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11.08.2012

15:40 Uhr

Übernahmen

Deutsche Firmennamen locken Investoren

VonKatharina Kort

Ein italienischer Mittelständler kauft deutsche Firmen wegen ihres guten Rufs. Denn ein deutscher Name hilft auf dem Weltmarkt weiter. Vor allem in der Stahlbranche gelten heimische Firmen noch immer als Vorbild.

Besonders in der Stahlbranche haben die Deutschen einen guten Ruf. dapd

Besonders in der Stahlbranche haben die Deutschen einen guten Ruf.

MailandEs gibt Unternehmen, die expandieren im Ausland, um sich billige Lohnkosten zu sichern oder Steuern zu sparen. Und es gibt Unternehmen, die kaufen sich den guten Ruf. Ein Firmenchef aus der letzteren Kategorie ist Gianluigi Nova, der Vorstandsvorsitzende von Tenova - einem italienischen Hersteller von Hochöfen und Maschinen für die Stahlindustrie und den Bergbau: „Auf dem Weltmarkt hilft es, wenn man sich mit einem deutschen Firmennamen und einer Visitenkarte mit deutschen Namen präsentiert", sagt er.

Deshalb hat sich Nova gleich mehrere deutsche Unternehmen zugelegt. Nach dem Kauf des Hochofen-Spezialisten Loi, einer ehemaligen Ruhrgas-Tochter in Essen vor sechs Jahren, haben die Italiener 2007 den ostdeutschen Bergbau-Spezialisten Takraf gekauft und sich damit den Einstieg in das wachsende Geschäft mit Minen weltweit gesichert. Takraf beschäftigt heute 1 100 Menschen auf fünf Kontinenten, allein in Deutschland sind es 448 Mitarbeiter. Im offenen Tagebau gehört die deutsche Tochter zu den größten drei Spielern auf dem Markt.

Damit hat Tenova mit seinen weltweit inzwischen 5000 Mitarbeitern nun sowohl in der Stahlindustrie als auch im Bergbau deutsche Aushängeschilder. In China, dem Boomland für die Stahlindustrie sei Deutschland immer noch der „Leuchtturm, an dem sich alle orientieren", sagt der Vorstandsvorsitzende Nova. Das Gleiche gelte in Chile für den Bergbau.

Der Geschäftsführer von der Bergbau-Sparte heißt Walter Küng, ein deutscher Name also, auch wenn sich dahinter ein Österreicher versteckt. Eine Visitenkarte für die Welt, wie es Nova sieht. Der Italiener ist zwar ebenso vom italienischen Know-how überzeugt, aber er weiß auch, dass die Kunden weltweit Deutschland noch mehr respektieren. Es gehe auch nicht nur um den Namen, sagt Nova: „Es war für uns ebenso wichtig, mit den Deutschen und ihrer Kultur zusammenzuarbeiten, die nun einmal wichtig ist in der Welt, auch wenn sie anders ist."

Die Unterschiede sind für den Manager offensichtlich: „Wenn es klare Vorgaben gibt, dann befolgen die Deutschen sie, die Italiener nicht", erklärt Nova. Das müsse nicht immer ein Vorteil sein: „Wenn die Vorgaben gut sind, ist das positiv, wenn sie schlecht sind, hat man ein Problem."

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