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15.05.2017

13:58 Uhr

Schlecker-Pleite

„Wir mussten Insolvenz anmelden wegen einer geplatzten Lastschrift“

VonAndreas Neuhaus

Ab wann war das Drogerieunternehmen Schlecker insolvent? Im Prozess gegen Anton Schlecker sollte der ehemalige Finanzvorstand Klarheit bringen. Dieser gibt kuriose Einblicke in das Leben eines Managers bei Schlecker.

Finanzvorstand Sami Sagur (links), Meike Schlecker und Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gaben am 30. Januar 2012 die Insolvenz der Drogeriekette bekannt. picture alliance

Schlecker-Pleite

Finanzvorstand Sami Sagur (links), Meike Schlecker und Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gaben am 30. Januar 2012 die Insolvenz der Drogeriekette bekannt.

StuttgartIm Januar 2012 verkündete Meike Schlecker die Insolvenz des Drogerieriesens Schlecker. Mit wächserner Haut und brüchiger Stimme sagte sie bei einer Pressekonferenz in dem verglasten Unternehmenssitz in Ehingen: „Es ist nichts mehr da.“ Neben ihr saß damals der Finanzvorstand des Unternehmens: Sami Sagur.

Über fünf Jahre später, an diesem Montag, sitzen Meike Schlecker und Sagur wieder zusammen in einem Raum – im Saal 18 des Stuttgarter Landgerichts. Meike Schlecker als Mitangeklagte im Prozess gegen ihren Vater Anton Schlecker, dem die Staatsanwaltschaft vorsätzlichen Bankrott vorwirft. Sagur als Zeuge, der bei der Klärung der Frage helfen soll: War Schlecker schon lange vor der tatsächlichen Insolvenz zahlungsunfähig?

Anton Schlecker: Ein Meister der Verdrängung

Anton Schlecker

Ein Meister der Verdrängung

Ein Ex-Verwaltungsdirektor soll Anton Schlecker jeden Montag die Krisenzahlen vorgelegt haben. Der Zeuge habe immer wieder darauf hingewiesen, dass Zahlungsunfähigkeit drohe. Doch Schleckers Optimismus schien stärker.

Das ist der entscheidende Punkt in dem Prozess gegen Anton Schlecker sowie seine Mitangeklagte Frau Christa und die Kinder Lars und Meike Schlecker. Sagur soll Licht in die komplizierte Finanzkonstruktion bei Schlecker bringen, doch bei ihm ist es ähnlich wie schon bei vielen vorherigen Zeugen. Die Jahre haben die Erinnerungen getrübt, vor allem aber konnte scheinbar selbst das Führungspersonal alleine keine weitreichenden Entscheidungen treffen. Als Sagur berichtet, dass er als Finanzvorstand keinen Zugang zum Buchhaltungssystem hatte, fragt in Richter Roderich Martis etwas ungläubig: „Aber sie waren schon Finanzvorstand?“

Sagur berichtet, dass die Finanzlage des Unternehmens schon schlecht gewesen sei, als er im Juli 2010 seinen Posten als Finanzvorstand bei Schlecker antreten habe. Zwar seien ihm vor Beginn seiner Tätigkeit keine genauen Zahlen bekannt gewesen, er habe aber aus der Presse gewusst, dass es dem Unternehmen nicht gut gehe. Außerdem: „Wenn man eine Schlecker-Filiale besucht hat, konnte man sehen, dass es einen Investitionsstau gab.“ Allerdings sei er davon ausgegangen, dass die Familie Schlecker noch über ausreichend Vermögen verfüge, um neue Investitionen zu stemmen.

Stationen der Schlecker-Insolvenz

23. Januar 2012

Schlecker meldet Insolvenz an.

28. März 2012

Das Verfahren wird eröffnet. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hofft noch auf die Rettung von Teilen der Drogeriekette.

27. Juni 2012

Es wird bekannt, dass Anton Schlecker sein Privathaus im Wert von zwei Millionen Euro vor der Insolvenz an seine Frau übertragen hat. Ein zweites Grundstück soll sein Sohn bekommen haben.

18. Juli 2012

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitet ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott gegen Anton Schlecker ein.

19. Juli 2012

Die Schlecker-Gläubiger fordern mehr als eine Milliarde Euro.

30. November 2012

Der österreichische Investor Rudolf Haberleitner will 2013 bis zu 600 ehemalige Schlecker-Filialen mit dem Konzept eines modernen Tante-Emma-Ladens wiederbeleben.

19. März 2013

Gut ein Jahr nach der Pleite zahlt die Familie Schlecker dem Insolvenzverwalter 10,1 Millionen Euro. Hintergrund ist der Streit um übertragenes Vermögen aus dem Unternehmen.

9. April 2013

Haberleitner will einstige Schlecker-Filialen unter dem Namen Dayli wiederbeleben und Testläden in Deutschland eröffnen.

4. Juli 2013

Noch vor dem geplanten Deutschland-Start ist der Schlecker-Nachfolger Dayli pleite.

13. April 2016

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart erhebt Anklage gegen Anton Schlecker wegen vorsätzlichen Bankrotts.

Sommer 2016

Der Insolvenzverwalter reicht Klage gegen ehemalige Schlecker-Lieferanten ein. Sie sollen Schlecker wegen illegaler Preisabsprachen um viel Geld gebracht haben. Geiwitz will Schadenersatz in Millionenhöhe.

7. Dezember 2016

Es wird bekannt, dass das Landgericht die Anklage zulassen will. Der Schlecker-Prozess beginnt im März 2017.

2017

Im März beginnt in Stuttgart der Prozess. Nach der Zahlung von Geldauflagen werden im Mai die Verfahren gegen Schleckers Ehefrau Christa und die Wirtschaftsprüfer eingestellt. Im November verurteilt das Gericht Anton Schlecker wegen vorsätzlichen Bankrotts zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 54.000 Euro. Schleckers Kinder Lars und Meike werden dagegen zu Haftstrafen von zwei Jahren und acht Monaten beziehunsgsweise zwei Jahren und neun Monaten verurteilt, unter anderem wegen Insolvenzverschleppung, Untreue und Beihilfe zum Bankrott.

Die Staatsanwaltschaft geht hingegen davon aus, dass es weitaus schlechter um Schlecker bestellt war und schon Ende 2009 die Zahlungsunfähigkeit drohte. In dem Prozess wirft die Anklage Firmenchef Anton Schlecker auch vor, dem Zugriff der Gläubiger Vermögenswerte in Höhe von mehr als 25 Millionen Euro entzogen zu haben.

„Ich hatte eigentlich ein gutes Gefühl“, sagt Sagur in Bezug auf die finanzielle Zukunft des Unternehmens. Worin dieser Optimismus begründet war, wird in der Befragung nicht deutlich. Vielmehr hing die Zukunft des Schlecker-Konzerns schon 2010 vom Wohl und Wehe des Lieferanten Markant und des Kreditwarenversicherers Euler-Hermes ab. „Am Ende mussten wir Insolvenz anmelden wegen einer geplatzten Lastschrift“, stellt Sagur die Situation da.

Kommentare (1)

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Herr Eric Berger

15.05.2017, 17:04 Uhr

Wieso kurios? Die Antworten von Hr. Sagur lassen nur einen Schluss zu. Der Herr wollte weiter Karriere machen mit dem Namen Schlecker und sein Gehalt war warscheinlich seiner Position CFO angemessen und sicher höher zu seiner vorherigen bei Porsche Consulting. Dafür hat er egoistische schön die Augen zugemacht und das Beste gehofft und geglaubt.

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