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27.04.2015

20:00 Uhr

Übernahmen

Der Mittelstand erobert die Welt

VonUlf Sommer

Nicht nur Großkonzerne, auch familiengeführte Unternehmen wollen durch Zukäufe wachsen. Jeder zweite Mittelständler hat in den vergangenen zwölf Monaten ernsthaft eine Übernahme geprüft, zeigt eine exklusive Studie.

Der Softwarespezialist kaufte gerade einen Konkurrenten. Jürgen Lösel für Handelsblatt

Robotron-Zentrale in Dresden

Der Softwarespezialist kaufte gerade einen Konkurrenten.

DüsseldorfRoyal Dutch Shell bietet für die BG Group 64 Milliarden Euro, der weltgrößte Baustoffkonzern Holcim wirbt bei seinen Aktionären um Zustimmung für den Kauf des großen Wettbewerbers Lafarge, und der Logistikriese Fedex erwirbt für 4,4 Milliarden Euro den niederländischen Express-Dienstleister TNT. Und selbst in Deutschland, wo sich die Unternehmen lange Zeit zurückhielten, nimmt die Einkaufstour Fahrt auf: Der Darmstädter Pharmakonzern Merck kauft den amerikanischen Konkurrenten Sigmar Aldrich, und Siemens erwirbt den texanischen Ausrüster für die Öl- und Gasindustrie, Dresser-Rand.

Doch nicht nur milliardenschwere und börsennotierte Großkonzerne, auch kleinere Firmen greifen zu. Die Vorstellung, dass mittelständische Betriebe ihr Geld lieber beisammen halten anstatt in Wachstum zu investieren, ist eine Mär. Robotron, ein inhabergeführter Softwarespezialist in Dresden, hat gerade die Saskia-Informationssysteme in Chemnitz übernommen, die schwäbische Werkzeugmaschinen GmbH in Schramberg-Waldmössingen kaufte die Mehrheit an Bartsch – einem Spezialisten für automatisierte Fertigungsanlagen. Und die Hamburger Krahn Chemie hat sich die Mehrheit an der italienischen Pietro Carini, einem Großhändler von Spezialchemikalien, gesichert.

Das sind nur drei von knapp 300 beim internationalen Datenanbieter Bureau van Dijk (BvD) registrierte und damit bekannt gewordene Übernahmen im deutschen Mittelstand aus den vergangenen zwölf Monaten. Viele Fusionen gehen lautlos und regional eng begrenzt über die Bühne, ohne dass Finanzspezialisten wie BvD oder Bloomberg davon erfahren.

Vertraut man Befragungen bei Führungskräften in mittelgroßen, nicht börsennotierten Unternehmen, dann hat mehr als die Hälfte (57 Prozent) der deutschen mittelständischen Firmen in den vergangenen zwölf Monaten wenigstens eine Gelegenheit zur Übernahme ernsthaft geprüft. Im weltweiten Vergleich werden deutsche Firmen damit nur von den traditionell kauffreudigen US-Unternehmen übertroffen. Hier spielten 61 Prozent einen Zukauf durch. Das ermittelte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton. Für die umfangreiche Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, wurden über 5000 Unternehmen aus dem Mittelstand in 35 Ländern befragt. In Europa sind das Unternehmen mit 50 bis 500 Mitarbeitern, in den USA Firmen mit einem Jahresumsatz zwischen 20 Millionen und zwei Milliarden Dollar.

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