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16.06.2011

08:51 Uhr

Tierpark

Hagenbeck - welche Geschäftsideen hinter dem Kultzoo stecken

VonThorsten Giersch

Die Krise hat Hagenbeck nichts ausgemacht. Dafür ist schlechtes Wetter eine stete Gefahr für die Bilanz. Wie sich der Tierpark dagegen wappnet und was Hagenbeck einzigartig macht – ein tierischer Ortstermin.

Die beiden Kamtschatkabären Wanja und Misho spielen im Freigehege. Bärenmutter Mascha hat die beiden im Januar 2011 zur Welt gebracht. Zum ersten Mal ist außerhalb Russlands die Nachzucht der seltenen und von der Ausrottung bedrohten Kamtschatkabaeren gelungen. Quelle: dapd

Die beiden Kamtschatkabären Wanja und Misho spielen im Freigehege. Bärenmutter Mascha hat die beiden im Januar 2011 zur Welt gebracht. Zum ersten Mal ist außerhalb Russlands die Nachzucht der seltenen und von der Ausrottung bedrohten Kamtschatkabaeren gelungen.

HamburgDiesem Lächeln kann man sich nicht entziehen: Die Elefantenkuh Salvana legt ihr Süßestes auf – für eine Möhre, einen Kohlrabi oder sonstiges Gemüse, das die Gäste des Tierparks Hagenbeck vor einer Minute gekauft haben, um die Elefanten zu füttern.

Es ist eines der größten Highlights des Zoos, der die Besucher da gleich zu Beginn erwartet: Die zwei Elefantengehege kommen ohne Gitter aus. Nur eine kleine Schnur zwingt die Dickhäuter, grazil die Vorderbeine zu heben und darüber zu steigen. Dann einmal kräftig vorbeugen, den Rüssel ausfahren und schon reicht es, um den Graben zu überwinden und an die Möhre zu kommen, die die kleine Lara ihm hinhält.

Hinter Salvana stehen zwei Elefantenkühe, die derzeit besonders gepflegt werden – denn sie sind schwanger. Knapp ein Jahr wird es dauern, bis sie hoffentlich gebären. Für den Tierpark sind solche „kleinen Wunder“ ein Fest. Genau wie vor kurzem die Geburt von zwei kleinen Bisons. Oder die Bären.

300 Mitarbeiter kümmern sich um die rund 1850 Tiere. 14 Millionen Umsatz machte der Tierpark im vergangenen Jahr. Die Familie leitet den Zoo inzwischen in der sechsten Generation. Joachim Weinlig-Hagenbeck und Stephan Hering-Hagenbeck sind die Geschäftsführer der Tierpark Hagenbeck GmbH. Verwandt sind sie nicht. Beide heirateten eine Urururenkelin vom legendären Zoo-Gründer Carl Gottfried Clas Hagenbeck.

Die Geschichte des Tierparks Hagenbeck

Der Tierpark Hagenbeck hat zwei Weltkriege überlebt und auch ansonsten eine bewegte Geschichte. Lesen Sie die wesentlichen Ereigbnisse im schnellen Überblick ...

1848

Der Fisch-Händler Gottfried Claes Carl Hagenbeck stellt sechs Seehunde in Hamburg St. Pauli aus.

1863

betreibt er ein kleines Tierhandelsgeschäft in Hamburg, Spielbudenplatz 19.

1866

... übernimmt der älteste Sohn, Carl Hagenbeck, das Geschäft des Vaters. Rasch baut er es aus und macht es zum größten Tierhandelshaus der Welt. Er eröffnet am Neuen Pferdemarkt 13 „Hagenbeck´s Thierpark“.

1875

Mit einer Familie aus Lappland beginnen die „großen Völkerschauen“. Es folgen Nubier, Inuits, Massais und andere.

1887

Carl Hagenbeck eröffnet seinen ersten Zirkus.

1892

... tritt eine Löwengruppe im Pariser Nouveau Cirque auf. Hagenbeck hat die Raubkatzen nach seiner Methode der „zahmen Dressur“ ausgebildet.

1896

... entwickelt er die erste gitterlose Freianlage der Welt und meldet sie an zum Patent. Er erfindet auch ein transportables Freigehege: Mit dem „Nordland Panorama“ geht er auf Reisen.

1907

... eröffnet der erste gitterlose Tierpark der Welt in Stellingen – damals noch ein preußisches Dorf vor den Toren Hamburgs. Die Idee der artgerechten Präsentation exotischer Tiere in ihren natürlichen Lebensraum ist damals revolutionär. Die Söhne Heinrich und Lorenz Hagenbeck, führen das Lebenswerk ihres Vaters weiter.

