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13.10.2014

13:33 Uhr

Soziales Netzwerk Ello

Kann ein halber Smiley Facebook besiegen?

VonNoah Gottschalk

Facebook, Twitter und Google beherrschen den Online-Markt. Doch immer wieder gibt es Neulinge unter den Sozialen Netzwerken. So wie das noch junge Start-Up Ello aus Amerika.

Ello ist das nächste Unternehmen, das versucht, User für sich zu gewinnen. Mit einem neuen Konzept, versteht sich. (Logo: Ello) Handelsblatt Montage mit dpa

Ello ist das nächste Unternehmen, das versucht, User für sich zu gewinnen. Mit einem neuen Konzept, versteht sich. (Logo: Ello)

DüsseldorfWer sich bei dem neuen US-Netzwerk Ello einloggt, könnte denken, er sei bei Twitter gelandet. Das Design ist schlicht und aufgeräumt, ein großes Bild prangt über die volle Breite des Bildschirms. Auch im Logo des Start-ups findet sich der Minimalismus wieder: Es ähnelt der unteren Hälfte eines Smileys, bei dem in einem schwarzen Kreis in weiß lediglich die lächelnde Mundlinie angedeutet ist. Und anders als Facebook will Ello nicht wissen, welche Hobbies der Nutzer hat, wo er schon überall gewohnt oder gearbeitet hat.

Noch ist das Netzwerk klein – darüber gesprochen wird jedoch, als gehöre es bereits zu den Großen. Ob es tatsächlich eine Alternative zum übermächtigen Konkurrenten Facebook mit seinen rund eine Milliarde Nutzern werden kann, muss sich noch zeigen.

Nicht ganz einfach, das Anmelden: Man muss entweder von einem anderen User eingeladen, oder vom Team hinzugefügt werden. AFP

Nicht ganz einfach, das Anmelden: Man muss entweder von einem anderen User eingeladen, oder vom Team hinzugefügt werden.

Minimalistisch, kostenlos und ohne Werbung - so lautet das Konzept von Ello. Sieben Künstler und Programmierer haben das Start-up erst vor wenigen Wochen gegründet. Angeblich, so erzählen es die Gründer, war es ursprünglich nur für rund 100 Freunde und Bekannte gedacht. Wegen der hohen Nachfrage hätten sie das „Anti-Facebook“, wie es in manchen Blogs genannt wird, dann aber auch für andere geöffnet.

Momentan wollten rund 31.000 Nutzer pro Stunde Teil der Ello-Community werden, berichtet der Fernsehsender BBC unter Berufung auf einen der Mitgründer.

Ob diese Zahl stimmt, lässt sich bezweifeln. Das Analyseunternehmen RJMetrics hat jüngst die Nutzerzahlen überprüft und ist zu ganz anderen Werten gekommen. Demnach gibt es lediglich 3000 bis 4000 Neuregistrierungen pro Stunde. Wettbewerbsexperte Justus Haucap spricht gegenüber Handelsblatt Online dennoch von einem „vielversprechenden Start“, zumal sich etwa 20 Prozent der registrierten Nutzer innerhalb einer Woche erneut bei Ello einloggen, wie RJMetrics herausgefunden hat. Solche Zahlen erinnern an die frühen Tage von Twitter.

Das neue Netzwerk trifft einen Nerv: Es will weniger Informationen von seinem Nutzer, und fordert auch keinen Klarnamen. Einen Schub hat das Netzwerk ausgerechnet durch Facebook selbst bekommen: Das Zuckerberg-Unternehmen hatte seinen Nutzern verboten, unter ihrem Pseudonym in dem Netzwerk aktiv zu sein. Der Schritt sorgte für viel Kritik, besonders medienwirksam waren dabei die Proteste von Drag Queens, die daraufhin von Facebook zu Ello wechselten. Facebook hat sich jüngst offiziell entschuldigt und die Klarnamenpflicht für entsprechende Nutzer aufgehoben.

Ello kurz und knapp

Womit verdient Ello sein Geld?

In den Datenschutzbestimmungen steht, dass Ello "derzeit" keine Geschäftspartner hat wie zum Beispiel Firmen, die Kreditkartentransaktionen verarbeiten. Sollte es aber irgendwann möglich sein, innerhalb von Ello etwas per Kreditkarte zu kaufen, dann dürfte Ello erstens daran mitverdienen. Zweitens behält sich Ello vor, die für die Transaktion nötigen Nutzerdaten mit dem Partnerunternehmen zu "teilen", wie es in der Privacy Policy heißt. (Quelle: Zeit Online)

Wer steckt dahinter?

Hinter dem Projekt stecken sieben Künstler und Programmierer, über die nichts näheres bekannt ist. Einzig der Entwickler Paul Budnitz trat bisher in die Öffentlichkeit.

Für wen ist Ello interessant?

Ello ist vorallem für diejenigen interessant, die unter einem Pseudonym im Web unterwegs sein wollen. Es besteht nämlich, anders als bei Facebook, keine Klarnamenpflicht. Jeder darf sich ein Pseudonym, einen fiktiven Namen, ausdenken.

Auf welchen Plattformen kann man das Portal nutzen?

Bisher nur auf dem PC, eine Smartphone-App gibt es noch nicht.

Was kann Ello?

Ello kann wenig - einerseits ist Minimalismus das Konzept, andererseits ist das Projekt noch sehr jung. Eine Funktion zum privaten Versenden von Nachrichten fehlt, ebenso wie die Möglichkeit, Nutzer zu blocken. Auch Videos bspw. von YouTube oder Instagram können noch nicht eingebunden werden. Die Entwickler versprechen aber, diese und mehr Tools zu entwickeln und nachzuliefern. Einen Zeitraum nannten sie nicht.

Was sagen die Kritiker?

Ello hat 435.000 Dollar als Investment von einer Risikokapitalgesellschaft (FreshTracks Capital) erhalten. In einiger Zeit wolle der Investor sein Geld zurück, sprich: Ello wird verkauft, und damit auch die Nutzerdaten, meint Aral Balkan, einstiger Unterstützer des Start-Ups.

Ello will exklusiv sein und sich so von Facebook abheben: Man kann sich nicht sofort registrieren, sondern man muss sich beim Team „bewerben“ oder von einem anderen Nutzer eingeladen werden. Diese Sperre kann jedoch leicht umgangen werden. Bei Ebay gibt es bereits Angebote von Ello-Mitgliedern, andere für fünf Dollar für das Netzwerk vorzuschlagen. Oft hilft aber auch ein Aufruf auf der eigenen Facebook-Seite.

Ello zeigt keine Werbung, verkauft keine persönlichen Daten und hat auch keinen Algorithmus, der Meldungen aussortiert, so das Versprechen des Start-ups. Ebenso wenig gibt es ein Verbot für pornografische Inhalte, auch das ist anders als bei Facebook. Diese müssen jedoch gekennzeichnet werden als „Not Safe For Work“ (NSFW).

Klingt im ersten Moment nach dem neuen großen Wurf in der Digitalbranche. Doch viele neugegründete Unternehmen versuchten in der Vergangenheit schon, den „ganz Großen“ Paroli zu bieten. Um diese Start-ups ist es, nach der großen Euphorie zu Beginn, erstaunlich zügig auch wieder ruhig geworden.

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