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21.02.2012

12:22 Uhr

Ungenutzte Chancen

Mittelständler schielen auf Afrika

VonMartin Wocher

Großkonzerne sind auf dem schwarzen Kontinent längst präsent - aber die Mittelständler erschließen sich den Markt nur langsam. Dabei birgt Afrika dank seiner Rohstoffe, Arbeitskräfte und guter Böden ein großes Potenzial.

Badarmaturen für Südafrika: Hansgrohe-Chef Siegfried Gänßlen (vorn) mit seinen südfrikanischen Mitarbeitern Antony Mederer, Heinz Mederer und Julian Henco. Hansgrohe

Badarmaturen für Südafrika: Hansgrohe-Chef Siegfried Gänßlen (vorn) mit seinen südfrikanischen Mitarbeitern Antony Mederer, Heinz Mederer und Julian Henco.

DüsseldorfDa sind sie wieder, die Bilder von Chaos und Gewalt. Entführte und tote Touristen in Äthiopien, Anschläge und Gefechte in Nigeria, das am Rande eines Bürgerkriegs laviert. Afrika steht für Krisen, Katastrophen und Krankheiten, glauben viele mittelständische Unternehmer in Deutschland. Und investieren lieber in Asien.

Während Konzerne wie Siemens, Daimler oder BASF längst auf dem Kontinent präsent sind, erwachen die Mittelständler nur langsam aus ihrem Dämmerschlaf. Siegfried Gänßlen, Chef des Armaturenherstellers Hansgrohe, versteht das Zögern. Sein Unternehmen ist seit 25 Jahren in Afrika aktiv, mit Erfolg. „Sie brauchen einen langen Atem“, sagt er, „die Arbeit ist oft mühsam, aber der Markt ist interessant.“

Afrika besitzt alles, was Asien auch hat: billige Arbeitskräfte, Rohstoffe, gute Böden, potenzielle Märkte. Befeuert vom Rohstoffboom braucht sich das Wirtschaftswachstum des Kontinents nicht mehr hinter dem vieler asiatischer Staaten zu verstecken. Das gilt vor allem für Länder wie Südafrika, Kenia, Angola, Sambia oder das ölreiche Nigeria.

Doch der Anteil Afrikas am deutschen Außenhandel liegt bei nur zwei Prozent und ist erst zuletzt leicht angezogen. Traditionell stark sind die früheren Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien vertreten. Doch vor allem China sichert sich dort Rohstoffe und macht gute Geschäfte. Sie bauen Hafenanlagen und Autobahnen und beziehen einen Großteil ihres Erdöls von dort. Am Kap hat China Deutschland vom ersten Platz der wichtigsten Handelspartner verdrängt.

Die Produkte

Finfisher

Finfisher hieß das Programm, das im vergangenen Frühling zeigte, wie eng die westliche Sicherheitsbranche mit den arabischen Geheimdiensten zusammenarbeitet. Als Aktivisten der ägyptischen Demokratiebewegung die Zentrale der Staatssicherheit in Kairo stürmten, fanden sie in den Aktenschränken unter anderem ein Angebot der britischen Firma Gamma International. Ihr Programm Finfisher biete "vielfältige Möglichkeiten zum Eindringen in elektronische Briefkästen". Paketpreis: 390000 Euro. Weiterer Briefverkehr zeigte, dass Gamma International bereits zuvor eng mit dem Staatsdienst kooperierte.

IMSI Catcher

IMSI Catcher sind mobile Geräte etwa vom deutschen Marktführer Rohde und Schwarz, die das Abfangen und Abhören von Mobiltelefonen zum Kinderspiel machen. Ein IMSI-Catcher passt bequem in jeden Kofferraum und lässt sich direkt so vor einem Haus parken, in dem eine verdächtige Person wohnt oder zu Besuch ist, berichtet ein ehemaliger Nachrichtendienstler. Der IMSI-Catcher täuscht vor, ein Funkmast für Mobilfunkverkehr zu sein und zieht so sämtliche Daten für die Weiterleitung auf sich. Der Datenstrom für die gewünschte Nummer kann dann isoliert werden. IMSI-Catcher sind der Grund, warum professionelle Kriminelle ständig ihre Handys wechseln. Rohde & Schwarz verkauft sie nur an staatliche Stellen. Auf einer Hackerkonferenz 2010 führte ein Teilnehmer allerdings vor, wie er sich ein solches Gerät für 1 500 Euro selbst gebaut hatte.

Deep Packet Inspection

Deep Packet Inspection ist ein Spezialgebiet der Münchener Firma Trovicor, dem Hauptsponsor der Spionagemesse ISS. Das Verfahren dient obwohl zur Sicherung als auch zur Überwachung von Datenströmen, kann also gleichzeitig zum Sammeln von Informationen und zu ihrer Zensur genutzt werden. Nach einem Bericht des US-Magazins "Bloomberg Markets" wurde ein Menschenrechtsaktivist 2010 festgenommen, nachdem er in Bahrain mit der Software "Monitoring Center" der Firma Trovicor überwacht worden war.

Hansgrohe gehört wie der Abfüllanlagenhersteller Krones zu den Mittelständlern, die sich den Markt systematisch erschlossen haben. „Sie müssen rechtzeitig reingehen und die Marke aufbauen“, sagt Gänßlen. Schritt für Schritt haben sich die Schwaben Vertrieb und Service mit Hilfe lokaler Partner aufgebaut. Wasserhähne und Duschköpfe werden in den Provinzen zum Teil noch vom Lkw herunter verkauft. In den Metropolen greift die kaufkräftige schwarze Mittelschicht inzwischen zu Design und Qualität „made in Germany“.

Gleichzeitig stattet Hansgrohe Hotelketten, Banken oder Flughäfen aus. Inzwischen ist die schwäbische Firma am Kap die Nummer zwei auf dem Armaturenmarkt - mit einem Umsatz von 15 Millionen Euro. Schon bald will Gänßlen in Afrika Armaturen und Wassersparsysteme für 100 Millionen Euro verkaufen und expandiert dafür von Südafrika aus in die anderen Länder der Region.

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