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31.01.2012

13:23 Uhr

Trigema-Inhaber

Für Wolfgang Grupp ist Schlecker eine „Warnung vor Größenwahn“

Trigema-Chef Grupp gilt als Deutschlands berühmtester Mittelständler. Auch der „Mann mit dem Affen“ führt sein Unternehmen als e.K. wie Anton Schlecker. Er kritisiert den Gründer der insolventen Drogeriekette scharf.

Trigema-Chef Wolfgang Grupp: der Mann mit dem Affen. dpa

Trigema-Chef Wolfgang Grupp: der Mann mit dem Affen.

Burladingen/EhingenDer bundesweit bekannte Textilunternehmer Wolfgang Grupp sieht in der Schlecker-Insolvenz eine Warnung vor zu viel „Größenwahn“. „In solchen Fällen muss früher die Notbremse gezogen werden“, sagte der Trigema-Chef am Dienstag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Da im Fall der Drogeriekette offensichtlich nicht die Banken eine so große Rolle spielten, sei den Lieferanten ein Vorwurf zu machen. „Gäbe es auf allen Seiten eine persönliche Haftung, würde es nicht so weit kommen“, meinte Grupp.

Der Trigema-Chef, der sein Unternehmen wie das von Anton Schlecker als „e.K“ (eingetragener Kaufmann) führt, erklärte, grundsätzlich nur so weit wachsen zu wollen, wie er seinen Betrieb noch selbst überblicken könne. Bei Schlecker gebe es Tochtergesellschaften, die jeweils als GmbH eingetragen seien. Es wundere ihn, wenn bei der Familie Schlecker nichts mehr da sein solle, wenn doch die Auslandsgesellschaften noch nicht in die Insolvenz gegangen seien.

Grupp wetterte bereits in der Wirtschaftswoche gegen Schlecker: "Ein Unternehmen zu Lasten der Mitarbeiter, der Lieferanten, vor allem aber auf Kosten des Staates zu sanieren, hat nichts mehr mit Marktwirtschaft zu tun.". 

15 Dinge, die Sie noch nicht über Wolfgang Grupp wussten

Der Mann mit dem Affen

Er ist der Mann mit dem Affen. Das klingt nicht sehr nett, aber der Affe hat Wolfgang Grupp zum vermutlich bekanntesten Mittelständler Deutschlands gemacht. Grupp wirkt eitel, gilt aber als einer von Deutschlands Vorzeigeunternehmern. Mehr über sein Leben, seine Ansichten und seine Marotten.

Wie kam Wolfgang Grupp auf die Idee, Affen als Werbefigur einzusetzen?

1990 kaufte Grupp die Rechte an einem Affenspot, der ursprünglich für Toyota gedacht war. Es ließ sich leicht ein neuer Text über die Bilder legen. Danach drehte Trigema eigene Spots mit Schimpansen. Seit 1996 gibt es den heute bekannten Spot.

Wie reist Wolfgang Grupp am liebsten?

Im Hubschrauber: Die nächste Autobahn recht weit entfernt. Die Bundestrasse zu stark frequentiert. Das ist nichts für einen ungeduldigen Macher. Der 1995 gekaufte Bell Jet Ranger trägt natürlich das Trigema-Logo.

Was ist das Besondere an Grupps 1982 bezogenen Villa?

Sie hat ein Reetdach. Grupp entdeckte seinen Faible für Reetdach-Häuser während eines Urlaubs auf Sylt. Er wünschte sich Wohnlichkeit und Wärme, und dazu passte dieses Material am besten. Außerdem kennzeichnet die Villa der Rittersaal unterm Dach.

Woher stammt der Name Trigema?

Trikotwarenfabrik Gebrüder Mayer: Josef Mayer, Grupps Großvater, gründete die Firma 1919/20 und überstand als Unterwäschehersteller auch die schwierigen 20-Jahre sehr gut. Nach dem zweiten Weltkrieg fiel ihm die Umstellung leichter als anderen Unternehmen in der Region, die sich auf Uniformen spezialisiert hatten.

