Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.02.2016

12:00 Uhr

Sigg wird verkauft

Chinesen nehmen einen großen Schluck aus der Alu-Pulle

VonHolger Alich

Chinesische Konzerne sind weiter auf Shopping-Tour. Nach dem Milliarden-Konzern Syngenta geht nun auch ein Mittelständler ins Reich der Mitte: Der Alu-Trinkflaschen-Hersteller Sigg wird verkauft.

Das Schweizer Unternehmen wird an einen chinesischen Konkurrenten verkauft. Imago

Sigg-Trinkflaschen

Das Schweizer Unternehmen wird an einen chinesischen Konkurrenten verkauft.

ZürichSie stecken Millionenfach in Schultaschen, Wanderrucksäcken oder in Sporttaschen: Die bunten Aluminium-Trinkflaschen der Schweizer Sigg. Das Traditionsunternehmen aus dem Jahr 1908 wird nun für umgerechnet 15 Millionen Euro an die chinesischen Konkurrenten Haers Vacuum Containers verkauft. Verkäufer ist die Beteiligungsgesellschaft Riverside Partners.

Sie hatte Sigg im Jahr 2003 gekauft und trennt sich nun von der Beteiligung. Riverside wollte zur laufenden Transaktion auf Anfrage keinen Kommentar abgeben. Haers teilte in einer Pflichtmitteilung mit: „Die Akquisition ist im Einklang mit der Internationalisierungsstrategie von Haers und ist ein wichtiger Schritt zur Beschleunigung der Expansion des Geschäftes mit hochwertigen Trinkflaschen. Es ermöglicht der Unternehmung eine international bekannte Produzentin von hochwertigen Trinkflaschen zu werden.“

Interesse an Hidden Champions: Chinesen kaufen weiter im deutschen Mittelstand ein

Interesse an Hidden Champions

Chinesen kaufen weiter im deutschen Mittelstand ein

Chinesen haben im vergangenen Jahr in Deutschland so viele Firmen übernommen wie in keinem anderen EU-Staat. Doch der deutsche Mittelstand ist auch bei Investoren aus anderen Länder gefragt.

Sigg beschäftigt 65 Mitarbeiter und ist in 40 Ländern tätig. Vorstandschef Stefan Ludewig hofft, dass der neue Eigentümer alle Beschäftigten übernimmt.

Mit Sigg wird nun bereits das zweite bekannte Unternehmen der Schweiz binnen einer Woche von einem chinesischen Konzern übernommen. Anfang der Woche gab Chemchina bekannt, den Schweizer Pflanzenschutz-Hersteller Syngenta für 43 Milliarden Dollar kaufen zu wollen. Die Schweizer Regierung begrüßte ausdrücklich den Kauf. Syngenta hofft, mit dem neuen Kernaktionär weitgehend seine Eigenständigkeit behalten zu können.

Sigg wurde im Jahr 1908 als Küng, Sigg & Cie in Biel gegründet. 1916 zog sie nach Frauenfeld um und wurde in die Aluminiumwarenfabrik Sigg AG überführt. Die bunten Trinkflaschen mit ihrem schlichten Design haben es sogar in die Dauerausstellung des Museum of Modern Art in New York geschafft.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×