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30.01.2010

15:13 Uhr

Schweitzer

„Die Jungs im Wedding bekommen Altöl statt Muttermilch“

VonChristoph Schlautmann

Meister wurden sie bislang nur mit ihrem Berliner Basketballclub. Jetzt stürmen die Gebrüder Schweitzer an die Spitze der Abfallbranche. Seit einem Jahr steuern Eric und Axel Schweitzer, Inhaber des Familienkonzerns Alba, nebenbei den börsennotierten Kölner Entsorgungskonzern Interseroh.

Der Abfallentsorger Alba möchte nicht nur im Basketball an die Spitze. Pressebild

Der Abfallentsorger Alba möchte nicht nur im Basketball an die Spitze.

Handelsblatt: Eric Schweitzer, fühlen Sie sich als Hüter Ihres Bruders? Immerhin sind Sie sein Aufsichtsratschef bei Interseroh.

Schweitzer: Der Hüter bin ich nicht, das ist allenfalls seine Frau (lacht). Uns beide verbindet in unserem Familienunternehmen ein gemeinsames Wertesystem. Wir fragen uns deshalb nicht: Wie erziele ich kurzfristig Gewinn, den man möglichst schnell ausschütten kann. Wir wollen langfristig Werte schaffen.

HB: Dennoch sind Sie der Kontrolleur ihres Bruders in der börsennotierten Aktiengesellschaft. Wie halten Sie es da mit der Corporate Governance?

Eric Schweitzer: Sobald es im Aufsichtsrat um Entscheidungen geht, die uns beide als Anteilseigner persönlich betreffen oder Geschäfte zwischen Interseroh und unserer Berliner Firma Alba, nehme ich an der Beschlussfassung nicht teil. Es gibt kein Geld der Welt, für das es sich lohnt, sich hier rechtlich angreifbar zu machen.

HB: Wozu Streitereien unter Familienmitgliedern führen, haben Konzerne wie Bahlsen oder Berentzen gezeigt. Wie lösen Sie Konflikte?

Axel Schweitzer: Natürlich gibt es auch bei uns unterschiedliche Ideen. Aber wenn es gelingt, die persönlichen Interessen und Befindlichkeiten hinter das Unternehmensinteresse zu stellen, dann liegt in einer solchen Konstellation ein großer Vorteil. Das funktioniert bei uns jetzt schon seit 15 Jahren.

HB: Wer setzt sich bei Ihnen öfter durch?

Axel Schweitzer: Mein Bruder (lacht).

Eric Schweitzer:Das Interesse der Firma geht immer vor Privatinteressen. Das ist sicherlich bei manchen Familien anders, wo die Familienstämme mit dem operativen Geschäft nichts mehr am Hut haben. Die sind es häufig gewohnt, von dem Geld zu leben, was andere Leute erarbeitet haben.

HB: Sie haben beide ein betriebswirtschaftliches Studium absolviert. Wie einigen Sie sich über die Aufgabenverteilung in der Firma?

Eric Schweitzer: Axels Studium war viel einfacher (lacht). Wir sind vom Typ unterschiedlich - und haben unterschiedliche Schwerpunkte.

Axel Schweitzer: Unsere Eltern haben genau das Gegenteil von dem gemacht, was man in Unternehmerfamilien erwartet. Wir mussten uns eben nicht, kaum dass wir über den Schreibtisch gucken konnten, im elterlichen Betrieb auf unsere Rollen vorbereiten. Erst 1994 nach der Promotion fragte mich mein Vater, ob ich nicht in sein Unternehmen kommen wolle. Er bot mir dann die Überwachung der Produktionsanlagen an. Dort war das meiste Kapital gebunden, und dort wurden die schlechtesten Ergebnisse gemacht. Und ich war 25.

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