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20.01.2011

11:49 Uhr

Umweltmanagement

Gelebte Nachhaltigkeit

VonGerd Zimmermann (Creditreform)
Quelle:Creditreform-Magazin

Viele reden darüber, aber nur jedes fünfte Unternehmen wirtschaftet bislang wirklich nachhaltig. Typische Ursachen: Unkenntnis und Fehleinschätzungen auf der Führungsebene. Wie Unternehmen die Nachhaltigkeit zum Firmenziel machen können.

In der Autostadt in Wolfsburg soll die Nachhaltigkeit für Besucher erlebbar gemacht werden. dpa

In der Autostadt in Wolfsburg soll die Nachhaltigkeit für Besucher erlebbar gemacht werden.

MÜNCHEN. Der 28. April 2010 war für Siemens ein historischer Tag. Erstmals in der 163-jährigen Firmengeschichte besuchte ein US-Präsident ein Siemens-Werk: die Fertigungsstätte für Komponenten der Windenergieerzeugung in Fort Madison, Iowa. Hier informierte sich Barack Obama über „die grüne Technologierevolution“, wie Siemens-Chef Peter Löscher den neuesten Stand in Sachen Windenergie und anderen alternativen Energiequellen nennt. Schon jetzt entfällt mit rund 23 Milliarden Euro knapp ein Drittel des Konzernumsatzes auf grüne Produkte und Lösungen.

Zur Revolution zählt der Siemens-CEO aber auch die Konzernziele: So sollen die bei Kunden installierten Produkte und Systeme von nächstem Jahr an für CO2-Einsparungen in Höhe von 300 Millionen Tonnen jährlich sorgen, gemessen am Vergleichsjahr 2006. Gleichzeitig soll der Wasserverbrauch um 20 Prozent abnehmen.

Für Barbara Kux, die erste Frau im Siemens-Vorstand, sind derartige Ziele wichtig für Unternehmen, Mitarbeiter und Kunden. Zeigen sie doch, dass Siemens es mit der viel beschworenen Nachhaltigkeit tatsächlich ernst nehme. „Ein Unternehmen benötigt einen umfassenden Orientierungsrahmen, schließlich hängt der Erfolg heute nicht von materiellen Faktoren ab“, gibt ihr Dieter Weidemann, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, Recht. Und Gerhard Cromme, Aufsichtsratchef bei Thyssen Krupp, vervollständigt: „Nur effiziente, profitable Unternehmen können auf Dauer die erforderlichen Mittel erwirtschaften, die Spielraum für die Erfüllung von wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Zielen schaffen.“

Klingt gut, doch wie sieht es in der Praxis aus? Immerhin werde die Steigerung von Energieeffizienz immer häufiger in Umwelt- und Nachhaltigkeitserklärungen genannt, freut sich Bundesumweltminister Norbert Röttgen. Was nachvollziehbar ist, denn die „DIN EN 16001“ beschreibt formell die Anforderungen an ein betriebliches Energiemanagementsystem (EnMS). Die EnMS-Vorgaben sind von der Umweltmanagementnorm „ISO 14001“ abgeleitet. Für die Nachhaltigkeitsberichte von Organisationen und Unternehmen gelten die Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI). Für Raoul Hille, Geschäftsführer des Hannover Airports, sind solche Regelungen wichtig, denn das Thema Umwelt – von der reinen Bearbeitung klassischer Umweltthemen hin zu einem strategisch aufgestellten Managementsystem – müsse heute auch Chefsache sein. Die offiziellen Vorgaben erleichterten dies.

Und natürlich sollten wie bei Siemens alle Verbesserungen sowohl im eigenen Unternehmen als auch bei den Kunden wirken. „Wir wollen eine durchgängige ressourcen- und energieschonende Kette“, sagt Wolfgang Reitzle, Chef der Linde AG. Eine solche Kette beginne bei Lieferanten, die ökologische und soziale Anforderungen erfüllen müssten – und ende erst beim Kunden. Bei BMW trifft der Vorstand höchstpersönlich Projektentscheidungen anhand von Nachhaltigkeitskriterien wie Ressourcenverbrauch, Emissionen, soziale und gesellschaftspolitische Auswirkungen. Der Fahrzeughersteller hat eigens hierfür Kernindikatoren erarbeitet, sogenannte „Key Performance Indicators“ (KPIs). Mit ihnen werden Nachhaltigkeitsleistungen gemessen, verglichen und gesteuert – auch über die Unternehmensgrenzen hinaus. BMW verwendet KPIs mittlerweile in der gesamten Wertschöpfungskette, also auch bei Lieferanten, Kooperationspartnern und Händlern.

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