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25.07.2017

14:27 Uhr

Schweizer Start-up On Running

„Wir wollen keine Kunden mit Unterhosen gewinnen“

VonCarina Kontio

Auf der Suche nach dem perfekten Laufgefühl: mit dieser Idee erobert das Schweizer Start-up On die globale Laufszene und hängt einige Rivalen im Milliardengeschäft ab. Jetzt bringen die Gründer Bekleidung auf den Markt.

Ex-Spitzenläufer Olivier Bernhard (m) sowie seine Freunde David Allemann (l) und Caspar Coppetti verbindet nicht nur die Freude am Laufsport, sondern auch das Streben nach einem perfekten Produkt. Gerry Nitsch für Handelsblatt

Das Gründer-Team von On Running

Ex-Spitzenläufer Olivier Bernhard (m) sowie seine Freunde David Allemann (l) und Caspar Coppetti verbindet nicht nur die Freude am Laufsport, sondern auch das Streben nach einem perfekten Produkt.

Die drei Freunde Olivier Bernhard, David Allemann und Casper Coppetti wollen mit ihrer Idee, die Sportler schneller machen soll, von der Schweiz aus den Laufschuhmarkt revolutionieren. Vor sieben Jahren gründen sie in Zürich die Firma On Running und bringen einen Schuh auf den Markt, der eine Sohle aus zerschnittenen Gartenschläuchen hat. Dabei herrscht an Laufschuhen nicht gerade ein Mangel. Doch in diesem Milliardengeschäft erringt die junge Züricher Marke in kürzester Zeit eine respektable Position. Mit CEO Olivier Bernhard und David Allemann sprechen wir darüber, wie alles begann - und wie sie den großen Marken weiter Anteile abknöpfen wollen.

Wie kommt man auf die Idee, einen Gartenschlauch zu zerschnibbeln und ihn unter einen Laufschuh zu kleben?
Olivier Bernhard: Erstmal habe ich gar nicht daran gedacht, einen Laufschuh zu entwickeln. Ich habe damals mit extremen Schmerzen in der Achillessehne gekämpft und meine Entzündungen nie richtig in den Griff bekommen. Aber schon nach den ersten Versuchen mit dem Prototypen waren meine Probleme innerhalb weniger Wochen komplett verschwunden.

Wie erklären Sie sich das?

Erste Hilfe gegen Rückenschmerzen

Eisbeutel: den Schmerz blockieren

Wenn Rückenleiden akut auftreten und die Haut rot und geschwollen ist, hilft manchmal nicht Wärme, sondern gerade das Gegenteil: ein Kältekissen mit Körnern oder Gel etwa, oder schlicht ein Beutel mit Wasser und Eiswürfeln. Kälte verengt die Gefäße, hemmt so die Durchblutung und die Erregbarkeit der Nervenzellen. Das hat mehrere Wirkungen: Schmerzreize werden nur noch schwach weitergeleitet, Schwellungen klingen ab.

Wärmekissen: Hilfe durch Kerne und Körner

Wärmekissen sind meist mit Kirschkernen, Hirse oder Dinkel gefüllt und können Hitze lange und konstant speichern. Die abgegebene Wärme erhöht die Elastizität des Gewebes, löst so verkrampfte Muskeln und weitet die Gefäße, das Gewebe wird besser durchblutet. Nährstoffe werden auf diese Weise schneller in das gereizte Gewebe geschwemmt, Abbauprodukte weggeschwemmt.

Physioband: Die Muskeln trainieren

Die aus Latex bestehenden Physiobänder werden in verschiedenen Positionen mit den Händen oder Füßen gespannt und mit mehreren Wiederholungen gedehnt. Je stärker der Zug, desto größer der Kraftaufwand und damit der Trainingseffekt. Viele der Übungen stärken die Bauch- und Rückenmuskulatur und können auf diese Weise Halt geben.

Magnesium: Auf die Dosis kommt es an

Fehlt dem Körper Magnesium, drohen Verspannungen der Muskulatur. Ein Erwachsener braucht 300 bis 400 Milligramm Magnesium am Tag (so viel, wie in 200 Gramm Vollkornbrot oder 150 Gramm Mandeln enthalten ist). Mangelerscheinungen sind selten. Doch die zusätzliche Einnahme von Magnesium kann unter Umständen helfen, die Muskeln zu entspannen und Schmerzen zu lindern.

