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25.06.2012

11:02 Uhr

Special Existenzgründung

Juniorchef dringend gesucht!

VonMichael Grote

Früher hatten Unternehmer viele Kinder, unter denen meist ein fähiger Nachfolger war. Inzwischen macht sich der demografische Wandel bemerkbar - es gibt weniger Nachwuchs und der Generationswechsel wird zum Risiko.

Der Generationswechsel wird immer mehr zum Risiko. Reuters

Der Generationswechsel wird immer mehr zum Risiko.

HamburgViele Unternehmer gehen die Regelung der Nachfolge noch immer nur halbherzig an oder schieben sie zu lange auf. Dies bestätigt eine aktuelle Umfrage, die TNS Emnid im Auftrag der Deutschen Unternehmerbörse durchgeführt hat. Das Forschungsinstitut befragte 321 Unternehmen. Davon gaben 57 Prozent an, noch keine, beziehungsweise keine abschließende Nachfolgeregelung getroffen zu haben.

Alarmierend: Die Generation der über 50-Jährigen ist nicht unbedingt gewissenhafter vorbereitet als die Jüngeren. Früher hatten Unternehmer viele Kinder. Darunter war meist ein fähiger Nachfolger. Heute werden die Unternehmer vom demografischen Wandel eingeholt. Es gibt weniger Nachwuchs. Und nicht jedes Unternehmerkind ist geeignet oder fühlt sich berufen, in die Fußstapfen des Seniors zu treten.

Nachfolgerregelungen bei Familienunternehmen Deutsche Unternehmerbörse DUB.de GmbH

Nachfolgerregelungen bei Familienunternehmen

Der Generationswechsel wird so immer mehr zum Risiko. Daher drängt die Zeit, die Staffelübergabe im Unternehmen frühzeitig zu regeln. Erhebungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn haben ergeben, dass bis 2014 für mehr als 100.000 Familienunternehmen die Regelung der Nachfolge relevant sein wird.

Nicht selten wird der Nachwuchs dann in die Rolle des Chefs gedrängt. Und das, obwohl viele Unternehmer erhebliche Zweifel an seinen Manager-Fähigkeiten haben. Weniger als die Hälfte der Inhaber und Geschäftsführer von Unternehmen (44 Prozent) halten vor diesem Hintergrund die familieninterne Übergabe langfristig für die erfolgversprechendste Lösung.

10 Tipps für den perfekten Chef

Ein perfekter Chef macht Fehler

Jeder Mensch macht Fehler, denn Menschen sind nicht perfekt. Durch diese Eigenschaft werden Menschen überhaupt erst liebenswert. Wichtig ist jedoch, dass wir um unsere Fehler wissen und Wege finden, wie diese Fehler behoben werden können. Fehler, richtig verstanden, führen zu einer Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit und des Unternehmens.

... ist nicht perfekt

Es ist daher verwunderlich, warum immer noch so viele Chefs meinen, dass sie perfekt sind. Eine solch grobe Selbstüberschätzung führt letztlich zu Arroganz und einem Stillstand an Wachstum (sowohl persönlich als auch unternehmerisch).

... verbessert sich ständig

Darin liegt die Größe eines wirklich „perfekten“ Chefs. Er verwendet die Kenntnis seiner Fehler für die persönliche Weiterentwicklung. Gute Führungspersönlichkeiten meinen nicht, „jemand zu sein“, sondern verstehen sich als „jemand, der wird“ und zwar jeden Tag ein wenig mehr.

... ist Menschenfreund

Eine wesentliche Eigenschaft von „perfekten“ Chefs ist, dass sie Menschen mögen. Viele so genannte Führungskräfte mögen aber nicht einmal sich selbst, geschweige denn andere Menschen. Unter solchen Umständen wird Führung nur schwer möglich sein. Um exzellent zu sein, muss man das, was man tut, lieben. Und um exzellent zu führen, muss man Menschen lieben.

... ist Teamplayer

Der „perfekte“ Chef sagt und meint „Wir!“ und nicht „Ich!“ Er ist ein Teamspieler. Im 21. Jahrhundert werden nur Teams gewinnen und nicht Einzelspieler. Die Mondlandung beispielsweise war auch nicht das Werk eines einzelnen Menschen, sondern das mehrerer tausend Ingenieure, auch wenn die visionäre Kraft eines Wernher von Brauns dahinter stand. Aber er hätte es niemals alleine geschafft.

... fordert Menschen

Der „perfekte“ Chef fordert Menschen heraus. Er will Leistung erleben und regt Menschen an, sie zu erbringen. Dabei orientiert er sich nur ungern am Durchschnitt, sondern an Spitzenleistungen. Der „perfekte“ Chef gibt sich nicht mit dem zweitbesten Ergebnis nicht zufrieden.

... ist fachlich selten der Beste

Von dem Gedanken, stets der Beste in allen Bereichen sein zu wollen, müssen sich Führungspersönlichkeiten trennen. Der „perfekte“ Chef konzentriert sich auf seine Stärken und seine Hauptaufgaben.

... verkörpert Werte

Grundvoraussetzung eines „perfekten“ Chefs sind gelebte Werte, die von allen Mitarbeitern als Führungsgrundsätze empfunden werden. Nur so entsteht das viel geforderte Vertrauen.

... ist wirksam

Letztlich geht es um das wesentliche: Der „perfekte“ Chef be-wirkt, dass Menschen Ziele erreichen. Das Wesen guter Führung ist Wirksamkeit.

... ist offen für andere Wirklichkeiten

Meistens halten wir unsere Meinung für die Wahrheit, basierend auf der Wirklichkeit, wie wir sie empfinden. Häufig entspricht unsere Wirklichkeit jedoch nicht der Realität. Der „perfekte“ Chef setzt sich auf den Stuhl des anderen. Wer durch die Augen anderer sieht, entdeckt eine Fülle von Wirklichkeiten.

Quelle: Perspektive Mittelstand

Aber auch die externe Unternehmensnachfolge gewinnt zunehmend an Bedeutung. Beispielsweise halten bei Unternehmen mit 100 bis 500 Mitarbeitern gut Zweidrittel der Befragten (69 Prozent) künftige externe Chefs für die beste Lösung.

Für talentierte und qualifizierte MBI Kandidaten bieten sich also zunehmend attraktive Chancen. Gleichzeitig liegen die Finanzierungshürden durch mögliche Beteiligungen von Private Equity Gesellschaften heute sehr viel niedriger, als noch vor 10 Jahren. Die Aussichten für den externen Unternehmensnachwuchs sind so gut wie nie zuvor.

Der Autor des Fachbeitrags, Michael Grote, ist Geschäftsführer der Deutsche Unternehmerbörse dub.de GmbH.

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