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04.01.2007

06:59 Uhr

Übernahmen

Wie sich Mittelständler wehren

VonC. Gesellensetter

Lange galt die Deutschland AG als Bollwerk, das kaum zu erobern war. Doch mit der Beschaulichkeit ist es vorbei, denn längst stehen nicht nur die großen Dax-Unternehmen im Fokus von Konkurrenz und Finanzinvestoren. Der Kampf um die Eigenständigkeit hat auch den Mittelstand erreicht – und der hat rechtlich nur eingeschränkte Möglichkeiten, sich zu wehren.

DÜSSELDORF. Unternehmenskäufe gegen den erklärten Willen des Vorstands kannte man eigentlich nur aus dem Ausland. Spätestens die spektakuläre Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch Vodafone Ender 90er-Jahre hat der Beschaulichkeit jedoch ein Ende gesetzt und klar gestellt: Feindliche Übernahmen sind ein legitimes Instrument im Wettbewerb, an das sich auch deutsche Unternehmen gewöhnen müssen. Mehr noch: die Zahl der Angriffe steigt.

Längst stehen nicht nur die großen Dax-Unternehmen im Fokus von Konkurrenz und Finanzinvestoren. Die Übernahmeschlacht um den Eschborner Energiedienstleister Techem oder der Verkauf des schwäbischen Traditionsunternehmens WMF belegen: Der Kampf um die unternehmerische Eigenständigkeit hat auch den Mittelstand erreicht. „In diesem Segment lassen sich derzeit etwa 1 000 Deals pro Jahr mit einem Gesamtvolumen von rund 17 Mrd. Euro verzeichnen“, weiß Juan Rigall, geschäftsführender Partner der Unternehmerberatung Droege & Comp in Düsseldorf.

Während sich in der Vergangenheit bis zu 40 Prozent der Marktkapitalisierung aller börsennotierten deutschen Gesellschaften im Besitz nationaler Großkonzerne befanden, hat sich die Wirtschaft in den vergangenen Jahren den Anforderungen der Kapitalmärkte gebeugt. „Die Zeit, in der Firmenkonglomerate als Teil der Deutschland AG ein ruhiges Leben führten, sind endgültig vorbei“, weiß Ken Oliver Fritz, Leiter M&A bei Credit Suisse in Frankfurt/M.: „Wer heute Aktien eines Unternehmens kauft, erwartet zu Recht, dass er in ein kompaktes Kerngeschäft und nicht in einen Gemischtwarenladen unterschiedlichster Branchen investiert.“ Um das zu gewährleisten, haben die deutschen Großkonzerne in den vergangenen Jahren viele ihrer mannigfaltigen Beteiligungen aufgegeben.

Die Folgen dieses Trends: Der Streubesitz der meisten Unternehmen ist so hoch wie nie zuvor. Mit ihm wächst die Wahrscheinlichkeit von feindlichen Übernahmen – auch und gerade im börsennotierten Mittelstand.

„Wenn nicht ein oder mehrere Aktionäre eine Sperrminorität halten, lassen sich – zumindest theoretisch – alle erforderlichen Stimmrechte im Rahmen eines öffentlichen Angebots erwerben“, analysiert Joachim von Falkenhausen, Partner der Kanzlei Latham & Watkins in Hamburg. Doch stabile Großaktionäre sind selten geworden. Falkenhausen: „Auch in Familienunternehmen wächst die Bereitschaft, für gutes Geld die eigenen Firmenanteile zu veräußern, selbst wenn der Verkauf den Weg für eine Übernahme ebnet.“

Die Zahl der potenziellen Bieter ist jedenfalls so groß wie nie zuvor. Etwa zehn Prozent aller öffentlichen Übernahmen weltweit sind mittlerweile als feindlich einzustufen. Tendenz steigend.

„Auch ausländische Investoren haben mittlerweile erkannt, dass sich im deutschen Mittelstand etliche unentdeckte Juwelen befinden, und weiten ihre Aktivitäten in diesem Segment aus“, so die Erfahrung von Experte Rigall. Gerade Traditionsunternehmen in Familienbesitz schöpften häufig nicht alle Wertsteigerungsstrukturen vollständig aus, und würden damit zu besonders interessanten Übernahmekandidaten.

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