Was ist Wolfgang Grupps großes Hobby?

Wolfgang Grupp besitzt eine 400 Hektar große Eigenjagd im Allgäu. Schon als Jugendlicher liebte er es, hoch zu Ross hinterm Wild herzujagen.

Wie hat Wolfang Grupp seine Frau Elisabeth kennengelernt?

Romantischer geht es kaum: 1986 ging Grupp auf Auerhahnjagd in der Obersteiermark. Während der Jagd besuchte der damals 44-Jährige einen Freund. Der Baron hatte eine 22-jährige Tochter. Fortan konnte Grupp die Schönheit nicht mehr vergessen.

Womit erregte Wolfgang Grupp 2009 großes Aufsehen?

Er ließ sich eine sehr große Begräbnisstätte errichten: Umfriedet von einer hohen Mauer liegt die Grabstätte für seine Familie angelegte inmitten einer 600 Quadratmeter großen Grünflache. Ein kleines, frei zugängliches Areal am Rande des eigentlichen Friedhofes.

Worauf legt Wolfgang Grupp bei der Kleidung sehr viel wert?

Manchettenknöpfe, Einstucktuch und schmale Krawatte - Grupps akkurate Kleidung hat sich praktisch nicht verändert: Maßanzug, meisten auffällig gestreiftes Hemd, Kragen und Manchetten weiß, schmale Krawatte und Einstucktuch in den Farben des Hemdstoffes.

Was kennzeichnet das Büro von Wolfgang Grupp?

Es ist ein Großraumbüro, dass er sich mit Mitarbeitern teilt: In den 70er-Jahren hat sich Grupp ein Großraumbüro entworfen, das er gemeinsam mit Verwaltungsangestellten belegt. Wenn sich seine ehrliche Empörung, wofür er durchaus bekannt ist, in großer Lautstärke Luft macht, bekommen das also einige Mitmenschen zu hören.

Wer ist Wolfgang Grupps größtes Vorbild?

Josef Mayer war für seinen Enkel als Mensch und Unternehmer das größte Vorbild. Zwischen Wolfgang Grupp und seinem Vater entwickelte sich ein veritabler Generationenkonflikt. Der Sohn nahm es dem Vater übel, dass er mit dem Unternehmen allzu arg expandierte, wodurch Trigema ins Schlingern geriet.

Wofür sparte Wolfgang Grupp im Internat sein Geld?

Das Äußere musste für ihn schon als Jugendlicher stets erstklassig sein. Daher bat er Eltern und Verwandte, ihm Geld zu schenken statt Gegenständen. Wolfgang sparte und kaufte sich 1962, mit 20 Jahren, eine teure, ultraflache Uhr. Er trägt sie bis heute voller Stolz.

Womit „erfreute“ Wolfgang Grupp seine Kinder zu Weihnachten?

Er schlüpfte persönlich in das Nikolaus-Kostüm. Bonita und Wolfgang junior merkten irgendwann, dass ihr Vater selbst in dem Kostüm steckte, ließen es sich aber lange nicht anmerken. Grupp übernahm diese Job, weil ihm im Jahr zuvor der Auftritt des engagierten Gabenbringers nicht gefallen hatte.

Warum beliefert Trigema seit 1987 nicht mehr den Discounter Aldi?

1987 kam es zum Bruch zwischen Grupp und Aldi-Nord: Der Discounter wollte, dass die Ware nicht mehr unter dem Label Trigema, sondern als Eigenmarke in die Regale kam. Dazu gehörte ein Preisnachlass von 40 Prozent. Grupp verzichtete lieber auf den Umsatz von 25 Millionen Mark jährlich.

Wie beginnt Wolfgang Grupp einen gewöhnlichen Tag?

Pünktlich vor sieben Uhr springt er in den Pool und schwimmt acht Bahnen, das entspricht 360 Metern. Das tut er auch im Winter bei Minusgraden, allerdings lässt Grupp das Wasser dann auf 19 Grad temperieren.

