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10.01.2007

12:36 Uhr

Schulterschluss

Deutsche Großmessen entdecken die Kooperation

VonJoachim Weber

Hannover mit Stuttgart und Mailand, Frankfurt mit Rom und Köln, Düsseldorf mit St. Gallen – die Allianzen großer Messegesellschaften häufen sich. Nach langer Abstinenz scheint es plötzlich schick, mit anderen Messen zusammen zu arbeiten. Dabei entstehen die unterschiedlichsten Kooperationen.

FRANKFURT. Vorläufer für Kooperation großer Messen gab es freilich schon, so etwa den gemeinsamen Bau eines Messegeländes in Shanghai, den sich die deutschen Messen Düsseldorf, Hannover und München mit einem chinesischen Partner bereits 2000 teilten.

Bislang fielen Kooperationen am leichtesten, wenn sie darauf zielten, Auslandsmärkte mit vereinten Kräften zu erschließen. „Dort sind wir alle relativ klein - mit Ausnahme von Frankfurt“, erklärt der Nürnberger Messechef Bernd Diederichs das Phänomen. „Im Inland gibt es zu wenig Vertrauen untereinander.“ Tatsächlich war das Inland bisher für Allianzen zumindest unter den Großmessen tabu, und auch Vorstöße bei den europäischen Nachbarn kamen nie recht voran. Gar zu eifersüchtig und oft in inniger Feindschaft verbunden belauerten sich die Wettbewerber.

Doch im Juli vergangenen Jahres überraschten Stuttgart und Hannover mit der Mitteilung, „erstmalig in der deutschen Messelandschaft eine strategische Zusammenarbeit bei der Ausrichtung von Investitionsgütermessen beschlossen“ zu haben. Ziel sollte die gemeinsame Vermarktung von Messen „mit gleichem oder ähnlichem Ausstellungsprofil in Stuttgart und Hannover“ sein.

Das Manöver diene der flächenmäßig größten deutschen Messe in Hannover lediglich dazu, den neuen und auf 100 000 Quadratmeter verdoppelten Messeplatz Stuttgart davon abzuhalten, interessante Veranstaltungen aus dem Norden abzuwerben, argwöhnte die Konkurrenz umgehend. Tatsächlich leidet Hannover am stärksten unter dem Trend der Messen, sich gegenseitig auszuplündern – die dortigen Riesenveranstaltungen verführen geradezu dazu, interessante Teile heraus zu lösen.

Stuttgart wiederum hat einerseits das Bedürfnis, die neuen Hallen zu füllen, andererseits den Vorteil, große Teile der deutschen Investitionsgüterindustrie im regionalen Umfeld zu haben. Der Druck dieser Unternehmen genügte bereits, um die süddeutsche Ausgabe der Metallbearbeitungsmesse Metav (Veranstalter: Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken – VDW) von München nach Stuttgart zu holen.

Das Hannoveraner Messe-Management hat also Gründe, wachsam zu sein. Gleichwohl: Die deutsch-deutsche Kooperation markiert einen Anfang. Die Allianz Hannover-Mailand dagegen folgt dem Muster, Kräfte auf neuen Auslandsmärkten zu bündeln.

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