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21.11.2015

16:49 Uhr

Start-up Battle in Dortmund

„Ring frei für Gründer!“

VonKatrin Terpitz

Jungunternehmer müssen sich durchboxen. Beim internationalen Start-up-Battle „Get in the Ring“ ist genau das gefordert. Im Deutschland-Finale siegte unter anderem eine pfiffige Schneckenfreundin.

Nadine Sydow, Uso Walter und Christoph Bünger (v.l.n.r.), die Gewinner der drei Gewichtsklassen beim Start-up Battle in Dortmund.

Strahlende Sieger

Nadine Sydow, Uso Walter und Christoph Bünger (v.l.n.r.), die Gewinner der drei Gewichtsklassen beim Start-up Battle in Dortmund.

Dortmund„Let’s get ready to ruuuumble!“, bellt der Moderator in Mikrofon. Theatralische Musik erklingt, dann läutet die Glocke die erste Runde ein. Im improvisierten Boxring in den Dortmunder Westfalenhallen stehen sich im Leichtgewicht gegenüber: der erfahrene Kämpfer Uso Walter vom Team MyNoise mit rotem Handtuch um den Nacken. Siegessicher schaut er ins Publikum. Im anderen Eck mit gelben Handtüchern: die jungen Herausforderer Florian Meisel und Janosch Gößling vom Team Manugoo. Einer stolpert fast beim Einstieg übers Seil. Die Schweißperlen auf der Stirn zeugen von Nervosität. Schließlich geht es um viel.

Wer auf der Gründermesse Initiale in Dortmund siegt, ist Deutschland-Champion und eine Runde weiter beim internationalen Start-up-Battle „Get in the Ring“. Der entstand vor vier Jahren am Entrepreneurship Center der Uni Rotterdam. Inzwischen gibt es nationale Vorentscheide in mehr als 60 Ländern. Rund 3000 Start-ups aus aller Welt treten gegeneinander an. Wer bei „Get in the Ring“ im internationalen Finale siegt, hat die Chance auf bis zu eine Million Euro Investorengeld. Die heimsten im vergangenen Jahr die Gründer der eFishery aus Indonesien ein. Sie überzeugten nicht nur die Kampfrichter mit ihrer innovativen Fischfütterungsanlage.

Der Battle in Dortmund geht über fünf Runden. Die Uhr läuft rückwärts, die erste Runde dauert eine Minute. Kurzvorstellung, dann Mikrofonwechsel an den Gegner. 30 Sekunden für Team, Geschäftsmodell, Finanzierung, Erreichtes – letzte Runde: Freestyle. Wie im echten Leben müssen Gründer hart kämpfen für ihre Geschäftsidee – und sich durchsetzen gegen Wettbewerber, um an Fördertöpfe, Finanziers und Kunden zu kommen.

So unterschiedlich die Gegner im Leichtgewicht sein mögen, eines haben sie gemeinsam: Ihnen geht‘s ums Ohr. HNO-Arzt Walter hat eine Therapie-App für Tinnitus-Patienten entwickelt. Das Team von Manugoo hat auf seiner demokratischen Plattform für Kunden und Entwickler als erstes Produkt den Kopfhöreraufwickler „Roll Me Up“ auf den Markt gebracht. Vom Verkaufspreis von zehn Euro erhält die Manugoo-Community zwei Euro, davon gehen 80 Cent an den Erfinder und 1,20 Euro an alle, die mitdiskutiert und geliked haben. „Wir ersparen Firmen millionenschwere Fehlentwicklungen am Kunden vorbei“, tönt Junggründer und Werbeprofi Meisel.

Kontrahent Walter hält dagegen: „100 Millionen Menschen im Westen leiden unter Tinnitus. MyNoise hilft wie ein Arzt – nur eben rund um die Uhr und kostengünstig.“ Bei den drei Kampfrichtern - eine erfolgreiche Gründerin, ein Investor und ein Wirtschaftsförderer - kann er damit punkten. Zwei stimmen für MyNoise, einer für Manugoo. Champion Dr. Walter reckt die Arme nach oben.

Weiter geht’s im Mittelgewicht. „Big Data is beautiful“ lautet das Verbindende der Gegner. Gründer Christoph Bünger springt mit einem grünen Wählscheibentelefon galant über die Seile. Seine Firma Scavix hat eine intelligente Telefonmanager-App entwickelt. Diese analysiert das Nutzerverhalten und filtert unter anderem unerwünschte Anrufe heraus. „Da fällt mir gerade meine Schwiegermutter ein“, frotzelt Bünger. Bei den rund 250 Leuten im Publikum der Gründermesse hat er damit die Lacher auf seiner Seite.

Herausforderer Tim Ellersiek, Mitgründer von Goedle.io, versucht, mit schlagkräftigen Argumenten zu punkten. „Unser Tool analysiert das Nutzerverhalten von Apps. Es sagt vorher, bei wem es sich lohnt, ins Marketing zu investieren.“ Nach mehreren kritischen Nachfragen entscheiden sie die Kampfrichter dann doch 2:1 für den Telefonmanager. Der Verlierer gibt sich fair.

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