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12.04.2012

19:25 Uhr

Selbstständigkeit

Deutschland gehen die Firmengründer aus

VonDietrich Creutzburg

Noch nie seit der deutschen Einheit war das Interesse an der Selbstständigkeit geringer als heute. Einziger Lichtblick: Frauen gründen so fleißig wie nie zuvor.

Trotz Aktionen wie der Gründerwoche sinkt das Interesse an der Selbstständigkeit. dpa/picture alliance

Trotz Aktionen wie der Gründerwoche sinkt das Interesse an der Selbstständigkeit.

BerlinDeutschland hat sich nach der Weltwirtschaftskrise 2009 erstaunlich schnell erholt und ist für diesen Wiederaufstieg weltweit bewundert worden. Doch 2012 könnte als Jahr des Niedergangs in die Wirtschaftsgeschichte eingehen: als das Jahr, in dem den Deutschen der Unternehmergeist abhandenkam.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) schreibt in seinem „Gründerreport 2012“, der in wenigen Tagen veröffentlicht werden soll: „Der DIHK rechnet damit, dass es im Jahr 2012 weniger als 400000 Existenzgründungen geben wird – und damit so wenig Gründungen wie in keinem Jahr zuvor seit der Wiedervereinigung.“

Den gleichen alarmierenden Trend beobachtet auch die staatliche Förderbank KfW, die Gründern bei der Anschubfinanzierung hilft. Ihr „Gründungsmonitor“, der am 25. April veröffentlich wird, weist in dieselbe Richtung. Einziger Lichtblick: Vier von zehn an einer Unternehmensgründung Interessierten sind inzwischen Frauen – mehr als je zuvor.

Dabei ist das rohstoffarme Deutschland dringend auf kreative Köpfe wie den Xing-Gründer Lars Hinrichs, die mit Internet-Start-ups erfolgreichen Samwer-Brüder oder die sächsische IT-Unternehmerin Viola Klein angewiesen. Die Politik weiß, dass Kreativität und Unternehmergeist wichtige Ressourcen sind. Ende März erst betonte Kanzlerin Angela Merkel auf einem Kongress der Union, wie wichtig es sei, „dass wir unsere Neugierde, unser Tüftlertum, unsere Gründerfreundlichkeit und unsere Bereitschaft erhalten, für dieses Land immer neue Dinge zu entwickeln“.

Doch diese Botschaft kommt umso weniger an, je besser die Konjunktur läuft. Vielen erscheint derzeit ein gut bezahlter Angestelltenjob attraktiver als das Wagnis einer Firmengründung.

Kommentare (27)

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fondsberater

12.04.2012, 19:48 Uhr

nach der Gründung kommt sofort die Steuersonderprüfung - woher kommt das Geld? Deshalb: keine Unternehmensgründung in Deutschland - völliger Wahnsinn!

Sueddeutscher

12.04.2012, 19:56 Uhr

Wundert das noch jemand? Die Auflagen werden immer schlimmer (Bürokratie), die Zwangsabgaben immer höher (Steuern, IHK, KV, GEZ, Klimaziele usw.) und selbst darf man als Selbständiger bald nicht mal mehr über seine Altersvorsorge entscheiden, weil Frau von der Leyen, "ich weiß was gut für die Menschen ist", nun ein Zwangssystem einführt und alle zwangsbeglückt. Hauptsache alles ist per Zwangsmaßnahme und Zwangsabgabe bis in den letzten Winkel behördlich geregelt, wie im Sozialismus. Der Selbständige darf dann auch gern im Gegensatz zu Angestellten im Zwangssystem den Arbeitgeber und Arbeitnehmerbeitrag bezahlen, aber nicht nur aus dem Gewerbeertrag, nein aus allen Einkünften inkl. Zinsen, Mieten und Pacht.

Wäre ich nicht schon seit einem Jahrzehnt in Deutschland selbständig, würde ich mich heute in diesem Deutschland sicher nicht mehr selbständig machen. Im Prinzip muss man heute wahnsinnig sein, wenn man sich in Deutschland noch selbständig macht. Ich überlege mir inzwischen, ob ich mit meinem Betrieb (IT) nicht ins benachbarte Ausland gehe, denn dort (Tschechien) ist das Klima für Unternehmer wesentlich besser als in der Neid- und Forschriftsrepublik Deutschland, die immer mehr zur DDR 2.0 mutiert.

Charly

12.04.2012, 20:00 Uhr

Kein Wunder, ich bin überzeugt, dass der Wunsch nach Selbständigkeit gerade heutzutage riesig ist.
Allein der Staatsterror verhindert die Verselbständigung.
Die Schikanen denen man sofort nach Gründung ausgesetzt ist sind gewaltig, von den Kosten ganz zu schweigen.
Früher war es möglich eine kleine Firma nebenbei zu betreiben und sie auszubauen. Heute sind die Gewinnmargen oft so klein und die Belastung mit Basiskosten derart hoch, dass dies unmöglich ist ohne gleich von vornherein einen riesigen Umsatz zu generieren.
Denken Sie auch an die vielen schmarotzenden Rechtsverdreher mit ihrem Abmahnterror.

Deswegen werden Firmen oft von unseriösen Geschäftemachern gegründet die halt die rethorischen Fähigkeiten besitzen den Banken ein paar Millionen abzuschwatzen. Nach dem ersten Konkurs wird halt die nächste Bank beschwatzt.

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