt es nicht mehr. „Künstlich“ war ein chemisch hergestelltes Aroma. Als „naturidentisch“ durfte ein Aroma bezeichnet werden, wenn eine in der Natur vorkommende Substanz lebensmittelchemisch hergestellt wird. Der Begriff „naturidentisch“ war von Verbraucherschützern als Täuschung kritisiert worden.

Was ist ein Aromaextrakt?

Eine weitere Variante zur Aromengewinnung ist die Extraktion eines Stoffes, etwa mithilfe von Wasser oder Alkohol. Vanilleextrakt zum Bespiel wird mithilfe von Alkohol aus der Vanilleschote herausgezogen.

Worum geht es in dem Schokoladen-Streit?

Die Stiftung Warentest hat die Ritter-Sport-Schokolade Voll-Nuss als mangelhaft bewertet. Sie bemängelte unter anderem, dass ein chemisch hergestellter Stoff als „natürliches Aroma“ deklariert worden sei und nicht als „Aroma“. Es handelt sich um den Stoff Piperonal mit Vanille- und Mandelgeruch, der natürlich unter anderem in Blütenölen und in Pflanzen wie Pfeffer und Dill vorkommt.
Ritter Sport erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen die Behauptung der Stiftung Warentest, dagegen legten die Verbraucherschützer Widerspruch ein. Dem Unternehmen zufolge wurde der Stoff von einem Aromahersteller in einem physikalischen Verfahren aus Pflanzen gewonnen und kann daher als „natürliches Aroma“ deklariert werden.

Wer entscheidet über die Zulassung von Aromen?

Aromastoffe dürfen nicht gesundheitsgefährdend sein und den Verbraucher nicht irreführen. In der EU prüft seit 2008 die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nach strengen Kriterien, ob bei einem Aroma eine Gesundheitsgefährdung ausgeschlossen werden kann.
Seit April 2013 gilt eine EU-weit gültige Positivliste, die jährlich aktualisiert werden soll. Auf ihr sind alle zugelassenen synthetisch gewonnenen sowie durch chemische Verfahren isolierte Aromastoffe und natürliche Aromastoffe aufgeführt. Für die EU-Positivliste wurden rund 3000 Aromen auf ihre Sicherheit untersucht, übrig blieben zunächst 2100 zulässige Aromastoffe, 400 weitere werden noch getestet.

Was gilt für Biolebensmittel?

Nach der EU-Verordnung für Biolebensmittel dürfen für Bioprodukte nur „natürliche Aromastoffe“ oder „Aromaextrakte“ eingesetzt werden. Manche Biohersteller verzichten auch auf natürliche Aromen und verwenden lediglich Aromaextrakte.

Um inhaltliche Fragen zur Schokoladenherstellung ging es in dem Rechtsstreit bislang noch nicht. Die Frage ist, ob es nun vor dem OLG München darum gehen wird – oder erneut darum, ob die Stiftung Warentest so negativ urteilen durfte wie geschehen.

In seinem Urteil hatte sich das Münchner Landgericht im Wesentlichen auf die Seite von Ritter geschlagen: Das Gericht bemängelte, von einem fairen Warentest könne nicht gesprochen werden. Die Tester hätten die europäische Aroma-Verordnung in einem Maß ausgelegt, das unzutreffend und nicht mehr vertretbar sei. Die Berichterstattung über den Test liege außerdem außerhalb einer sachlichen Verbraucheraufklärung.

Das OLG könnte bereits am Dienstag eine Entscheidung treffen, womöglich sind für das Verfahren aber noch weitere Verhandlungstage nötig. Eine Sprecherin der Stiftung Warentest sagte auf Anfrage, es sei "wahrscheinlich", dass die Stiftung im Fall einer erneuten Niederlage weitere rechtliche Schritte unternehme.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×