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12.06.2012

15:13 Uhr

Trotz guter Lage

Im Mittelstand macht sich Skepsis breit

Die Auftragsbücher des deutschen Mittelstandes sind eigentlich gut gefüllt. Doch die Firmen sind angesichts der politischen Entwicklungen skeptisch. Einen Anlass für Schwarzmalerei gibt es Experten zufolge aber nicht.

Mehr als jeder zweite Betrieb schätzt seine Geschäftslage als gut oder sehr gut ein. dpa

Mehr als jeder zweite Betrieb schätzt seine Geschäftslage als gut oder sehr gut ein.

BerlinDie Skepsis der mittelständischen Industrie in Deutschland wächst. „Die Unternehmen merken, dass die Staatsschuldenkrise und die abflachende Konjunktur die Perspektiven etwas verschlechtern“, sagte BDI-Mittelstandsexperte Arndt Kirchhoff zur Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Die Grundstimmung sei jedoch noch positiv. Mehr als jeder zweite Betrieb schätze seine Geschäftslage als gut oder sehr gut ein. Trotz geringerer Ausgaben als 2011 sei die Investitionsbereitschaft der Firmen hoch. Die Rezession in weiten Teilen Südeuropas werde dies nur vorübergehend bremsen, sagte Chefvolkswirt Kurt Demmer von der IKB-Bank. Denn die Geschäfte in den asiatischen Wachstumsmärkten liefen weiter gut.

Die Umfrage unter gut 1.000 Firmen wurde Ende April abgeschlossen. Danach trübte sich aber die Konjunktur in Deutschland, der Euro-Zone und weltweit ein. Nach dem überraschend kräftigen Wachstum von 0,5 Prozent zu Jahresanfang könnte die deutsche Wirtschaft nach Ansicht vieler Fachleute im laufenden Quartal deutlich an Fahrt verlieren. Anlass für Schwarzmalerei sieht das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) aber nicht. „Ich glaube nicht, dass das einbricht, denn die Auftragsbücher sind gut gefüllt“, sagte IfM-Experte Frank Wallau, der die halbjährliche Umfrage wissenschaftlich betreut.

Als größtes Konjunkturrisiko sehen die Unternehmen die Schuldenkrise in Europa (68 Prozent) sowie die Entwicklung der Energie- (67 Prozent) und Rohstoffpreise (62 Prozent). Die Finanzierungsbedingungen schätzen sie als nach wie vor gut ein, wie aus dem BDI-Mittelstandspanel hervorgeht. Allerdings fällt es gut jeder zweiten Firma schwer, für freie Stellen das passende Personal zu finden. Der Fachkräftemangel werde sich verschärfen, warnte Kirchhoff. Viele Firmen steuern mit interner Weiterbildung gegen. Im Ausland fahndet bisher kaum jemand nach den fehlenden Mitarbeitern. Grund laut Umfrage: mangelnde Qualifikation von Bewerbern und fehlende Sprachkenntnisse.

Trotz der jüngsten Eskalation der Schuldenkrise erwartet der BDI für Deutschland rund ein Prozent Wirtschaftswachstum, wie Kirchhoff bekräftigte. Die Anzeichen für eine Konjunktureintrübung reißen aber nicht ab. So stieg die Zahl der Firmenpleiten im März so stark wie seit zwei Jahren nicht. 2809 Unternehmen erklärten sich für zahlungsunfähig und damit 1,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Verglichen mit dem Vormonat gab es dem Statistischen Bundesamt zufolge sogar 19,4 Prozent mehr Pleiten. „Wir rechnen damit, dass 2012 wieder mehr Unternehmen den Gang zum Insolvenzrichter antreten müssen“, sagte der Vorsitzende des Insolvenzverwalterverbands VID, Christoph Niering.

Die Gefahr einer Rezession bleibt nach Berechnungen des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts zwar gering. „Aber die Unsicherheiten haben zugenommen“, sagte IMK-Direktor Gustav Horn.

Von

rtr

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