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13.09.2015

09:05 Uhr

Sattler-Branche

„Drei Pferde sichern einen Arbeitsplatz“

Eine kleine Branche mit langer Tradition behauptet sich bundesweit erfolgreich im Schatten der Öffentlichkeit. Die Zunft der Sattler exportiert Pferdesättel rund um den Globus.

Georg Kannemeier, Geschäftsführer des Reitsattel- Herstellers Passier & Sohn, präsentiert am 04.09.2015 in dem Unternehmen in Langenhagen in der Region Hannover (Niedersachsen) Reitsättel. Der Betrieb ist schon seit 1867. dpa

Reitsattel-Hersteller Passier & Sohn

Georg Kannemeier, Geschäftsführer des Reitsattel- Herstellers Passier & Sohn, präsentiert am 04.09.2015 in dem Unternehmen in Langenhagen in der Region Hannover (Niedersachsen) Reitsättel. Der Betrieb ist schon seit 1867.

Hannover„Drei Pferde sichern einen Arbeitsplatz“, sagt Georg Kannemeier. Der Vorsitzende der Fachgruppe Pferdesport im Bundesverband der Sportindustrie (BSI) muss es eigentlich wissen. Auf der internationalen Fachmesse „Spoga Horse“ in Köln spürte er mit Vertretern der Branche aus dem In- und Ausland kürzlich den Trends auf und unterm Sattel nach. „Deutschland ist mit Abstand der größte Reitsportmarkt, den es weltweit gibt - aber zugleich ist er auch der umkämpfteste“, sagt der Geschäftsführer des renommierten Traditionsherstellers G. Passier & Sohn aus Langenhagen bei Hannover.

Der Betrieb ist schon seit 1867 im Geschäft und sieht sich selbst mit einer Produktion von 4.000 bis 6.000 Sätteln pro Jahr als Marktführer im Reitsattelgeschäft. Niedersachsen gilt nach Nordrhein-Westfalen als eine der bedeutendsten deutschen Pferderegionen – und damit als Sattler-Land. „Im ganzen Land kommen wir auf 173 Sattlerei-Betriebe“, sagt Hannovers Handwerkskammer-Sprecherin Brigitte John.

Diese Branchen sind fest in Familienhand

Bau

Im Baugewerbe sind drei Viertel aller Betriebe im Familienhand. Wie wichtig diese im großen Maßstab sind zeigt die Firma Goldbeck aus Bielefeld: 2014 erwirtschafteten sie einen Umsatz von 1,57 Milliarden und waren damit das sechstgrößte Bauunternehmen Deutschlands.

Quelle: Studie des Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn, Februar 2015

Handel

Ein weitere Kernbranche der Familien ist der Handel: Sie stellen knapp 70 Prozent aller großen Unternehmen. Vor allem die Lebensmittelhändler wie die Schwarz-Gruppe (Lidl, Edeka) oder die Rewe-Group dominieren mit Umsätzen von jenseits der 70 beziehungsweise 50-Milliarden-Euro-Grenze.

Verarbeitendes Gewerbe

Rang Drei der Branchen mit den meisten familiengeführten Unternehmen ist das verarbeitende Gewerbe, die zu 69,3 Prozent von Inhabern geführt wird. Zum verarbeitenden Gewerbe zählen unter anderem die Schwerindustrie oder die chemische Industrie. Ein Beispiel ist die Firma Würth, die mit seiner Produktion von Schrauben bekannt wurde.

Gastgewerbe

Das Gastgewerbe ist traditionell stark in Familienhand. Heute ist das noch bei zwei Drittel aller Betriebe der Branche der Fall. So betreibt etwa die Münchner Kuffler Gruppe deutschlandweit über 40 Restaurants.

Wirtschaftliche Dienstleistungen

Immer noch 59 Prozent der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen werden von Familien gesteuert. Unter die schwammige Kategorie fallen beispielsweise die Vermietung von Fahrzeugen, die Überlassung von Arbeitskräften oder auch Reisebüros.

Freiberufler, Wissenschaftler, Techniker

Die nächste breite Kategorie im Ranking sind die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen. Mehr als die Hälfte (56,4 Prozent) dieser Firmen werden von Familien geführt.

Verkehr und Lagerei

Etwa 53 Prozent der großen Verkehrsunternehmen werden von Familien geführt. Dazu gehört unter anderem die Logistikbranche mit Firmen wie Kühne und Nagel, Dachser oder Rhenus.

Grundstücks- und Wohnungswesen

Genau die Hälfte aller großen Immobilienunternehmen sind Familienunternehmen. Dominiert wird die Immobilienbranche zwar von großen Unternehmen wie Deutsche Annington oder Deutsche Wohnen. In der Breite führen aber noch viele Familien die Geschäfte in dieser Branche.

Allerdings bringen nicht alle davon Ross und Reiter auf Trab: Viele Sattler möbeln auch abgewetzte Ledersitze von Oldtimer-Fahrzeugen auf oder stellen wie die in Oldenburg ansässige Manufaktur Ackermann edle Lederwaren her. Offizielle Zahlen der kleinen, aber feinen Branche sind Mangelware. Viele der Unternehmen sind Familienbetriebe - sie halten sich bedeckt mit Angaben zu Umsatz und Gewinn.

Neben Passier sieht der BSI die Firmen Kieffer in München, Sommer in Pirmasens und Stübben in Krefeld bundesweit unter den Top vier der Branche. Die Niederrhein-Stadt hat eine lange Tradition: Auch die Wurzeln des heutigen Pariser Luxustaschen-Herstellers Hermès gehen auf einen deutschen Sattler zurück, der seine Produkte an der Seine später auf edle Taschen umstellte. Doch begehrt sind vor allem hochwertige Freizeitsättel - nicht nur bei Reitern, sondern auch bei Dieben, die immer wieder ganze Sattelkammern leeren.

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