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15.01.2010

09:53 Uhr

Slowenien

Deutlich mehr Firmen in Zahlungsverzug

VonTorsten Pauly (gtai)

In Slowenien hat die Zahl der Firmen mit einem Zahlungsverzug von mindestens 30 Tagen im Zuge der schlechten Wirtschaftslage zugenommen. Grund hierfür ist die allgemein schlechte Wirtschaftslage. Doch trotz der Verschlechterungen im Verlauf von 2009 bewerten internationale Agenturen Slowenien immer noch gut.

Bauarbeiter auf einem Rohbau: In Slowenien hat die Bauindustrie den größten Anteil an juristischen Personen mit einem Zahlungsverzug von 30 Tagen und mehr. dpa

Bauarbeiter auf einem Rohbau: In Slowenien hat die Bauindustrie den größten Anteil an juristischen Personen mit einem Zahlungsverzug von 30 Tagen und mehr.

LJUBLJANA. Im November 2009 waren insgesamt 5 011 säumige juristische Personen registriert, etwa 58% mehr als zu Jahresbeginn. Die Summe aller Außenstände hat sich im gleichen Zeitraum um 56% auf 227,4 Mio. Euro erhöht. Dennoch erfährt das Land international weiter eine gute Bonitätseinstufung. Rückgängig ist 2009 auch das Leasinggeschäft. Die Bankkredite an Unternehmen stagnieren. Der Grund für die vermehrten Zahlungsausfälle ist die allgemein schlechte Wirtschaftslage.

Die EU-Kommission schätzt, dass Sloweniens Wirtschaftsleistung 2009 um insgesamt 7,4% zurück geht. Besonders betroffen ist die Industrie, deren Gesamtumsatz von Januar bis Oktober 2009 um 19,5% geringer war als in den ersten zehn Monaten 2008. Auf dem Bau waren die ausgeführten Arbeiten im gleichen Zeitraum sogar um 22,1% gesunken.

Die Bauindustrie ist auch der Sektor, in dem im November 2009 mit einem Anteil von 24,3% die meisten der juristischen Personen mit einem Zahlungsverzug von 30 Tagen und mehr zu finden waren. Weitere 13,4% arbeiteten im verarbeitenden Gewerbe. Stark betroffen waren auch der Handel (20,5%), der unter der Konsumzurückhaltung infolge der unsicheren Erwartungen leidet sowie der Bereich der freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (10,4%). Ein relativ hoher Anteil der säumigen juristischen Personen entfiel darüber hinaus auf das Gastgewerbe (7,6%) und das Verkehrs- und Lagerwesen (6,3%).

Auch in regionaler Hinsicht konzentrieren sich die Firmen mit ungetilgten Außenständen stark auf einige Gebiete. So waren im November 2009 insgesamt 39,2% dieser Unternehmen in Osrednjeslovenska ansässig, wo sich auch Sloweniens wirtschaftliches, politisches und kulturelles Zentrum Ljubljana befindet. Es folgten die östlichen Regionen Podravska (15,5%) und Savinjska (11,9%) sowie die nordwestlichen Bezirke Gorenjska (7,6%) und Goriska (5,1%) samt dem Küstengebiet Obalno-kraska (6,4%). Die Zahlen zum Zahlungsverzug ermittelt die staatliche Agentur AJPES.

Betroffen von der schlechten Konjunktur ist 2009 auch der slowenische Leasingmarkt, der sich in den Jahren zuvor stark ausgeweitet hatte. In den ersten drei Quartalen 2009 summierte sich der Wert aller Neuverträge auf 1 004 Mio. Euro, davon entfallen 461 Mio. Euro auf Pkw, 238 Mio. Euro auf Immobilien, circa 133 Mio. Euro auf Nutzfahrzeuge und 87 Mio. Euro auf Maschinen und Anlagen. Es ist jedoch absehbar, dass das Leasinggeschäft 2009 deutliche Einbußen gegenüber dem Vorjahr haben wird als insgesamt Verträge im Wert von 1,757 Mio. Euro vorliegen. Ein Grund hierfür ist der geringere Investitionsbedarf aufgrund der nicht ausgelasteten Kapazitäten. So waren 2008 allein für Maschinen und Anlagen Leasingverträge im Wert von insgesamt 242 Mio. Euro zustande gekommen. Ein Grund sind aber auch restriktivere Vergabekonditionen der Leasinggesellschaften.

Wenngleich der slowenische Staat 2009 umfangreiche Hilfsprogramme aufgelegt hat, blieben Banken auch bei der Krediterteilung an Unternehmen trotz des Bedarfs eher zögerlich. Zwar weitete sich das von den Banken ausgegebene Vertragsvolumen in den ersten zehn Monaten 2009 insgesamt um 2,9% auf 32,5 Mrd. Euro aus, allerdings kam die Dynamik vor allem durch Darlehen an den Staat (+46,1%) und an Haushalte (+6,0%) zustande und weniger durch Kredite an Unternehmen (+0,7%). Im März 2009 hatte die Regierung 1,2 Mrd. Euro an Staatsgarantien für Bankkredite an Unternehmen beschlossen und weitere 500 Mio. Euro an direkten Staatsgarantien für Unternehmen.

Doch trotz dieser Verschlechterungen im Verlauf von 2009 bewerten internationale Agenturen Slowenien immer noch gut. Die Inkassogesellschaft Coface etwa stuft das Land mit A2 ein, was der Klassifizierung zum Beispiel von Finnland, Norwegen, Dänemark den Niederlanden entspricht. Deutschland schätzt Coface ebenfalls mit A2 ein, im Gegensatz zu Slowenien befindet sich die Bunderepublik jedoch auf der so genannten negativen Beobachtungsliste (negative watchlist). Auch Standard & Poor's sowie Fitch geben Slowenien im 4. Quartal 2009 unverändert die Bewertung AA stabil und Moody's bleibt ebenfalls bei Aa2 stabil.

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