Ende 2007 nannte die Bild-Zeitung Wolfgang Grupp „menschlich“. Warum?

Weil er wegen Raserei drei Punkte in Flensburg kassierte. Grupp wollte stets ein Vorbild an Disziplin sein und hielt sich streng an seine Regeln. Umso mehr ärgerte er sich über den Verkehrsdelikt.

Seit gestern steht fest, dass die insolvente Drogeriekette noch eine Chance bekommen soll. Allerdings steht die einstige Milliardärsfamilie mit leeren Händen da. „Aus meiner Sicht gibt es einen guten Kern“, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Montag. Das Gros der unrentablen Filialen sei nun geschlossen. Anton Schlecker, der in der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders mit dem Aufbau seines Drogerie-Imperiums startete, steht nach Aussagen des Insolvenzverwalters jetzt vor dem persönlichen Ruin. „Es ist nichts mehr da“, stellte Meike Schlecker, die Tochter des Firmengründers, fest.

Dass Anton Schlecker für die Insolvenz gerade stehen muss, hängt Gleiwitz zufolge mit der Unternehmensform „eingetragener Kaufmann“ (e.K.) und der direkten Haftung zusammen. Deshalb müsse er praktisch auch eine Privatinsolvenz abwickeln, wie der vorläufige Insolvenzverwalter erklärte. Es gibt nach Angaben eines Sprechers keinen eigenen Antrag auf Privatinsolvenz.

Wie es mit Schlecker weitergeht

Schwierige Verhandlungen mit Gläubigern

Erst in den kommenden Wochen und Monaten wird es sich entscheiden, ob der Drogerieriese Schlecker es schafft, eine völlige Pleite und das Aus für die rund 30.000 Mitarbeiter in Deutschland abzuwenden.

Überzeugungsarbeit

Die Spitze von Deutschlands bislang größtem Drogeriekonzern Schlecker muss Überzeugungsarbeit leisten. Gelingt es der Familie und dem Management, die Gläubiger von einem Insolvenzplan zu überzeugen? Wie geht es weiter?

Die Planinsolvenz

Schlecker hat den Antrag auf eine Planinsolvenz beim zuständigen Amtsgericht Ulm eingereicht. Das Verfahren ähnelt dem amerikanischen sogenannten Chapter 11, mit dessen Hilfe sich dortige Unternehmen in weitgehender Eigenregie sanieren, um als Firma erhalten zu bleiben. Noch äußert sich Schlecker nicht dazu, wie ein solcher Plan genau aussehen könnte.

Filialen schließen

Es ist davon auszugehen, dass noch weit mehr Filialen als geplant geschlossen werden. Bislang sollte dieser Prozess Ende des ersten Quartals abgeschlossen sein - mit mehreren hundert weiteren dichtgemachten Läden, weit über 1000 seit Anfang des vergangenen Jahres. Zudem werden die Beschäftigten Federn lassen müssen.

Die dringendsten Probleme

Schlecker selbst hat eine ausgefallene „Zwischenfinanzierung“ als Ursache für die Insolvenz genannt. Nach übereinstimmenden Berichten verschiedener Medien und dpa-Informationen ging es um Zahlungen an den Einkaufsverbund Markant. Dieser und andere Gläubiger müssen also dem Sanierungskonzept Vertrauen schenken, so dass frische Ware in die Läden kommt.

Rolle der Banken

Meike und Lars Schlecker hatten im Dezember erklärt, es habe bereits „die eine oder andere Vereinbarung“ mit Banken gegeben. Um Investoren zu finden, hat die Drogeriekette angeblich den Ex-Edeka-Chef Alfons Frenk engagiert. Schlecker bestätigte Verhandlungen über einen Einstieg von Finanzinvestoren nicht, über die das „Manager Magazin“ berichtet hatte.

Wie sicher sind die Arbeitsplätze?

