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04.04.2016

13:40 Uhr

Stabilo, Staedtler, Faber-Castell

Ausmalen für Erwachsene

Stiftehersteller galten schon als Verlierer der Digitalisierung. Doch Faber-Castell, Stabilo und Co. verzeichnen jetzt eine überraschend große Nachfrage. Ein weltweiter Trend lässt die Firmen Extraschichten einlegen.

Stressabbau mit Buntstiften

Neuer Trend: So retten Malbücher für Erwachsene die Stifte-Branche

Stressabbau mit Buntstiften: Neuer Trend: So retten Malbücher für Erwachsene die Stifte-Branche

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NürnbergAusmalbücher für Erwachsene erobern die Bestsellerlisten weltweit – und lassen die Maschinen der Stiftehersteller in Deutschland heiß laufen. Die größtenteils in Mittelfranken ansässigen Firmen fahren derzeit allesamt Sonderschichten und freuen sich über den unverhofften Boom. „Wir merken das bei klassischen Schreibgeräten und Künstlerprodukten“, sagt eine Sprecherin des Stifteherstellers Staedtler in Nürnberg.

Die Käufer seien weniger Hobbykünstler, sondern eher absolute Mal- und Zeichenanfänger, die ihre Kunstwerke anschließend auch gern auf Instagram zeigen. Beim Ausmalen vorgegebener Muster in entsprechenden Büchern, die sich weltweit derzeit millionenfach verkaufen, sei die Frustrationsrate gering, erklärt die Sprecherin. „Die Leute fangen nicht auf einem weißen Blatt Papier an und das Ergebnis ist immer schön, sie können es nicht verhunzen.“

Schwan-Stabilo: Aus Freude am Malen

Schwan-Stabilo

Aus Freude am Malen

Wer Entspannung sucht, der greift immer öfter zum Filzstift. Der fränkische Mittelständler Schwan-Stabilo profitiert davon – am Besten läuft das Geschäft aber mit Stiften, mit denen sich die Menschen selbst anmalen.

Das schnelle Erfolgserlebnis wertet man bei Staedtler mit als Grund dafür, dass nun auch „Normalos“ das Malen für sich entdecken – und die Nachfrage nach Stiften enorm in die Höhe schnellen lassen. Beim Ausmalen der Motive komme außerdem der Geist zur Ruhe - so Experten. Der Vorteil beim Ausmalen liege darin, dass man sich ablenke und zerstreue und deshalb möglicherweise keine unangenehmen inneren Bilder aufsteigen.

Der Hersteller Schwan-Stabilo aus Heroldsberg nahe Nürnberg hat den Trend frühzeitig erkannt und erfolgreich vermarktet. Bereits im vergangenen Oktober präsentierte das Unternehmen am Rande der Bilanzveröffentlichung stolz eine geschickte Kooperation mit dem Buchverlag Ars Edition: Zum Ausmalbuch „Kreative Auszeit“ für Erwachsene gibt es 15 Filzstifte gleich im Set dazu. Das Segment Malen und Zeichnen entwickelt sich bei Stabilo (Umsatz 2014/15: 170 Millionen Euro) nach eigenen Angaben derzeit „überdurchschnittlich“.

Auch Staedtler konnte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf 322 Millionen Euro steigern. „Adult-Colouring ist ein wesentlicher Treiber für unseren Umsatz“, sagt Geschäftsführer Axel Marx. „In Zeiten der Digitalisierung ist das schon bemerkenswert“, kommentiert er.

Wie bei Stabilo, Staedtler oder auch dem Hersteller Lyra werden deshalb auch bei Faber-Castell (Umsatz 2014/2015: 577 Millionen Euro) nahe Fürth derzeit mehr Schichten gefahren als üblich. Bei Lyra und Staedtler in Nürnberg gibt es bereits Pläne, die Produktion auszuweiten. „Derzeit sind wir am Limit“, sagt eine Staedtler-Sprecherin. Momentan werde rund um die Uhr sechs Tage die Woche produziert. Den Bedarf auch weiterhin decken zu können sei eine „kleine Herausforderung“.

Der Buntstift-Ansturm kommt für die Branche recht unverhofft. Die Hersteller beschäftigen sich seit Jahren mit den Herausforderungen der zunehmenden Digitalisierung: Wenn immer weniger Menschen mit der Hand schreiben, werden dafür auch weniger Stifte benötigt. Deshalb wurde zuletzt vermehrt auch an digitalen Produkten getüftelt. Stabilo präsentierte beispielsweise den Prototypen eines digitalen Stifts, der Handschrift auf Papier direkt in Reinschrift auf Smartphones oder Tablets umwandelt. Ein Digitalkuli von Staedtler speichert handschriftliche Skizzen und wandelt sie in Bilddateien für Digitalgeräte um. Dazu kommen Schreib-Lern-Apps.

Doch die klassischen Buntstifte sind keinesfalls abgeschrieben: „Wahrscheinlich wollen die Menschen jetzt eine Gegenbewegung zur Digitalisierung und auch selbst mit den eigenen Händen etwas schaffen“, mutmaßt man bei Staedtler.

Von

dpa

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