Wackelbrett: Am besten instabil

Für den Rücken und die gesamte Körperhaltung ist es sehr gesund, wenn man auf wackeligem Untergrund die Balance halten muss. Daheim lässt sich das mit einem Wackelbrett üben. Damit man das Gleichgewicht nicht verliert, müssen Muskeln, Gelenke und körpereigene Bewegungssensoren zusammenarbeiten, die Wirbelsäule bleibt dann gerade, der Hals streckt sich.

Heilerde: Pulver mit Saugkraft

Forscher vermuten, dass Menschen schon in der Steinzeit mineralhaltige Erde als Wundauflage genutzt haben. Heute gibt es sie in Apotheken zu kaufen. Das braune Pulver besteht aus Lösserde und kann bei vielen Beschwerden helfen. Bei einer Entzündung oder Schwellung, etwa nach einer Verletzung, wird die Erde mit kaltem Wasser zu einem dicken Brei verrührt, auf die schmerzende Stelle gestrichen und mit einem Tuch abgedeckt. Beim Trocknen entwickelt sie eine kapillare Saugkraft, die Flüssigkeit aus dem Betroffenen Bereich zieht und so die Schwellung oder einen entzündlichen Erguss mildert. Wer Verspannungen hat oder an einem Hexenschuss leidet, rührt die Erde mit warmem Wasser an.

Warmes Bad: sich treiben lassen

Ein Wannenbad fördert die Durchblutung und löst verspannte Muskeln, zudem werden dank der Auftriebskraft Wirbelsäule und Gelenke entlastet.

Blackroll: Massage fürs Bindegewebe

Diese Schaumstoffrolle kann helfen, verspannte Muskeln zu lösen. Der Betroffene klemmt sie zwischen Rücken und Wand und bewegt durch Kniebeugen seine Rückenmuskulatur darüber. Noch intensiver ist die Selbstmassage, wenn man sich mit dem Rücken auf die Rolle legt.

Kartoffelwickel: Großmutters Heilmittel

Bei Rückenschmerzen hilft auch feuchte Wärme: Hitze wird durch Feuchtigkeit besser geleitet, die Wärme breitet sich schneller und gleichmäßiger aus. Wo der Rücken gewärmt wird, weiten sich die Gefäße, die Durchblutung steigt, Muskeln entspannen sich. Tuch mit zerdrückten Kartoffeln für eine halbe Stunde auf die schmerzende Stelle legen. Dann eine halbe Stunde ruhen.

Korsett: Ruhe für den Rücken

Wenn Bewegungen vor Schmerzen unerträglich sind, kann ein Korsett helfen. Es stützt die Lendenwirbelsäule, verschafft den Muskeln etwas Ruhe. Der Nachteil: Die Muskulatur in diesem Bereich baut sich relativ schnell ab. Ein Korsett sollte daher nur für Stunden getragen werden.

Teufelskralle: Heilpflanze für Geduldige

Die getrocknete Wurzel dieser Pflanze aus der Familie der Sesamgewächse enthält den Bitterstoff Harpagosid. Der hemmt die Bildung von Enzymen, die Entzündungen auslösen und Knorpel angreifen. Medikamente mit einem Extrakt aus der Teufelskralle können Rückenschmerzen lindern und die Beweglichkeit von Gelenken erhöhen. Allerdings kann es bis zu zwölf Wochen dauern, bis die Präparate wirken.

Tens: Sanfter Elektroschocker

Die elektrische Nervenstimulation soll mit Stromimpulsen an der schmerzenden Stelle oder am betroffenen Nerv die Weiterleitung von Schmerzreizen ins Gehirn blockieren. Von Medizinern durchgeführt, kann die Tens bei Rückenschmerzen tatsächlich helfen: Impulse mit hoher Intensität lösen Muskelkontraktionen aus, der Körper reagiert, indem er Körpereigene Schmerzhemmer ausschüttet.

