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25.09.2014

14:55 Uhr

Schokostreit

Stiftung Warentest gibt sich Ritter Sport geschlagen

Ende eines langen Rechtstreits: Nachdem die Stiftung Warentest vor Gericht gegen Ritter Sport verloren hatte, räumen die Tester nun selbst ein: Der Schokoladen-Test war „nicht präzise und ausführlich genug“.

Schokolade von Ritter Sport: Die Stiftung Warentest hatte die Note fünf vergeben. AFP

Schokolade von Ritter Sport: Die Stiftung Warentest hatte die Note fünf vergeben.

BerlinDie Stiftung Warentest akzeptiert ihre Niederlage im Streit mit Ritter Sport um die schlechte Bewertung seiner Nuss-Schokolade. Die Organisation erklärte am Donnerstag in Berlin, sie erkenne das Urteil des Oberlandesgerichts München an. Die Tester waren vor dem OLG mit dem Versuch gescheitert, ein früheres Urteil gegen sie aufheben zu lassen. Damit darf die Stiftung Warentest in ihrem Schokoladentest Ritter Sport keine irreführende Kennzeichnung eines Vanillearomas vorwerfen.

Ritter Sport: Aroma oder natürliches Aroma?

Steckt in der Schokolade reine Vanille?

Meist sind es Aroma, natürliches Aroma oder Extrakt, die den Geschmack ausmachen. Für den Verbraucher ist es schwer, sich in diesem Begriffs-Dschungel auf der Verpackung zurechtzufinden. Der Rechtsstreit um ein angebliches chemisches Vanillearoma in der Voll-Nuss-Schokolade von Ritter Sport zeigt, dass Verbraucherschützer peinlich genau auf die richtige Kennzeichnung achten. Unterschieden wird vor allem zwischen „Aromen“ und „natürlichen Aromen“.

Was ist ein Aroma?

Steht allein „Aroma“ oder „Aromastoff“ auf der Verpackung, wurde dem Lebensmittel eine im Labor chemisch hergestellte Substanz zugefügt. Die früher in Deutschland geltende Unterscheidung in „künstlich“ und „naturidentisch“ gibt es nicht mehr. „Künstlich“ war ein chemisch hergestelltes Aroma. Als „naturidentisch“ durfte ein Aroma bezeichnet werden, wenn eine in der Natur vorkommende Substanz lebensmittelchemisch hergestellt wird. Der Begriff „naturidentisch“ war von Verbraucherschützern als Täuschung kritisiert worden.

Was ist ein Aromaextrakt?

Eine weitere Variante zur Aromengewinnung ist die Extraktion eines Stoffes, etwa mithilfe von Wasser oder Alkohol. Vanilleextrakt zum Bespiel wird mithilfe von Alkohol aus der Vanilleschote herausgezogen.

Worum geht es in dem Schokoladen-Streit?

Die Stiftung Warentest hat die Ritter-Sport-Schokolade Voll-Nuss als mangelhaft bewertet. Sie bemängelte unter anderem, dass ein chemisch hergestellter Stoff als „natürliches Aroma“ deklariert worden sei und nicht als „Aroma“. Es handelt sich um den Stoff Piperonal mit Vanille- und Mandelgeruch, der natürlich unter anderem in Blütenölen und in Pflanzen wie Pfeffer und Dill vorkommt.
Ritter Sport erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen die Behauptung der Stiftung Warentest, dagegen legten die Verbraucherschützer Widerspruch ein. Dem Unternehmen zufolge wurde der Stoff von einem Aromahersteller in einem physikalischen Verfahren aus Pflanzen gewonnen und kann daher als „natürliches Aroma“ deklariert werden.

Wer entscheidet über die Zulassung von Aromen?

Aromastoffe dürfen nicht gesundheitsgefährdend sein und den Verbraucher nicht irreführen. In der EU prüft seit 2008 die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nach strengen Kriterien, ob bei einem Aroma eine Gesundheitsgefährdung ausgeschlossen werden kann.
Seit April 2013 gilt eine EU-weit gültige Positivliste, die jährlich aktualisiert werden soll. Auf ihr sind alle zugelassenen synthetisch gewonnenen sowie durch chemische Verfahren isolierte Aromastoffe und natürliche Aromastoffe aufgeführt. Für die EU-Positivliste wurden rund 3000 Aromen auf ihre Sicherheit untersucht, übrig blieben zunächst 2100 zulässige Aromastoffe, 400 weitere werden noch getestet.

Was gilt für Biolebensmittel?

Nach der EU-Verordnung für Biolebensmittel dürfen für Bioprodukte nur „natürliche Aromastoffe“ oder „Aromaextrakte“ eingesetzt werden. Manche Biohersteller verzichten auch auf natürliche Aromen und verwenden lediglich Aromaextrakte.

In dem Test von Vollmilch-Nuss-Schokoladen hatten die Prüfer der Ritter Sport-Tafel die Note fünf gegeben, weil die Schokolade das Aroma Piperonal enthalte, das künstlich hergestellt worden sei, was Ritter Sport bestreitet. Der Hersteller hatte eine einstweilige Verfügung gegen die Behauptung erreicht.

Ob das Aroma tatsächlich natürlich ist oder chemisch hergestellt sei, konnte das Gericht nicht klären. Entscheidend für den Prozess sei aber die Frage gewesen, wie die Stiftung Warentest die Verbraucher über ihre Testmethode informiert habe. Hubertus Primus, Vorstand der Organisation, räumte laut Mitteilung ein: „Die Stiftung Warentest hat im Testbericht nicht präzise und ausführlich genug dargelegt, wie sie zur Beurteilung der Deklaration gekommen ist“. Ob sich das zuständige Landgericht in einem Hauptsacheprozess mit der tatsächlichen Herstellung des Piperonals befassen würde, sei daher ungewiss.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Herr Ylander Ylander

25.09.2014, 15:56 Uhr

Da bin ich ja beruhigt, kann wieder bedenkenlos Ritter Sport essen.

Herr Matthias Moser

25.09.2014, 16:26 Uhr

Na endlich, auch Stiftung Warentest ist nicht "Gott"

Herr Dieter Fritz

25.09.2014, 16:58 Uhr

jetzt mit harten Schadenersatzforderungen gegen die Stiftung nachfassen!

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