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11.01.2009

17:04 Uhr

Saubermann und Söhne

Mit Compliance-Beauftragten gegen dunkle Geschäfte

VonChristoph Stehr

Das Bundeskriminalamt hat im November 2008 eine Statistik veröffentlicht, wonach die Zahl der registrierten Bestechungsstraftaten in Deutschland zwischen den Jahren 2007 und 2006 um 38 Prozent auf 9 600 gestiegen ist. Jetzt hat die deutsche Wirtschaft mit Compliance-Beauftragten dunklen Geschäften den Kampf angesagt. Das Angebot an Seminaren ist inzwischen schon recht groß.

Laut einer Studie von Pricewaterhouse-Coopers verlieren allein Unternehmen in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 2,4 Mio. Euro jährlich infolge von Korruption. Foto: dpa Quelle: dpa

Laut einer Studie von Pricewaterhouse-Coopers verlieren allein Unternehmen in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 2,4 Mio. Euro jährlich infolge von Korruption. Foto: dpa



Nur saubere Geschäfte sind Siemens-Geschäfte", sagt Klaus Moosmayer. Vor zwei Jahren hätte er mit diesem Satz noch für lautes Gelächter gesorgt. Im November 2006 durchsuchten 200 Polizisten und zwei Dutzend Staatsanwälte Siemens-Büros in München, Erlangen, Österreich und der Schweiz, sie beschlagnahmten Akten, filzten Festplatten und verhafteten Manager.

Die Fahnder verfolgten Spuren, die aus Spanien, Italien, Griechenland, Argentinien, Jordanien, Nigeria und Singapur zu schwarzen Kassen führten - gefüllt mit Geld, das Siemens-Mitarbeiter und-Berater Kunden in die Taschen stopften, um Aufträge zu erhalten. Die Großrazzia brachte Beweise ans Licht, zwei Angeklagte wurden 2007 auf Bewährung verurteilt und gerade einigte sich der Elektrokonzern mit den Behörden in den USA und Deutschland gegen Geldbuße auf ein Ende der Ermittlungen in Sachen Schmiergeldaffäre.



Einen Aufsichtsratschef, einen Vorstandsvorsitzenden und rund eine Milliarde Euro Straf- und Bußgeld später hat Siemens einen Compliance Operating Officer - Klaus Moosmayer. Der promovierte Jurist und Rechtsanwalt ist seit Ende 2007 ChefSaubermann am Wittelsbacher Platz in München. Er passt auf, dass sich der Konzern mit seinen 400 000 Beschäftigten in 190 Ländern an Recht und Gesetz hält. "Jeder Einzelne trägt Verantwortung für sein Handeln", sagt Moosmayer. "Aber an Führungskräfte gelten natürlich besondere Anforderungen - denn es war früher zweifelsohne auch die Führungskultur, die beim Thema Compliance versagt hat."

Der deutsche Gesetzgeber zieht seit Jahren die Schlinge zu, was Rechtsverstöße außerhalb der Staatsgrenzen betrifft. Erst war beispielsweise die Bestechung von Amtsträgern im Ausland strafbar, seit 2002 auch die von Privatpersonen. Internationale Organisationen wie UN und EU machen ebenso wie nationale Behörden Druck. Handfeste Risiken drohen. Deshalb bauen Großunternehmen eigene Compliance-Organisationen auf, Mittelständler leisten sich zumindest Compliance-Beauftragte. Nach einer Führungskräftebefragung der European Intelligence Unit vom September 2008 bleibt aber noch viel zu tun: 61 Prozent gaben an, ihr Arbeitgeber reagiere bloß, statt das Thema voranzutreiben.

Ein Grund ist die verbreitete Meinung, Compliance nutze allen anderen, nur nicht dem eigenen Unternehmen. Doch das stimmt nicht. Kriminelle Energie ist ein Bumerang. Vertriebsmanager, die Kunden schmieren, schanzen sich überhöhte Provisionen zu; Einkäufer, welche die Hand aufhalten, schmälern die Marge. Pricewaterhouse-Coopers rechnet in einer Studie von 2008 hoch, dass allein die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 2,4 Millionen Euro jährlich infolge von Korruption verlieren. In Hessen sind es 1,3 Millionen Euro.

Das Bundeskriminalamt hat im November 2008 eine Statistik veröffentlicht, wonach die Zahl der registrierten Bestechungsstraftaten in Deutschland 2007 gegenüber dem Vorjahr um 38 Prozent auf 9 600 stieg. Thorsten Mehles, Chef der Münchener Sicherheitsberatung Prevent, schätzt, dass der jährliche materielle Schaden durch Wirtschaftskriminalität - inklusive der nicht registrierten Fälle - im "hohen zweistelligen Milliardenbereich" liegt.

Der Handlungsdruck erhöht sich und entsprechend groß ist das Angebot im Weiterbildungsmarkt. Es gibt eine Reihe von einschlägigen Seminaren, Workshops und Kursen. Dabei handelt es sich um Einsteigerangebote für die "Durchschnittsführungskraft" sowie um mehrtägige Kurse für "Profis", also die haupt- und nebenamtlichen Compliance-Beauftragten. Sie bräuchten neben juristischen Kenntnissen auch eine wirtschaftsethische Schulung, empfiehlt Otto Geiß, der beim Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport für die interne Revision zuständig ist. Kommunikatives Geschick sei ebenso wichtig, schließlich gehöre es zum Compliance-Auftrag, "das Thema auch in schwierigen Dilemmasituationen nach innen zu vertreten".

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