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30.10.2016

14:34 Uhr

Start-ups in Indien

Die zweite „Jugaad“-Revolution

VonJulia Wadhawan

Indien schraubt in den Tech-Metropolen Delhi und Bangalore an einem neuen Silicon Valley. Auf die blühende Start-up-Kultur des Landes haben auch Unternehmer aus Europa ein Auge geworfen. Sie sind als Berater gefragt.

Obwohl das Land noch vornehmlich ländlich geprägt ist, strebt es eine digitale Revolution an. dpa

Indien

Obwohl das Land noch vornehmlich ländlich geprägt ist, strebt es eine digitale Revolution an.

Bangalore/MumbaiObwohl die Verhandlungen über das Handelsabkommen zwischen Indien und Europa auf der Stelle treten, kommt die Annäherung der Partner voran. Den Beweis lieferte in der vergangenen Woche Praveen Paranjothi. Der Wagniskapitalinvestor reiste mit einer rund 20-köpfigen Delegation durch Indiens Tech-Metropolen Delhi und Bangalore, um die Gründer-Szene des Landes zu erkunden. Zur Abschlusskonferenz trafen Botschaftsvertreter aus der Slowakei, Luxemburg und Frankreich auf indische Start-ups und Konzerne wie SAP, Cisco und Rocket Internet. „Europas Wachstum stagniert. Indien hingegen ist ein riesiger, diverser Markt und bietet jede Menge Wachstumschancen“, erklärte Paranjothi.

Im Austausch zwischen den digitalen Märkten beider Regionen sieht er sich als Vermittler. Der gebürtige Inder lebt seit vielen Jahren in Europa und gründete im Januar die Initiative „Start-up Europe India Network“ (SEIS), ein privatwirtschaftliches Netzwerk mit Unterstützung der Europäischen Kommission. Das Ziel: Stärken kombinieren, Synergien finden.

Der Zeitpunkt scheint genau richtig, denn Indiens Gründergeist weitet sich aus. Allein 2015 wuchs die Zahl der Start-ups um 40 Prozent, Investitionen erreichten ein Allzeithoch von rund 7,3 Milliarden Dollar. Einem aktuellen Report der indischem Softwarevereinigung Nasscom zufolge liegt Indien mit mehr als 4.750 Tech-Start-ups an dritter Stelle weltweit – hinter den USA und Großbritannien.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit rund 1,3 Milliarden Menschen hält das Land nicht nur viele Fachkräfte bereit, sondern auch einen riesigen Markt an potentiellen Konsumenten. Langwierige Bürokratieprozesse, Korruption und mangelhafte Infrastruktur hielten Indien aber bisher davon ab, allzu sehr von seinen Standortvorteilen zu zehren. Im Rahmen der Make in India-Kampagne startete die Regierung unter Ministerpräsident Narendra Modi daher eine Reihe von Maßnahmen, um Indien für ausländische Unternehmen attraktiver zu machen.

Darunter fällt auch der „Start-up India Action Plan“, den Modi Anfang des Jahres vorstellte: eine 19-Punkte-Liste, die erhebliche Unterstützung für Gründer verspricht, etwa in Form eines Gründerfonds, Steuernachlässen und Erleichterungen im Gründungs- und Finanzierungsbereich. Energisch verkündete die Handels- und Industrieministerin Nirmala Sitharaman: „Wir sind entschlossen, eine Start-up-Revolution zu starten.“

Eine Revolution täte dem Land gut, vor allem in der Beschäftigung. Etwa eine Millionen Menschen drängen hier im Monat auf den Arbeitsmarkt, doch die Zahl zusätzlicher Jobs sinkt seit Jahren. Die großen Arbeitgeber der Zukunft, so die Hoffnung, werden nicht nur etablierte Konzerne sein, sondern die jungen Gründer von morgen. Doch die innovative Kraft indischer Unternehmen wird international noch unterschätzt, sagte Paranjothi.

Glaubt man dem Gründungsduo Varun Kashyat und Sumit Nagpal, hat Indien sich das zum Teil selber zuzuschreiben.

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