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26.10.2014

13:15 Uhr

Start-ups in China

Reich werden im Kommunismus

VonPhilipp Mattheis
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Start-up-Fieber im Reich der Mitte: 700 Millionen Smartphone-Besitzer wecken die Fantasie von Jungunternehmern. Doch nicht nur die Internetzensur macht den ehrgeizigen Gründern das Leben schwer.

Mit einem eigenen Unternehmen erfolgreich zu sein, statt als Angestellter bei einem Staatskonzern zu arbeiten, wird in China immer attraktiver.

Mit einem eigenen Unternehmen erfolgreich zu sein, statt als Angestellter bei einem Staatskonzern zu arbeiten, wird in China immer attraktiver.

DüsseldorfSeit einigen Wochen haben die für ihre Griesgrämigkeit berüchtigten Taxifahrer von Peking und Shanghai bessere Laune. Viele fahren bis zu 20-Stunden-Schichten, quälen sich durch nervige Staus und erhalten dafür knapp 5000 Yuan im Monat, rund 600 Euro. Doch dank zweier Smartphone-Apps hat sich ihr Verdienst deutlich erhöht: Wer als Kunde mit Kuaidi Dache (zu deutsch „schnelles Taxi“) oder Didi Dache („hup, hup - nimm ein Taxi“) eine Fahrt ordert, bekommt fünf Yuan gutgeschrieben, rund 60 Cent. Der gleiche Betrag geht an den Taxifahrer.

Im Vergleich zu ihren amerikanischen Altersgenossen gelten junge Chinesen bisher als risikoscheu. Doch das ändert sich gerade. Exakte Zahlen gibt es nicht, aber „die Zahl der Start-ups in China wächst“, sagt Jianbing Gao, Start-up-Experte bei der Beratung PricewaterhouseCoopers (PwC) in Shanghai. Mit einem eigenen Unternehmen erfolgreich zu sein, statt als Angestellter bei einem Staatskonzern zu arbeiten, wird immer attraktiver. Denn viele Uni-Absolventen verdienen mit 5000 Yuan im Monat, also rund 600 Euro, kaum mehr als erfahrene Wanderarbeiter oder eben Taxifahrer.

Die meisten Start-ups im Reich der Mitte tummeln sich im Internet und E-Commerce, wo die technischen und finanziellen Schwellen, um ein gutes Produkt zu entwickeln, am niedrigsten sind. Mehr als die Hälfte der 2012 gegründeten Unternehmen kamen aus den Mobil- und E-Commerce-Bereich. Und rund 70 Prozent der Wagnisfinanzierer investieren in Gründungen aus der Internet-Branche.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

„Aufgrund des gigantischen Markts haben vor allem Unternehmen Chancen, die sich direkt an Konsumenten richten“, sagt Chuan Thor, Geschäftsführer des Shanghaier Investors Highland Partners. In China gibt es mit 700 Millionen die weltweit meisten Smartphone-Nutzer. Um deren Kaufverhalten und Konsummuster drehen sich die meisten Start-up-Aktivitäten. Wie das Gründer-Geschäft läuft, zeigt die Geschichte der Taxi-Apps. Sie beginnt wie so oft in China mit einer Kopie: 2010 geht eine abgekupferte Version des US-Taxirufdienstes Uber an den Start. Schnell folgen Kopien der Kopie, bis sich 2012 fast ein Dutzend Taxi-Apps auf dem Markt tummeln.

Im April 2013 kommt Kuaidi Dache aus Shanghai auf 300.000 User, die pro Tag 20.000 Taxifahrten via Smartphone ordern. Wenig später gelingt Kuaidi Dache der Durchbruch: E-Commerce-Gigant Alibaba, der demnächst in New York an die Börse gehen wird, steigt mit mehreren Millionen Yuan ein.

Ähnlich läuft es beim Konkurrenten Didi Dache, der den Pekinger Markt kontrolliert. Gründer Wei Cheng konnte im Januar 100 Millionen Dollar Kapital vom chinesischen Internet-Riesen Tencent auftreiben. Beide Apps sind binnen eines Jahres rasant gewachsen und haben zusammen mehr als 100 Millionen Nutzer, die Ende März 2014 pro Tag rund elf Millionen Taxis orderten. Die kleineren Wettbewerber waren vom Markt gefegt. Seitdem liefern sich Alibaba und Tencent einen knallharten Verdrängungskrieg.

„Man muss sehr lange unterhalb der Wahrnehmungsschwelle bleiben“, sagt Jonathan Lin, ein Gründer aus Shanghai, „und dann ganz schnell sehr groß werden.“ Wer im Mittelfeld bleibe, werde hemmungslos kopiert und dann von den Großen aus dem Markt gedrängt.

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