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02.01.2008

16:04 Uhr

Ungarn

Erste Lichtblicke nach harten Einschnitten

VonErika Anders-Clever (bfai)

Mit drastischen Reformen saniert Ungarn seinen Staatshaushalt. Verschreckte deutsche Investoren beurteilen die Situation inzwischen wieder optimistischer, und einige von ihnen weiten ihr Engagement aus.

Ungarn zählt wieder zu den fünf attraktivsten Investitionsstandorten in Europa. Foto: dpa dpa

Ungarn zählt wieder zu den fünf attraktivsten Investitionsstandorten in Europa. Foto: dpa

BUDAPEST. Der harte Sparkurs der ungarischen Regierung drückt das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) 2007 voraussichtlich auf 2,5 Prozent. Es ist damit nur halb so hoch wie im restlichen Mittel- und Osteuropa. Die Realeinkommen der Privathaushalte sinken aufgrund der stark steigenden regulierten Preise und Steuern. Die Investitionen stagnieren. Noch immer erfüllt das Land keines der Maastricht-Kriterien. Damit rückt die Einführung des Euro immer weiter in die Ferne: Premierminister Ferenc Gyurcsány erwartet den Währungswechsel nicht vor 2013.

Bis 2008 wird Budapest voraussichtlich das Budgetdefizit auf vier Prozent des BIP drücken können. Zur Erinnerung: Mitte 2006 drohte das Haushaltsdefizit auf elf Prozent des BIP zu steigen. Um ein Einbrechen des Forint-Wechselkurses, ein Hochschnellen der Zinsen und den großen „Meltdown“ abzuwenden, warfen die regierenden Sozialisten alle Wahlversprechungen über Bord und rissen das Steuer herum: Auf Steuersenkungen Anfang 2006 folgten schon im Herbst des gleichen Jahres drastische Anhebungen.

Audi Hungaria – größter Exporteur des Landes – drohte wegen der neuen Lasten mit einem Investitionsstopp. Das Ergebnis: Der größte Investor aus Deutschland bekam die Steuererleichterungen, die ihm zugesagt worden waren. Inzwischen weiteten Audi und VW ihr Engagement aus. Das Audi-Werk in Györ zählt schon jetzt zu den drei größten Motorenschmieden der Pkw-Branche weltweit. „Und wir werden hier neben dem TT auch das A3-Cabrio montieren“, verspricht Audi-Chef Rupert Stadler.

Auch andere Investoren sehen den Silberstreif am Horizont. So hat Hochtief AirPort im Frühjahr 2007 für den Budapester Flughafen die Rekordsumme von 1,9 Milliarden Euro bezahlt. Dabei handelt es sich im europäischen Vergleich nur um einen mittelgroßen Flughafen. Das Cargo-Aufkommen wuchs zuletzt jedoch rasant. „Wir setzen auf eine Verdoppelung der Passagierzahlen bis zum Jahr 2015 und wollen Wien Konkurrenz machen“, begründet der neue Flughafenchef Reinhardt Kalenda den Kauf.

Tatsächlich weisen einige Indikatoren darauf hin, dass die Aussichten vielversprechend sind: Der Geschäftsklima-Index hat sich zuletzt verbessert, die Währung tendiert deutlich fester, und der Leitzins sinkt. „Eine durchgreifende Steuervereinfachung ist aber weiter überfällig“, fordert Elek Straub von der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer. Zu einer „flat tax“ wird es aber wohl nicht kommen. „Schon jetzt ist die Abgabenlast für Unternehmen in Budapest unterm Strich niedriger als in Tschechien oder Polen“, zitieren Regierungsvertreter neueste EU-Studien.

Zudem ist Ungarn das einzige Land in Mittelund Osteuropa, in dem die Lohnstückkosten 2006 fielen. Und sie sinken weiter. „Das Land zählt wieder zu den fünf attraktivsten Standorten für neue Investitionen in ganz Europa“, stellten die Berater von Ernst & Young anhand ihrer Umfrageergebnisse fest. Mit knapp sechs Prozent am BIP setzt denn auch die Bank Austria 2007 und 2008 den jährlichen Zufluss an Auslandsinvestitionen (FDI) nach Ungarn an.

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