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09.08.2011

11:39 Uhr

Traditionsmarke

Grundig vor der Wiederauferstehung

VonGerd Höhler

Vor acht Jahren endete Grundig in der Pleite. Seit 2007 gehört sie zur türkischen Koc-Gruppe. Die will die Traditionsmarke nun zu neuem Glanz bringen.

Der traditionsreiche Grundig-Konzern könnte wieder auferstehen. Quelle: INTERFOTO

Der traditionsreiche Grundig-Konzern könnte wieder auferstehen.

Wenn türkische Arbeitnehmer in den 1970er-Jahren aus Deutschland in den Sommerurlaub nach Anatolien aufbrachen, sorgte im Ford Transit nicht selten ein Kofferradio "Melody Boy" der Marke Grundig für Kurzweil auf der langen Fahrt. Vielleicht war sogar ein Grundig- Farbfernseher "Super Color" mit an Bord des vollgepackten Kleinbusses - als Mitbringsel für die Verwandten in der Türkei.

Inzwischen ist Grundig in der Türkei zu Hause: Das 1930 von dem Radiohändler Max Grundig in Fürth gegründete Unternehmen gehört heute zum türkischen Hausgeräte- und Unterhaltungselektronikhersteller Arcelik, einer Tochter der Koc-Holding, der größten Unternehmensgruppe der Türkei.

Bekanntheitsgrad ist hoch

Unternehmensgeschichte Grundig

1930

Firmenpatriarch Max Grundig gründet im Alter von 22 Jahren ein Radiogeschäft. Bald repariert er nicht nur Geräte, sondern produziert auch selbst.

1939

Kriegsbeginn: Grundig arbeitet vor allem für die Wehrmacht und repariert Geräte der Nachrichtentechnik.

1947

Verkauf des Radiobaukastens Heinzelmann. Das Gerät wird zur Grundlage des Erfolgs: Allein in diesem Jahr verkauft Grundig mehr als 12.000 Stück.

1952

Die Firma steigt in die Produktion von Fernsehgeräten ein. Sechs Jahre später folge die Übernahme der Büromaschinenwerke Triumph und Adler.

1984

Nach schweren Umsatzeinbrüchen erhöht Philips seinen Anteil an Grundig auf 31,6 Prozent und übernimmt die unternehmerische Führung.

2003

Auch das neue Management kann den Abstieg nicht verhindern. Das Unternehmen meldet Insolvenz an.

2007

Arcelik, eine Tochtergesellschaft der Koc-Gruppe, übernimmt die Mehrheit.

Arcelik hat große Pläne mit der Marke, die seit dem Ausscheiden des Firmengründers 1984 turbulente Jahrzehnte durchlief und nach mehreren Besitzerwechseln 2003 Konkurs anmeldete. "Grundig ist heute eine der wertvollsten Marken im Arcelik-Portfolio", sagte Murat Sahin, Geschäftsführer der Grundig Intermedia GmbH, dem Handelsblatt. "In Deutschland hat Grundig immer noch einen Bekanntheitsgrad von über 90 Prozent."

Zugleich profitiere Grundig von der internationalen Wachstumsdynamik des Unternehmens Arcelik. Die Koc-Holding hatte 2004 gemeinsam mit dem britischen Elektronikimporteur Alba Radio große Teile der insolventen Grundig AG übernommen. Seit Dezember 2007 sind die Türken alleinige Besitzer der Grundig Intermedia, wie das Unternehmen heute heißt.

Ein Mann betrachtet ein Fernsehgerät der Firma Grundig. Quelle: dpa

Ein Mann betrachtet ein Fernsehgerät der Firma Grundig.

Von den einst 40 000 Mitarbeitern an den deutschen Standorten sind noch 140 übrig, die im Nürnberger Hauptquartier im Marketing, Produktmanagement, Vertrieb und Service arbeiten. Produktion und technische Entwicklung wurden schon 2008 nach Istanbul verlegt.

Mit dem Slogan "Aus gutem Grund - Grundig" begann das Unternehmen 2009 eine Marketingoffensive, nachdem es in den fünf Jahren zuvor ebenso viele Chefs verschlissen und ein trauriges Bild abgegeben hatte. Geschäftsführer Sahin will die Marke jetzt nachhaltig entwickeln: "Grundig hat eine lange und emotionale Geschichte", sagt er. "Wir wollen diese positiven Emotionen wieder wecken und die Kernwerte der Marke herausarbeiten."

Kommentare (5)

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09.08.2011, 11:25 Uhr

Braucht nicht nur die türkische Koc-Gruppe den Namen von Grundig, um ihre Produkte so auf den deutschen oder internationalen Markt zu werfen???
Es ähnelt sehr stark an die Türkische Firma, als sie das pleitegegangene Holder-Werk übernommen hatte, denn man brauchte den Namen von Holder, das Technische nohau und vieles andere mehr, um dann festzustellen, niemand wollte türkische-Holder.
Genauso erscheint mir es bei der Koc-Gruppe mit Grundig.
Danke

Account gelöscht!

09.08.2011, 11:49 Uhr

Schlechte Zeiten für eine Wiederauferstehung!!! Bricht gerade alles zusammen!!

Alfred

09.08.2011, 15:36 Uhr

Ich freue mich über jeden ,der anpackt, der nicht jammert, der nicht nach Subventionen schreit oder eine Gerechtig-
keitslücke entdeckt, die wieder mit den Steuergeldern anderer Leute gefüllt werden muß.Das Ergebnis dieser
"Schmarotzer-Unterstützungspolitik" sehen wir heute an der gigantischen Verschuldung der sog. Industrieländer, die teilweise noch nie eine leistungsfähige Industrie hatten bzw. haben kaputtgehenlassen (siehe England und mit Abstrichen die USA). Die Ansprüche an den Lebensstandard sind aber hoch, die Leistungsbereitschaft sinkt seit Jahren!
Grundig war einer von denen, die angepackt haben mit gros-
sem Erfolg für sein Unternehmen, seine Mitarbeiter und für
sich.
Ich kann den türkischen Eigentümern nur viel Erfolg wün-
schen. Der Name macht es aber nicht alleine. Vielleicht ist
eine türkisch-deutsche (Technik)-Zusammenarbeit eine effek-
tive Basis verbunden mit türkischem Geschäftssinn und Einsatz.

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