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07.02.2016

09:25 Uhr

Streit im Start-up

Drum prüfe, wer zusammen gründet

VonMiriam Schröder

Ein Start-up ist wie eine Beziehung. Oft verbringen Gründer mehr Zeit miteinander als mit ihren Lebenspartnern. Doch wenn diese Beziehung scheitert, steht viel auf dem Spiel. Ein warnendes Beispiel.

Ein gemeinsames Unternehmen stellt auch Freundschaften auf eine harte Probe. Imago

Gemeinsam Gründen

Ein gemeinsames Unternehmen stellt auch Freundschaften auf eine harte Probe.

BerlinSie trafen sich in der Bibliothek: Karl stand am Kopierer mit dem Buch, das Jan gerade brauchte. Er war neu an der Uni, so kam man ins Gespräch. Von da an lernten sie zusammen, tranken zusammen, bald wohnten sie auch zusammen. Als Jan bei Karl in der WG einzog, saßen sie abends noch lange auf dem Fußboden. Es gab kaum Möbel, aber einen Bus vor der Tür, und Bier. Sie redeten über Theorien und über Frauen, oft auch Unsinn. Sie waren sich in vielem einig, wollten keine klassische Karriere machen, sich nicht einfach nur einreihen, nicht hochdienen, lieber selbst etwas aufbauen, neu denken, frei sein. Jan und Karl gründeten ein Start-up.

Wenn sie sich heute treffen, sitzen Jan und Karl an einem Tisch, der einem Mediator gehört, und reden nur noch über Geld. Es geht darum, was die Firma jetzt wert ist, und was sie in der Zukunft einmal wert sein könnte. Darum, wer wie viel zu dieser Wertschöpfung beigetragen hat. Um den Betrag, den Karl und Mark, der dritte Gesellschafter, bezahlen müssen, damit Jan seinen Anteil aufgibt. Und woher sie das Geld nehmen sollen, ohne die Firma zu ruinieren. An diesem Tisch wird wahrscheinlich das Ende einer Freundschaft verhandelt und die Frage, die sich viele Gründer erst zu spät stellen: Was wird aus unserem Baby, wenn wir uns nicht mehr verstehen?

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Von wegen heile Bionade-Welt: Zwischenmenschliche Schwierigkeiten sind einer der häufigsten Gründe, mit denen Start-ups ihr Scheitern erklären. Das zeigte zuletzt eine Umfrage der US-Datenfirma CB Insights unter 146 Unternehmen, die wieder vom Markt verschwunden sind. Fast ein Viertel der Befragten gab an, gravierende Probleme im Gründerteam gehabt zu haben.

Mit einem Start-up ist es nicht viel anders als mit einer Beziehung. Zuerst ist man verliebt in die Idee und glaubt, das bleibt für immer so. Dann kommt der Alltag. Der Kunde, der den Vertrag nicht verlängert oder gar nicht erst unterschreibt. Der Mitarbeiterin, die kündigt. Die Bank, die droht. Dann zeigt sich, ob ein Team funktioniert. Zumal die meisten Gründer mehr Zeit miteinander verbringen, als mit ihren Lebenspartnern.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

Jan und Karl, die in Wirklichkeit anders heißen, dachten anfangs, sie würden sich gut ergänzen. Karl, der Analytiker, produktverliebt bis ins Detail. Jan, der Verkäufer, der jeden an die Wand quatscht. Gemeinsamkeiten gab es auch: Sie waren sich einig darüber, dass sie dezentral führen wollten, dass jeder für seinen Bereich verantwortlich war und frei darüber entscheiden sollte, wo und wie er seine To-Do-Liste erledigte.

Dass sie beide abends oft nicht fertig damit waren, nahmen sie hin. Offen reden, sagt Jan, sei nicht ihre Stärke gewesen. Dafür waren sie vielleicht zu unterschiedlich. Jan streitet gern, er provoziert regelrecht, weil er glaubt, dass die beste Lösung eine möglichst intensive Debatte erfordert. Er hält es für möglich, dass er Karl damit auf die Nerven ging.

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