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25.09.2012

10:24 Uhr

Trigema-Chef

Die heile Welt des Wolfgang Grupp

VonChristoph Kapalschinski

Trigema-Chef Wolfgang Grupp hat Großes geschaffen. Doch beim Besuch im Jagdrevier des „Königs von Burladingen“ zeigt sich inzwischen ein eher lauter Wirtschaftsmann - der den Anschluss an die Branche zu verlieren droht.

Wolfgang Grupp, Geschäftsführer des T-Shirt- und Tennisbekleidungs-Herstellers Trigema GmbH, am Firmensitz in Burladingen (Zollernalbkreis). dpa

Wolfgang Grupp, Geschäftsführer des T-Shirt- und Tennisbekleidungs-Herstellers Trigema GmbH, am Firmensitz in Burladingen (Zollernalbkreis).

BurladingenDa sitzt man nicht mal fünf Minuten bei Pflaumenkuchen und Sachertorte zusammen, und schon kann sich der Hausherr über einen ereifern. Eine Stunde Verspätung mit der Bahn ins Allgäu und dann weiter mit einem Mietauto bis hinauf zum Jagdhaus: Das wäre unter seiner Ägide nicht passiert, sagt Wolfgang Grupp. Reine Verschwendung von Personalstunden, nichts anderes sei es doch, Mitarbeiter mit der Bahn reisen zu lassen. Völlig unverständlich. In seiner Firma, bei Trigema, jedenfalls gäbe es das nicht: entweder Dienstwagen oder gleich Firmen-Helikopter. Vom Firmensitz in Burladingen aus der Schwäbischen Alb nach Düsseldorf, nur mal als Beispiel, bräuchte man damit nur eine Stunde und 25 Minuten.

Fünf Minuten also im Jagdhaus, im Wohnzimmer mit dem wuchtigen Gebälk, den Hunderten Jagdtrophäen an der Wand, den Flinten hinter Glas, am Esstisch mit Tischdecke mit dem Monogramm des Hausherrn, „WG“, das auch die Papierservietten ziert, fünf Minuten, und Wolfgang Grupp ist mitten in seinem Thema: Unternehmen verantwortlich führen. Mit Polemik dazu fällt er immer wieder in den Fernseh-Talkshows auf. Eingeladen ist er da meist als Vertreter des Mittelstands, dabei hat er kein Verbandsamt inne, aber er kann sich telegen aufregen, über „die Lumpen, die Gier und den Größenwahn“.

Trigema und Grupp

Das Unternehmen

Trigema besteht seit 1919. Anders als fast alle Konkurrenten produziert die Bekleidungsfirma aus Schwaben komplett selbst, statt im Ausland fertigen zu lassen. Über die Hälfte der Artikel verkauft Trigema in eigenen Läden und im Internet.

Der Unternehmer

Wolfgang Grupp übernahm 1969 in dritter Generation. Er gab kurz darauf unrentable Firmenteile auf und setzte aufs T-Shirt. Heute garantiert er die Arbeitsplätze - auch den Kindern seiner Mitarbeiter.

Dazu kommt ein seit über einem Jahrzehnt fast unveränderter Werbespot mit einem scheinbar sprechenden Schimpansen mit Hemd und Brille. Grupp selbst tritt darin auf, zeigt mit ausladender Geste seine Fabrik, die knapp 1200 Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze er garantieren will, die Produktion nur in Deutschland. Der Spot fällt auf, weil er billig wirkt, weil der Chef des Freizeitkleidungs-Herstellers mit Uhrenkette und Einstecktuch in der Fabrik auf die Zuschauer wie die Karikatur eines Firmenpatriarchen wirken muss. Auch in der Boulevard-Presse hat Grupp große Auftritte.

Eigentlich lebt er wie Tausende wohlhabende Deutsche auch. Nur gibt sich sein Butler britisch, seine Villa auf der Schwäbischen Alb hat ein Sylter Reetdach, seinen 70. Geburtstag feierte er kürzlich mit allen Mitarbeitern und einem Schimpansen. Die jüngsten Berichte handelten vom neuen, 600 Quadratmeter großen Familiengrab neben dem Burladinger Friedhof, auf dem er schon seine Grabplatte mit Inschrift hat anbringen lassen. Zu allem Überfluss hat er sich, seine Frau Elisabeth und die beiden Kinder, Wolfgang und Bonita, Jahrgänge '89 und '91, vom SWR-Fernsehen für eine Doku-Soap begleiten lassen - unter dem Titel „Der König von Burladingen“.

Kommentare (66)

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Account gelöscht!

25.09.2012, 11:03 Uhr

Interessant war ein Auftritt von Herrn Grupp in "Hart, aber fair".

Dort haben Produkttester sein, im Vergleich zur Konkurrenz vier mal so teures T-Shirt madig gemacht und dem Produkt schlechte Qualität bescheinigt.

Da habe ich Herrn Grupp zum ersten Mal vor einer Kamera sprachlos gesehen.

Trotzdem bewundere ich den Mann, der sich in einer Branche behauptet, wenn auch mit sehr hohen Preisen, die in Deutschland längst gestorben ist.

Vielleicht wäre der Denkansatz "Made in Germany" oder "kauf deutsch" gar nicht so schlecht in einer Welt, in der deutsche Arbeitsplätze in alle Welt exportiert werden und die kommenden Zukunftsindustrien der Deutschen in der Altenpflege und der Sozialarbeiter-Industrie bestehen.

Eurotiker

25.09.2012, 11:25 Uhr

Lieber statesman, heute exportiert Deutschland keine Arbeitsplätze sondern wir exportieren Arbeitslosigkeit. Denn nichts anderes ist ein Außenhandelsüberschuß, es ist exportierte Arbeitslosigkeit. Nur verlangen unsere europäischen Freinde zunehmend, dass wir unsere Exporte gefällig selber bezahlen sollen. Wie lange das gut gehen wird bleibt abzuwarten. Einen schönen Tag.

Hoffmann

25.09.2012, 11:37 Uhr

Wenn ich mir die Preise in seinem Onlineshop ansehe so sind diese doch moderat u. ähneln denen von Markenherstellern die ihre Waren mit Kinder- u. Sklavenarbeit herstellen lassen.
Es ist toll wenn das trotz deutscher Löhne möglich ist.

Der Artikel verfehlt sein Ziel Grupp u. Trigema lächerlich zu machen. Eine Schande für das Handelsblatt! Ich kaufe möglichst nur noch bei Trigema.
Herrn Kapalschinski wünsche ich daß er in seinen teuren Markenklamotten made in China/Bangladesh usw glücklich wird. Die Sklaven dort werden es sicher nicht sein.

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