Seitenschläferkissen: Hilfe im Schlaf

Erholsame Nachtruhe in der richtigen Position ist für den Rücken wichtig. Wer oft auf der Seite schläft, sollte daher Kopf und Körper mit einem langen, festen Kissen abstützen. So knickt der Kopf nicht nach unten zur Schulter, die Wirbelsäule bleibt gerade. Zwischen die Beine gelegt, hält ein Kissen das Becken in der richtigen Position.

Bücher: für eine gute Haltung

Balanciert man ein dickes Buch auf dem Kopf, richtet sich der Körper automatisch auf, die Wirbelsäule streckt sich. Menschen mit Rückenproblemen können auf diese Weise die Stützmuskulatur der Wirbelsäule trainieren und ihre Haltung verbessern. Die Übung lässt sich auch am Schreibtisch ausführen, am besten mehrmals in der Woche für jeweils einige Minuten.

Sitzball: Training am Schreibtisch

Unser Körper ist dazu gemacht, sich viel und ausdauernd zu bewegen. Dass wir stattdessen eher viel und ausdauernd sitzen, stellt die Wirbelsäule vor große Probleme, Schmerzen und Verletzungen sind häufig die Folge. Bewegung ist da generell hilfreich und ein Sitzball macht es geradezu unmöglich, regunglos am Schreibtisch zu verharren.

Quelle

Olivier: Das ist so ähnlich wie beim Tennisspielen. Auf Hardcourt-Plätzen, also auf Zement oder Asphalt, bekomme ich ziemlich schnell Knieprobleme. Wenn ich auf Sandplätzen spiele, habe ich keine Probleme, denn ich habe dort die Möglichkeit, in das Abbremsen hinein zu gleiten. Ich lande weich und kann mich im selben Augenblick wieder, wie auf einer Rennbahn, hart abstoßen. Dieses Prinzip wollte ich zusammen mit einem Schweizer Ingenieur in den Laufschuh bringen. Er hatte die erste Idee. Dann haben wir vier Jahre lang getüftelt. Das war schon Ende 2005, im letzten Jahr meiner aktiven Karriere als Profi-Triathlet.

Nun kann ein Laufschuh alleine aber keinen schlechten Laufstil korrigieren, oder?
Olivier: Nein, die Probleme gehen auch nicht von heute auf morgen weg. Vor allem dann nicht, wenn man ineffizient und ungesund läuft. Aber es verändert sich etwas im Körper durch unsere Schuhe, denn in dem Moment, wo Instabilität herrscht, muss der Läufer mit winzig kleinen Muskelfasern reagieren und eine starke Tiefenmuskulatur ist essentiell für eine gesunde Körperhaltung.

Mir kommt gerade ein Gedanke: Wenn Ihre Schuhe so gesund sind, warum arbeiten Sie nicht mit Ärzten und Krankenkassen zusammen? Dann könnten sich Patienten diese doch einfach verschreiben lassen!
Olivier: Oh ja, die Gefahr besteht, dass wir als Medizin-Schuhe abgestempelt werden, aber das wollen wir natürlich nicht. Gerade das Cloud-Modell hat bestimmt das Potential, das habe ich ja an mir selbst als erstes gesehen, aber uns geht es ums Laufgefühl und wir wollen alle Läufer erreichen.

Wenn man so zurückschaut, sind Sie mit Ihrem Traum im Jahr 2010 zur richtigen Zeit in den Markt gegangen: Die Branche hatte lange keine Innovationen mehr gesehen und in etwa das Problem, das die Ski-Branche heute hat. Sie kamen mit etwas völlig Neuem und es hat funktioniert. Nun sind Sie im achten Firmenjahr - was ist der nächste Innovationssprung?
David: Es hat ja bei On ganz viele Innovationsschritte gegeben. Wir sind mit diesem Schuh hier gestartet (zeigt einen klobigen Prototypen, den er Frankenstein nennt) und wenn Sie sich heute unsere Modelle anschauen, sehen Sie, dass wir unsere Technologie in unterschiedliche Richtungen ausdifferenziert haben. Wir haben bei diesem patentierten System so viele Stellschrauben, dass wir noch sehr viele unterschiedlichen Laufgefühle designen und ähnlich wie in der Automobilindustrie damit einen SUV oder ein Sportcar oder einen gemütlichen Familienkombi bauen können.

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