Bislang hat Schlecker allen Filialschließungen zum Trotz keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen. Das Management verlängerte Zeitverträge nicht oder besetzte frei werdende Stellen nicht neu. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bestätigt das, fordert jetzt aber vollen Einsatz für die allein in Deutschland rund 30.000 Beschäftigten.

Gehälter vorerst sicher

Eigentlich gilt bis Mitte 2012 ein Beschäftigungssicherungsvertrag - Mitarbeiter können nur gegen eine entsprechende Abfindung ausscheiden. Zumindest die Gehälter sind durch das Insolvenzausfallgeld für die ersten drei Monate des Verfahrens gesichert.

Beispiele für gelungene Planinsolvenzen

Zum Beispiel die Modekette Sinn Leffers oder den Fall Karstadt. Bei Sinn Leffers waren allerdings harte Einschnitte nötig: nur 25 von 47 Standorten blieben erhalten, rund 1300 Jobs wurden gestrichen. In Baden-Württemberg hat der Modelleisenbahnhersteller Märklin es geschafft, sich dank eines Plans aus der Insolvenz zu verabschieden. Das war aber auch nur möglich, weil sich die wichtigsten Gläubiger darauf einigten, einen Teil ihrer Forderungen in Millionenhöhe erst später beglichen zu bekommen.

Hat Schlecker eine Chance auf dem Drogeriemarkt?

Nur mit einem radikalen Imagewandel, sagen Branchenexperten. Weg vom Billiganbieter mit Geschäften an jeder Straßenecke, lange Jahre das Erfolgsmodell der Kette. Die größten Konkurrenten DM und Rossmann haben sich seit ihren ebenfalls im Drogerie-Discount-Bereich liegenden Anfängen enorm weiterentwickelt.

Konkurrent DM

Gerade der Karlsruher DM-Konzern hat mit großen, zentral gelegenen Filialen immer mehr Marktanteile hinzugewonnen und ist etwa im Fotobereich sehr beliebt. Zudem hat Schlecker bis heute mit seinem Negativimage zu kämpfen, weil Arbeitnehmerrechte früher wenig galten und sich das Bild in den Köpfen vieler Konsumenten festgesetzt hat.

Wie weit ist die Neuausrichtung?

Die hat Schlecker mit seinem Programm „Fit for Future“ erst sehr spät gestartet. Anfang 2011 wurden die ersten, neu gestalteten Filialen aufgemacht. Sie bieten mehr Bewegungsfreiheit, übersichtliche Regale und ein speziell auf die jeweilige Nachbarschaft abgestimmtes Sortiment.

Neue Läden

Rund 30 Prozent Umsatzzuwachs verzeichneten sie nach Angaben von Meike und Lars Schlecker. Bislang gibt es erst rund 300 der neuen Filialen, 750 bis 1000 sollten es in diesem Jahr werden. Das Gros der über 7000 Läden allein in Deutschland sind weiterhin kleine und enge Geschäfte mit geringen Fixkosten, aber auch wenig Umsatz. Hier wollte Schlecker zuletzt wieder über eine Preisoffensive punkten.

Kommentare (18)

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Brasil

31.01.2012, 13:21 Uhr

Aus dem gleichen Bundesland kommend, aber Ausgewanderter kann ich nur sagen "wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!"

Gell, Landlord Grupp?

Thomas-Melber-Stuttgart

31.01.2012, 13:48 Uhr

Schlecker hatte mit seinen Märkten auf dem flachen Land oder in Problembezirken die Funktion der Nahversorgung übernommen, die keine andere Kette mehr machen wollte.

UnternehmerSeit2006

31.01.2012, 13:52 Uhr

Das mit dem "eingetragen Kaufmann" ist schon seltsam. Das erscheint mir wie ein Relikt aus längst vergangen Zeiten. Als der Kaiser noch wollte das jeder der es wagt nach oben zu wollen wenigsten mit Haus und Hof haften muss.
Jede Börtchenschmierbude firmiert heute als Kapitalgesellschaft (Ldt. UG, GmbH, AG) und schützt so den Unternehmer vor dem schlimmsten.

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