Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.08.2014

10:17 Uhr

Sick-Chef Robert Bauer

„Ich bevorzuge das Zwiebelprinzip“

VonMartin-W. Buchenau, Hans-Jürgen Jakobs

Er ist viel auf Achse. In einem Düsseldorfer Restaurant macht Sick-Chef Robert Bauer Halt. Der Mittelständler aus dem Schwarzwald ist global führend in der Sensorik. Ein Gespräch über Wachstum, Normen und Industrie 4.0.

Sick-Vorstandschef Robert Bauer: Er hat mit seinem Unternehmen weltweite Standards gesetzt. Deniz Saylan/WirtschaftsWoche

Sick-Vorstandschef Robert Bauer: Er hat mit seinem Unternehmen weltweite Standards gesetzt.

Herr Bauer, was ist neben Technik das Geheimnis hinter Ihrem Erfolg?

Uns ist es gelungen, weltweite Standards zu setzen, denen die Normung gefolgt ist. Das war wesentlich dafür, dass wir zum Weltmarktführer bei Sicherheitssensorik, etwa bei Laserscannern, werden konnten.

Dann brauchen Sie als Mittelständler vermutlich viel Lobby-Arbeit?

Ja, das tun wir. Aber in jedem Land sind die Vorschriften anders.

Das kann Ihnen doch egal sein. Hauptsache es gibt Vorschriften, für deren Einhaltung Ihre Technologie benötigt wird.

So kann man es auch sehen, aber die technischen Unterschiede sind mitunter groß.

So profitieren Mittelständler von der Globalisierung

Wachstumstreiber

Die Weltexporte sind weitaus stärker gestiegen als die nationalen Bruttoinlandsprodukte. Die Globalisierung war und bleibt auch in Zukunft ein Wachstumstreiber.

(Quelle: Hermann Simon, "Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia")

Kaufkraft

Die Musik wird weiterhin in Amerika und Europa spielen. Das gilt nicht nur für die Höhe der Bruttoinlandsprodukte, sondern auch für deren absolute Zuwächse. Hinzu kommt China als dritter Pol mit dem größten Zuwachs an Kaufkraft. Viele weitere Regionen werden an Bedeutung gewinnen, aber dennoch im Jahr 2025 deutlich hinter diesen drei Polen der Weltwirtschaft zurückbleiben.

Marktposition

Deutsche Mittelständler, die im globalen Wettbewerb mithalten wollen, müssen die erste Priorität darauf legen, ihre Marktpositionen in Europa und den USA zu halten beziehungsweise in vielen Fällen die Position in den USA zu stärken.

Marktstellung

An zweiter Stelle steht der Aufbau starker Marktstellungen in China und Indien.

Perspektive

ASEAN, Osteuropa/Russland, Lateinamerika und längerfristig Afrika bieten ebenfalls attraktive Wachstumsperspektiven. Die treibende Kraft in Afrika ist dabei die Bevölkerungsexplosion. Die Nutzung all dieser Chancen beinhaltet für Mittelständler eine Herkulesaufgabe.

Rückschläge

Trotz der grundsätzlich optimistischen Einschätzung lassen sich Rückschläge in der Globalisierung - insbesondere im Zuge von Krisen - nicht ausschließen. Protektionismus, Globalisierungsgegner oder die Bevorzugung nationaler Champions können den freien Handel behindern.

Die richtige Balance

Die Welt ist zwar "flacher" als vor 20 Jahren, aber "flach" ist sie bis heute nicht. Regionale, nationale und lokale Unterschiede werden weiter bestehen. Es geht deshalb auch in Zukunft darum, die richtige Balance zwischen Standardisierung und Differenzierung zu finden. Mittelständler dürften hier im Vorteil sein, da sie im Hinblick auf die resultierenden Anpassungsnotwendigkeiten flexibler sind als Großunternehmen.

Das klingt nach hohen Entwicklungskosten.

Wir haben 2.000 aktive Patente und beschäftigen 700 Entwickler, fast die Hälfte im Bereich Software. Wir geben zehn Prozent des Umsatzes für Forschung und Entwicklung aus. Nur so konnten wir in den vergangenen 20 Jahren jedes Jahr durchschnittlich um zehn Prozent profitabel wachsen.

Wie sieht es in diesem Jahr aus?

Wir sind beim Auftragseingang auf gutem Kurs und in Richtung zehn Prozent Wachstum und Rendite unterwegs. Allerdings belasten uns zwei bis drei Prozent Währungsschwankungen. 2013 hat uns das 25 Millionen Euro gekostet.

Sie liegen über der Zielformel von Bosch, die acht Prozent Wachstum und acht Prozent Rendite vorsieht.

Ja. Wir sind aber viel kleiner, fokussieren uns mit unserer Sensorintelligenz auf Industriekunden und Investitionsgüter aus den Bereichen Verpackung, Logistik, Umwelttechnik, Energie und Autotechnik.

Die neue digitale Industrie müsste Ihnen viele Aufträge bringen.

Wir fühlen uns in unserem Geschäftsfeld sehr wohl. Wir erzeugen durch Sensoren und Kameras Daten. Früher waren Sensoren nur notwendig für Qualität und Sicherheit - jetzt sind sie die Voraussetzung für die vernetzte Industrie. Bislang ist Industrie 4.0 noch ein Marketinginstrument, aber sie wird Stück für Stück kommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×