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24.10.2014

14:52 Uhr

Taptalk im Porträt

Onnos großer Traum

VonBritta Weddeling

Handelsblatt-Leser haben gewählt. In den nächsten Wochen begleiten wir Onno Faber, den Gründer von Taptalk, bei seinen ersten Schritten im Silicon Valley. Einen neuen Freund hat er schon: Den Schauspieler Ashton Kutcher.

Beim Techcrunch erklärt Onno Faber die Idee seiner Chat-App. Getty Images

Beim Techcrunch erklärt Onno Faber die Idee seiner Chat-App.

San FranciscoErst neulich wieder stand er am Strand, die Zehen im Sand, das Telefon am Ohr, und blickte auf seine neue Stadt. Onno Faber liebt Berlin, aber der Himmel über San Francisco, der fühlte sich für den 33-Jährigen einfach weiter an. Aus dem Büro in Mitte, wo Onnos großer Traum begann, zog der Gründer vor wenigen Wochen an die amerikanische Westküste. Auch wenn er sich derzeit von Sofa zu Sofa schläft, weil er noch keine eigene Wohnung gefunden hat, ist es ein bisschen so, als würde ihm die kalifornische Sonne mehr Energie geben. „Ich fühle mich wacher als je zuvor“, sagt er.

Das mag auch daran liegen, dass sich seit ein paar Tagen die halbe Internet-Öffentlichkeit für ihn und seine Firma Taptalk interessiert. Onno wollte mit der App, über die Freunde via Photo und Video miteinander chatten können, eigentlich nur die Menschen in seinem Leben ein wenig mehr zueinander bringen. Doch seit Facebook einige Funktionen des Programms klonte, steht sein Telefon nicht mehr still. Investoren interessieren sich plötzlich für das Startup, das der gebürtige Niederländer im Juni gründete. US-Schauspieler Ashton Kutcher, bekannt für seine Investments in digitale Firmen, gehört zu seinen neuen Freunden. Der Ex-Mann von Schauspielerin Demi Moore wolle bei Onnos App finanziell einsteigen, munkelt die Branche. Der Gründer will das nicht kommentieren. Er grinst. Die Aufmerksamkeit freut ihn.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

Unser Alltag sei so stark von dem Internet dominiert, erklärt Onno die Idee seiner Firma. „Ich will, dass die Technologie in unserem Leben unsichtbar wird.“ So wie die Fotos und Videos bei Taptalk, nachdem man sie angeschaut hat. Onnos App ähnelt der Plattform Snapchat, nur ist die Handhabe einfacher. Taptalk-Nutzer müssen nur das Foto eines Freundes gedrückt halten, um einen kurzen Gruß  zu senden. Seine Plattform entwickelt Onno jetzt in San Francisco weiter. Natürlich muss er auch endlich ein Büro einrichten und eine Wohnung suchen. Sein Team von bisher fünf Programmieren will er in den nächsten Monaten mindestens verdoppeln, auch eine neue Finanzierungsrunde steht an.

Handelsblatt Online wird Onno Faber auf seiner Reise begleiten und in Artikeln, Fotos, Videos und Tweets von seinem großen Traum erzählen. Wir werden dem Gründer im neuen Büro begegnen, neue Mitarbeiter und Investoren treffen. Wir werden mit dem selbsterklärten “Kaffee-Nerd” in der Sonne sitzen und abends beim Barbecue. Ja, wir werden mit Onno Faber sogar ins Wasser gehen. Schließlich will der Mann jetzt unbedingt 

Kitesurfen lernen, wo er doch schon mal in Kalifornien ist.

Ein kurzer Druck - dann sind auch weit entfernte Freunde mit Onnos App ganz nah.

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