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14.04.2011

20:41 Uhr

Studie

Im Kerngeschäft fehlt Nachhaltigkeit

VonSusanne Bergius

Zwar verstärkt der deutsche Mittelstand sein soziales Engagement - doch ein verantwortliches Management des eigenen Betriebs bildet derzeit noch die Ausnahme.

Zu wenige Mittelständler befassen sich mit Themen wie Klimaschutz oder Energieeffizienz. ap

Zu wenige Mittelständler befassen sich mit Themen wie Klimaschutz oder Energieeffizienz.

BerlinAls Jürgen Schmidt 1990 ein Versandhaus gründete, wollte er ökologische, soziale und wirtschaftliche Ziele verbinden. Das fränkische Unternehmen Memo startete mit einem Komplettsortiment an umweltverträglichen und verantwortlich hergestellten Büroartikeln. Das Geschäftsmodell war gewagt, ein Erfolg keinesfalls sicher. Heute beliefert der Internethändler 120.000 Kunden mit über 10.000 nachhaltigen Produkten für Haushalt und Büro.

Unabhängig von der Branche entwickeln Mittelständler nachhaltige Geschäftsmodelle - darunter Familienbetriebe wie Die Möbelmacher in Kirchensittenbach. Andere setzen auf ganzheitliche Managementwerkzeuge: Die österreichische Backhausen Interior Textiles stellt auf abfallfreies Wirtschaften um.

Bei der Mehrzahl aber mangelt es noch an Konsequenz. 58 Prozent der deutschen Mittelständler befassen sich laut einer Studie der KfW Bankengruppe mit Corporate Social Responsibility und geben jährlich sechs Milliarden Euro dafür aus. Der Schwerpunkt liegt bei nahezu allen aber auf sozialem und gesellschaftlichem Engagement.

Das Kerngeschäft dagegen haben viele nicht im Blick - nur ein Viertel befasst sich etwa mit Klimaschutz und Energieeffizienz. Nach Aussage von Effizienzagenturen sind Verbesserungen nötig, wobei hohe Kostensenkungen möglich sind. Oft ist Mittelständlern aber unklar, wie sie Nachhaltigkeit in Entscheidungen und Innovationsprozesse integrieren können. Vieles geschieht bruchstückhaft und unkoordiniert. Von nachhaltigen Lieferketten etwa kann keine Rede sein.

Memo hingegen hat strenge Beschaffungskriterien. Produktmanager prüfen jedes Angebot über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg auf Gesundheits- und Umweltverträglichkeit. Es darf in der Produktion der Zulieferer keine Kinderarbeit geben, und Mindestlöhne, verträgliche Arbeitsbedingungen sowie eine faire Entlohnung müssen gewährleistet sein. Findet sich kein geeignetes Angebot, lässt Memo das Produkt unter der eigenen Marke herstellen. Im Katalog erfahren Kunden den ökosozialen Mehrwert jedes Produkts - und dass günstige Preise nicht aus Sozialdumping resultieren, sondern aus materialsparenden Logistikmethoden mit Mehrwegversandboxen.

Memo setzt auch intern hohe Maßstäbe. Alle 120 fest angestellten Mitarbeiter sind am Unternehmen beteiligt und können die Firmenpolitik mitbestimmen. Sie haben Zugang zu sämtlichen Geschäftszahlen - das gilt branchenübergreifend als einzigartig. Das Konzept zahlt sich aus. "In den Krisenjahren 2008 und 2009 konnten wir den deutschen Umsatz deutlich steigern, während praktisch alle Wettbewerber meist zweistellige Einbußen hinnehmen mussten", sagt Vorstandssprecher Schmidt. Auch in diesem Jahr will er deutlich zulegen: "Wir rechnen mit einem Wachstum von über zehn Prozent."

Allerdings sind Kompromisse nötig, herkömmliche Druckerpatronen zählen zum Angebot. "Kunden erwarten das volle Sortiment, selbst wenn eine Recyclinglösung fehlt", sagt Schmidt. Der Anteil von Zubehör ohne eigene ökosoziale Bewertung betrage nur 4,64 Prozent des Umsatzes von 18 Millionen Euro.

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