Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.09.2014

16:41 Uhr

Rügenwalder

„Wurst wird die Zigarette der Zukunft“

Alles hat ein Ende - und die Wurst plötzlich auch? Glaubt man einem der bekanntesten Wursthersteller Deutschlands: Ja. Rügenwalder Mühle setzt einem Medienbericht zufolge künftig verstärkt auf vegetarische Produkte.

Christian Rauffus, Chef der Rügenwalder Mühle. Tristan Vankann für Handelsblatt

Christian Rauffus, Chef der Rügenwalder Mühle.

DüsseldorfDer Wursthersteller Rügenwalder Mühle sieht seine Zukunft in vegetarischen Produkten und will damit einen großen Teil seines Umsatzes erwirtschaften. „Innerhalb der nächsten fünf Jahre wollen wir mindestens 30 Prozent unseres Umsatzes mit vegetarischen Produkten erzielen. Das Geschäft soll eine tragende Säule des Unternehmens werden", sagte Geschäftsführer und Miteigentümer Christian Rauffus der „Welt am Sonntag“.

Mit der Neuausrichtung reagiere Rügenwalder auf den seit Jahren schrumpfenden Wurstmarkt und die wachsende Zahl der Verbraucher, die sich fleischlos oder fleischarm ernähren, heißt es. „Wir passen uns an und werden ab Dezember auch fleischfreie Wurst anbieten. Wenn es den Kunden schmeckt, wird sich das durchsetzen“, sagte Rauffus. Geplant seien etwa fleischlose Mortadella und Frikadellen auf der Grundlage eines Rohstoffs aus Hühnereiern und Rapsöl. Auch rein pflanzliche Produkte sind im Gespräch.

Fakten zur Rügenwalder Mühle

Gründungsjahr

1834 in Rügenwalde, dem heutigen Darłowo im polnischen Westpommern.

Geschichte

Die Familie wurde zum Ende des Zweiten Weltkriegs vertrieben und siedelte um ins Ammerland nahe Oldenburg. Aus der Metzgerei wurde eine Wurstfabrik mit Ladenlokalen, später gab das Unternehmen die Filialen auf und konzentrierte sich auf die Produktion. Ein Urteil des Bundesgerichtshof sicherte aus Pommern vertriebenen Unternehmern in den 1950er-Jahren zu, weiter „Rügenwalder Wurst“ zu produzieren.

Eigner und Führung

Geschäftsführer in der sechsten Generation ist Christian Rauffus. Die Firma befindet sich zu 100 Prozent in Familienbesitz, darunter die beiden Schwestern Rauffus' und sein einziges Kind, Gunnar Rauffus. Die Übergabe an die nächste Generation ist in Vorbereitung.

Produkte

Zu den bekanntesten Produkten zählt die Teewurst. In ihr ist kein Tee verarbeitet, die Streichwurst aus Schweinefleisch trägt den Namen, da sie historisch gerne zu Tee gegessen wurde. „Lachsschinken hat auch nichts mit Fisch zu tun“, sagt Rügenwalder-Chef Christian Rauffus. Auch Leberwurst ist eines der klassischen Produkte, in den vergangenen Jahren sind Kochschinken, Wiener Würstchen und Frikadellen hinzugekommen. In Zukunft könnten auch fleischlose Produkte zum Sortiment hinzukommen.

Geschäftsentwicklung

Das Unternehmen verkauft fast ausschließlich in Deutschland. Ein Grund: Teewurst ist jenseits der Landesgrenzen schlicht unbekannt. Mit Hilfe moderner Verpackungen, offensiver Werbung und regelmäßigen Produktneuerungen wächst das Unternehmen langsam aber stetig. Im Jahr 2007 hatte der Umsatz 146 Millionen Euro betragen, im Jahr 2012 waren es 174 Millionen Euro (plus ein Prozent gegenüber 2011).

Beschäftigte und Standorte

Die Rügenwalder Mühle hat etwa 400 Mitarbeiter, die ausschließlich am Standort der Zentrale in Bad Zwischenahn nahe Oldenburg arbeiten. Ein Vorteil des Standorts sei die relative Nähe zu großen Schweinefleisch-Produzenten in Niedersachsen.

Das sagt der Bürgermeister

Die Rügenwalder Mühle ist der größte Arbeitgeber im Ammerland und damit von großer Bedeutung für die Region. „Das Unternehmen spendet regelmäßig für öffentliche und soziale Zwecke“, sagt der Bad Zwischenahner Bürgermeister Arno Schilling (SPD). „Die Familie ist der Gemeinde eng verbunden, aber sie drängt sich nicht in den Vordergrund.“

Rauffus zufolge hätten Fleisch- und Wurstprodukte zunehmend mit einem schlechten Image zu kämpfen. Gerade die jüngere Generation setze auf Fisch und vegetarisches Essen. „Das ist schon ähnlich wie mit dem Rauchen. Es gibt einige in der Branche, die sagen, die Wurst wird die Zigarette der Zukunft.“

Der Unternehmschef gilt seit längerem als Befürworter einer fleischärmeren Ernährung. „Wir essen zu viel Fleisch“ sagte Rauffus im vergangenen Jahr in einem Interview mit Handelsblatt Online.

Unternehmergespräch Rügenwalder Mühle: „Wir essen zu viel Fleisch“

Unternehmergespräch Rügenwalder Mühle

exklusiv„Wir essen zu viel Fleisch“

Im Kühlregal ist die Rügenwalder Mühle eine Größe. Doch der schrumpfende Fleischmarkt bringt den Chef auf andere Gedanken: Christian Rauffus denkt an Soja-Schnitzel und kann fleischfreien Kantinentagen etwas abgewinnen.

Von

koe

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×