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13.02.2016

09:26 Uhr

Siempelkamp

Castor-Hersteller baut Arbeitsplätze ab

VonMartin Wocher

Für die Firma Siempelkamp war der Castorenbau jahrelang ein krisenfestes Geschäft. Das ändert sich nun. Angesichts starker Konkurrenz verlagert der Mittelständler Teile seiner Produktion nach China und Tschechien.

Der Mittelständler verlagert Teile seiner Produktion ins Ausland. PR

Siempelkamp

Der Mittelständler verlagert Teile seiner Produktion ins Ausland.

DüsseldorfEs galt jahrelang ein krisenfestes Geschäft: Mit dem Bau von strahlungssicheren Castoren für den Transport von Atommüll, dem Rückbau von Kernkraftwerken sowie der Herstellung von Pressen für Flugzeugteile und Spanplatten fuhr der Krefelder Mittelständler Siempelkamp bislang durch jedwede Konjunkturwirren. Doch ein verschärfter Wettbewerb und ein Nachfrageeinbruch wichtiger Exportmärkte wie Brasilien und Russland zwingen den Pressen- und Atomspezialisten zu einer verstärkten Internationalisierung seiner Fertigung.

So sollen die bereits existierenden Werke in China und Tschechien deutlich ausgebaut werden. Im Gegenzug streicht das Unternehmen bis 2017 rund 350 Arbeitsplätze an seinen deutschen Standorten. Das Unternehmen machte zuletzt mit seinen rund 3000 Mitarbeitern gut 600 Millionen Euro Umsatz .

Mit diesem Schritt will Siempelkamp seine Marktführerschaft vor allem bei Pressen für Holzwerkstoffe und die Metallumformung stärken. Zudem gilt es, die Position auf dem wichtigen Markt in China auszubauen. „Wir werden da produzieren, wo unsere Kunden sind“, sagte am Freitag der Sprecher der Geschäftsführung, Hans Fechner. So wird die im Oktober 2015 neu in Betrieb gegangene Großfertigung im chinesischen Qingdao künftig intensiver als bisher für die Herstellung von Großteilen für den Pressenbau genutzt. „Ferner werden wir die Fertigung im tschechischen Blatnice deutlich ausbauen, um auch zukünftig zu wettbewerbsfähigen Preisen produzieren zu können“, sagte Fechner weiter.

Vor allem die Gießerei-Sparte steht unter Druck: Investitionen würden auf unbestimmte Zeit verschoben, dazu kämen die Folgen des Russland-Embargos, klagte Fechner: „Wir sehen auf absehbare Zeit keine Verbesserung der Situation, sodass wir nun reagieren müssen.“ Ein Abfluss von Know-how aus Deutschland sei mit diesen Maßnahmen aber nicht verbunden, betonte er: „Komplexe Technologien und Betriebsgeheimnisse verbleiben hier in Krefeld beziehungsweise an den anderen Standorten in Deutschland.“

Das gilt vor allem für das Atomgeschäft. Das läuft zwar nach dem Ausstiegsbeschluss der Bundesregierung nicht mehr so gut wie früher. Die Fertigung von Castoren in Mülheim an der Ruhr hat sich inzwischen stabilisiert, wenn auch auf deutlich niedrigem Niveau. Auch hier will Fechner Stellen abbauen.

Deutlich besser läuft dagegen in den USA läuft das Geschäft um den Rückbau von Kernkraftwerken: Erst vor wenigen Wochen beendete Siempelkamp die erfolgreiche Zerlegung der Reaktordruckbehälter im US-Kernkraftwerk Zion am Lake Michigan – es war der bislang größte Rückbau in der US-Atomgeschichte. Nach diesem Erfolg erwartet die Ingenieurstochter des Mittelständlers weitere Rückbaufolgeaufträge aus den USA, so Fechner.

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