1916

Lorenz gründet den neuen Circus Carl Hagenbeck. Er bereist fast die ganze Welt und macht den Namen der Familie bekannt.

1943

... hat der Krieg den Tierpark in Stellingen komplett zerstört. Doch die Familie Hagenbeck und die nachfolgenden Generationen bauen ihn mit enormem Einsatz wieder auf. Schöner und größer denn je entsteht er neu.

2003

2003 verändert sich das Gesicht des Tierparks entscheidend. Hagenbeck erlebt seinen größten Umbau seit 60 Jahren: Der Haupteingang wird an die Koppelstraße verlegt, ein nepalesischer Pagoden-Tempel schmückt den neuen Zugang. Nun liegt der Park ganz nah an der U-Bahnstation Hagenbecks Tierpark

2004

Zum zweiten Mal wird ein Elefantenbaby im Kreis seiner Familie geboren. Der kleine „Thai“ tobt sich schnell in die Herzen der Gäste.

2006

Im November eröffnet der Tierpark seine neue Elefanten-Freilaufhalle – ein wichtiger Schritt für die möglichst natürliche Haltung einer Elefantenherde. Die Besucher können die Tiere nun auch bei schlechtem Wetter und im Winter in der Herde erleben.

2007

Der Tierpark Hagenbeck feiert sein hundertjähriges Bestehen. Jetzt weiht Hagenbeck im gleichen Monat seine neue, wetterunabhängige Ganzjahres-Attraktion ein: das Tropen-Aquarium Hagenbeck. Den 24-Millionen-Euro-Bau finanzierten die Hansestadt Hamburg und der Tierpark Hagenbeck zu gleichen Teilen. 

Erstes Elefantenbaby

Zum ersten Mal erblickt in Deutschland ein Asiatisches Elefantenbaby in der Herde das Licht der Welt. Dickhäuter-Mädchen „Kandy“ wird einer der Publikums-Lieblinge im Tierpark.

Zuchterfolge im Jubiläumsjahr

Im April wird Jubiläums-Elefantin „Shila“ geboren. Außerdem erzielt Hagenbeck neue Zuchterfolge bei bedrohten Tierarten wie den südamerikanischen Riesenottern, den Chinesischen Leoparden, den Onagern und den Mandschuren-Kranichen. Im Sommer folgt der erste Spatenstich für das vierte Standbein des erheblich gewachsenen Unternehmens: Der Bau am Lindner Park-Hotel Hagenbeck beginnt.

Die neue Leitung

In sechster Generation leiten die beiden Direktoren Joachim Weinlig-Hagenbeck (Finanzen, Marketing) und Dr. Stephan Hering-Hagenbeck (Zoologie, Gehegebau) heute gemeinsam den Tierpark. 

2009

Seit der Eröffnung des Tierparks im Jahr 1907 war die historische Eismeer-Anlage Heimat für Tiere der Arktis und der Antarktis. Doch nach über hundert Jahren war dieses unverwechselbare Panorama so baufällig, dass die Anlage abgerissen werden musste. Im November 2009 wurde der erste Spatenstich für das neue Eismeer gesetzt. Das 20 Millionen Euro teure Projekt soll im Frühjahr 2012 fertig gestellt sein.

Die Wirtschaftskrise hat der Tierpark gut überstanden – dafür aber auch vom Aufschwung nicht profitiert. Die konjunkturelle Entwicklung hat auf die Besucherzahlen praktisch keinen Einfluss. "Wenn die Deutschen ihr Geld

in wirtschaftlichen Zeiten zusammenhalten und sich kein großes Ausgabeverhalten leisten, bleibt der Zoo das ,kleine Stück vom Glück'. Zwar kann der Besuch die Urlaubsreise oder die Wochenendfahrt nicht ersetzen, wohl aber auch Erlebnisse und Erholung auf hohem Niveau bieten", sagt Ulrich Reinhardt, Freizeitforscher bei der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg.

Umso wichtiger ist für den geschäftlichen Erfolg eines Tierparks wie Hagenbeck das Wetter. Das war im vergangenen Jahr äußerst schlecht – was Folgen hatte: „Wir haben 2010 einen Umsatzeinbruch von knapp 15 Prozent für den Tierpark und das Tropen-Aquarium verzeichnet. Die wirtschaftliche Situation wurde durch erhöhte Kosten für Heizung und warmes Wasser weiter verschärft“, sagt Joachim Weinlig-Hagenbeck. Immerhin sieht es 2011 in dieser Hinsicht wieder deutlich besser aus: „Wir hatten bisher wunderbares Wetter und glücklicherweise auch gute Besucherzahlen“, sagt der Geschäftsführer.

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